Lavespreis geht an Architektur-Absolventin

Malin Meyer hat Obdachlose in den Mittelpunkt ihrer Masterarbeit gestellt.

Peisträgerin Malin Meyer.
Peisträgerin Malin Meyer. Foto: Heiko Jacobs/TU Braunschweig

Braunschweig. Der Lavespreis geht in diesem Jahr an eine Braunschweiger Architektur-Absolventin. Malin Meyer erhielt für ihre Masterthesis "The Reproductive House - Was ist Gemeinwohl?" den mit 2.000 Euro dotierten ersten Preis, teilte die TU Braunschweig am heutigen Freitag mit. Die Auszeichnung wird jedes Jahr von der Lavesstiftung an Studierende der Architektur, Innenarchitektur und Landschaftsarchitektur an niedersächsischen Universitäten und Hochschulen vergeben.


Zur Verleihung der Preise hatte die Lavesstiftung am Donnerstagabend ins Ateliergebäude des Laveshaus in Hannover eingeladen. Die Entwürfe stellten dort der Präsident der Architektenkammer Niedersachsen und Vorsitzende der "Stiftung Robert Marlow" sowie Jury-Leiterin Professorin Tatjana Sabljo von der Hochschule Hannover vor. Insgesamt 83 Arbeiten von sechs Universitäten und Hochschulen wurden dieses Mal eingereicht, so viele wie noch nie zuvor. Neben dem ersten Preis ging auch eine Anerkennung an die TU Braunschweig.

Masterarbeit stellt Obdachlose in den Mittelpunkt


Architektur-Absolventin Malin Meyer überzeugte die Jury mit ihrem Entwurf, der die Fragestellung "Was ist Gemeinwohl?" aufgreift und ein offenes Haus für Obdachlose mitten in Braunschweig zwischen Oker-Ufer und Gaußberg vorsieht. Ihre Masterarbeit sei ein klares Statement für das "Housing first"-Konzept, hieß es. Menschen in existenzieller Not sollen demnach ohne Voraussetzungen - wie zum Beispiel erst einen Entzug zu machen - wieder ein echtes Wohnen angeboten werden. Die Entwurfsverfasserin fragt: "Wie viel ist notwendig, damit sich der Mensch als Individuum in der Welt einrichten kann und sein Leben gelingt? Wann wird eine Wohnung ein Zuhause?"

Malin Meyer lasse bewusst verschiedene Lebensrealitäten niedrigschwellig aufeinandertreffen, hieß es. Dafür mische sie kleine voll ausgestattete Einzelwohnungen für Obdachlose unter anderem mit Studierendenwohnungen, offenen Werkstatt- und Musikräumen, Gewächshäusern und freien Gemeinschaftsflächen. In einer offenen Holzskelettstruktur würden die Funktionen durchlässig und wandelbar modular angeordnet werden, hieß es weiter. Die Bewohner könnten für sich entscheiden, wie viel Gemeinschaft oder Rückzug gewünscht ist. Beratungs- und Hilfsangebote würden am Eingang zum Wohnprojekt angeordnet hieß es.

Architekturprofessor lobt Sozialverträglichkeit des Entwurfs


Architekturprofessor Dan Schürch freut sich über den Erfolg: "Malin Meyer stellt sich in ihrer Masterthesis der sozialen Verantwortung von Architektur und setzt sich mit der Frage auseinander, wie ein Mensch wohl empfindet, der alles verloren hat. Obdachlosigkeit ist gegenwärtig, Ausgrenzungen leider normal, die vorhandenen Strukturen limitiert." Mit dem Entwurf gelinge es Meyer, den Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Vordergrund zu stellen und adäquate architektonische, konstruktive aber auch sozialverträgliche Antworten zu finden. "Es war mir eine Ehre, Malin Meyer zu begleiten und ich beglückwünsche sie zu dem wohlverdienten ersten Preis. Möge durch ihren Beitrag die Welt ein bisschen schöner werden und sie sich in ihrer beruflichen Zukunft die Sensibilität für solch relevante Themen erhalten", sagte Schürch.

Die Jury unter Leitung von Tatjana Sabljo schreibt in ihrer Würdigung: "Malin Meyer zeigt mit diesem Entwurf einen ganzheitlich konzipierten Beitrag mit hoher Sensibilität bezogen auf die Aufgabenstellung sowie die baulichen Fragestellungen des ressourceneffizienten und einfachen Bauens." Der Entwurf schaffe Atmosphären mit großem Respekt für die Nutzenden. Die räumlichen Ausformulierungen würden einen Weg zu einem neuen Ort im Sinne der Heimat aufzeigen können, schreibt die Jury weiter. "Diese Qualitäten in der inhaltlichen, gestaltgebenden und konstruktiven Auseinandersetzung spiegeln sich bis hinein in die Zeichnungen und Darstellungen. Die Jury ist der Meinung, dass dieses Projekt herausragende Qualitäten besitzt und würdigt es mit dem ersten Preis." Eine Anerkennung erhielten auch die Braunschweiger Studierenden Julian Leineweber und Pascal Lumme für ihren Entwurf "KE park : HOME". Sie erarbeiteten ein "nachhaltiges und zeitgemäßes Konzept zur Nachverdichtung durch Umnutzung von Garagenhöfen zu modularen Wohnungen mit Gemeinschaftsflächen", hieß es.

Lavesstiftung will Entwürfe publizieren


Alle Arbeiten sind derzeit im Atelierhaus in Hannover ausgestellt. Die Lavesstiftung will in Kürze eine Publikation mit den Entwürfen veröffentlichen. Jedes Jahr lobt sie den mit 5.000 Euro dotierten Lavespreis aus. Ausgezeichnet würden Arbeiten mit hoher entwurflicher Qualität und hervorragenden Detaillösungen, die auch dem Aspekt der Nachhaltigkeit gerecht werden, hieß es. Dies könnten Studienarbeiten der Bereiche Hochbau, Möbelbau, Innenausbau sowie Freianlagengestaltung sein. Teilnahmeberechtigt sind alle Studierenden der Architektur, Innenarchitektur und Landschaftsarchitektur an niedersächsischen Universitäten und Hochschulen.


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