Braunschweig. Immer häufiger schieben Künstler aus dem Show- und Musikgeschäft der Presse einen Riegel vor die Linse. „Fotografieren verboten“, lautet die klare Ansage. Da bildet Pop-Titan Dieter Bohlen leider keine Ausnahme.
Dieter Bohlen war einer von zahlreichen Künstlern, die sich bei den diesjährigen BRAWO Open auf der Bühne im Bürgerpark die Klinke in die Hand gaben. Auf der Bühne und vor Hunderten Fans präsentierte sich der Pop-Titan gewohnt gut gelaunt, nahbar und schlagfertig. Gegenüber der Presse hingegen zeigte er sich deutlich reservierter. Pressefotos? Unerwünscht. Die Kameras mussten in der Tasche bleiben.
Kein neues Phänomen
Dass Künstler Fotofreigaben fordern oder gar Fotoverbote verhängen, ist nicht neu und kommt oft von den Musikern, von denen man es am wenigsten erwartet. So verhängte Herbert Grönemeyer schon vor einigen Jahren bei einem Konzert im Braunschweiger Eintrachtstadion ein Fotoverbot für Online-Medien. LEA – ebenfalls bei den diesjährigen BRAWO Open zu Gast – wollte die Bilder erst freigeben, bevor sie für die Berichterstattung verwendet werden durften. Und nun der Pop-Titan, der sich den Kameras der Presse ganz und gar verweigerte. Denn auch am Meet & Greet vor dem Konzert durfte die Presse nicht teilnehmen. Und soweit wir wissen, war es auch hier nicht erwünscht, eigene Selfies zu machen. Offizielle Bilder vom Treffen konnten im Nachhinein beim Management angefordert werden. Selbiges Angebot galt auch für die Pressevertreter für Konzertfotos.
Kein Foto, kein Bericht!
In allen genannten Fällen haben wir gänzlich auf eine Berichterstattung verzichtet. Denn in der regionalHeute.de-Redaktion gibt es für solche Ansagen eine klare Haltung: Wir unterwerfen uns den strengen und aus unserer Sicht vollkommen übertriebenen Vorgaben der Künstler und des Managements nicht. Kein Foto, keine Berichterstattung!
Jeder Künstler entscheidet selbst, unter welchen Bedingungen fotografiert werden darf. Das ist sein gutes Recht und das akzeptieren wir auch. Müssen wir ja. Trotzdem hinterlässt ein generelles Fotoverbot für die Presse einen komischen Beigeschmack. Schließlich sind professionelle Pressefotografen keine Paparazzi, sondern dokumentieren das, was auf der Bühne passiert. Wir als Medienvertreter haben schließlich nicht das Ziel, möglichst unvorteilhafte Aufnahmen zu veröffentlichen. Ganz im Gegenteil. Gute Bilder sind im Interesse aller Beteiligten und geben den Menschen, die nicht live dabei waren, einen kleinen Einblick in den Abend. Wie gern hätten wir das auch am Samstag getan.
Natürlich können wir einen Artikel über ein gelungenes Konzert auch ohne Bilder veröffentlichen. Aber ein Bericht ohne eigene Bilder ist ein wenig wie ein Konzert ohne Musik.
Und mal ehrlich: Was ist denn eigentlich das Problem? Ist es die Angst vor ungefilterten Bildern oder davor, dass der Künstler ebendiese nicht kontrollieren kann? Die Ironie bei der Geschicht´: Die totale Kontrolle gibt es nicht! Denn schaut man sich nach dem Konzert in den sozialen Medien um, findet man Fotos und Videos, die besser auf dem Smartphone geblieben wären.
Zum Bohlen-Konzert
Der Lack ist ab beim Pop-Titan, und dennoch lieferte er am Samstag eine gute Show ab und sorgte mit Hits wie „You're My Heart, You're My Soul“, „Cheri, Cheri Lady“ und „Brother Louie“ für ausgelassene Stimmung.
Nicht zuletzt auch durch die Unterstützung seiner Band und seines Sideman Joyello Sabatelli wurde es ein gelungener Abend, bei dem ein Hit den nächsten jagte. Die Zuschauer vor der BRAWO-Bühne feierten den Sänger und Entertainer, bei dem die Jahre – immerhin 72 – natürlich ihre Spuren hinterlassen haben. Und eigentlich möchte man dem Dieter dafür seinen Respekt zollen. 90 Minuten auf der Bühne zu stehen, Hits aus über 40 Jahren Musikgeschichte zu performen und das Publikum zu begeistern, ist sicher etwas, was nur wenige über 70-Jährige schaffen. Warum also nicht dazu stehen, Größe zeigen und der Welt einfach die ungeschminkte und ungefilterte Wahrheit präsentieren?
Ich bin mir sicher, dass das dem gelungenen Abend keinesfalls geschadet und es eine wohlwollende Berichterstattung gegeben hätte, in der gestanden hätte:
"Der Pop-Titan kann’s noch immer! Auch wenn der Gesang hier und da ein wenig Unterstützung brauchte und die Moves mit 72 Jahren verständlicherweise etwas gesetzter ausfielen, hat er seine Fans mitgerissen. Braunschweig tanzte und sang zu Hits, die ganze Generationen prägten und die heute wie damals die Massen begeistern."

