Braunschweig. Braunschweig wird wieder ein Bundeswehr-Standort – diese Meldung sorgte vor gut einer Woche für reichlich Gesprächsstoff. Während die einen diese Entscheidung begrüßten, gab es auf der anderen Seite auch Kritik. Fakt ist: In der Löwenstadt soll künftig eins von bundesweit 24 neuen Musterungszentren entstehen. Nur wo genau – das bleibt weiterhin unklar. Kommt etwa eine alte, derzeit leerstehende Kaserne dafür infrage?
Bisher halten sich mögliche Vermieter, aber auch die Bundeswehr als Mieter einer Immobilie, die als Musterungszentrum dienen könnte, bedeckt. Die Stadtverwaltung verweist auf Anfrage unserer Redaktion direkt weiter ans Bundesverteidigungsministerium. Dort wolle man sich aber nicht weiter äußern. Einer Pressemitteilung zu den 24 neuen Musterungszentren und Antworten aus der entsprechenden Regierungspressekonferenz – in der aber die Standorte nicht zum Thema wurden – habe das Ministerium nichts hinzuzufügen, heißt es auf Anfrage von regionalHeute.de.
Bundeswehr in Braunschweig bislang beim Kino vertreten
Und auch das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, welches als Betreiber des Musterungszentrums fungieren wird, könne derzeit keine weiteren Informationen herausgeben. Diese Personalabteilung der Armee ist immerhin bereits in Braunschweig vertreten: Seit dem Umzug vom Cyriaksring bei der Arbeitsagentur vor etwas mehr als drei Jahren befindet sie sich mit einem Karriereberatungsbüro in der Langen Straße direkt neben dem Kino.
Dort wird der Platz vermutlich aber nicht reichen, um auch ein Musterungszentrum mit seinen bis zu 50 Mitarbeitern zu beherbergen. Diese Einrichtungen spielen derweil eine wichtige Rolle im neu konzipierten Wehrdienst. Die Bundeswehr erklärt: "Alle wehrpflichtigen Männer ab Geburtsjahr 2008 werden künftig einer verpflichtenden Musterung unterzogen. Die Kapazitäten hierfür werden in Form von regionalen Musterungszentren gerade aufgebaut."
Was passiert also bei einer Musterung? "Bei der Musterung stellt die Bundeswehr die körperliche, psychische und intellektuelle Eignung und Neigung der jeweiligen Person fest. Damit die Musterung schnell und effizient durchgeführt werden kann, ist sie im Regelfall auf eine ärztliche Begutachtung, einen Computer-Test sowie ein persönliches Gespräch reduziert", erklärt die Bundeswehr.
Kreiswehrersatzamt ist keine Option
Diese Prüfungen hatten bis zur Schließung 2011 in Braunschweig im damaligen Kreiswehrersatzamt in der Grünewaldstraße stattgefunden. Ließe sich dieses seitdem leerstehende Gebäude nicht für die neu vorgesehenen Zwecke reaktivieren? Die Antwort ist eindeutig: "Nein. Das Gebäude weist einen hohen Sanierungsbedarf aus und kann kurzfristig für eine Nutzung nicht wieder hergerichtet werden", erklärt eine Sprecherin des Niedersächsischen Landesamtes für Bau und Liegenschaften, dem Eigentümer der Immobilie, auf Anfrage von regionalHeute.de
Auch andere Gebäude im Braunschweiger Stadtgebiet, die dem Land gehören, stehen derzeit offenbar nicht auf der Liste der Bundeswehr. Die Sprecherin des Landesamtes bestätigt: "Derzeit sind hier keine konkreten Anfragen für ein Musterungszentrum bekannt." Auch bei der Fondsverwaltung des Liegenschaftsfonds seien keine solchen Anfragen bekannt.
Wo das Musterungszentrum einziehen wird, bleibt also unklar. Die Frage nach dem "wann" lässt sich bislang ebensowenig beantworten. Das erste der 24 neuen Musterungszentren soll schon dieses Jahr an den Start gehen. Um welches es sich dabei handelt, lässt die Bundeswehr noch nicht durchblicken. Alle anderen Zentren sollen aber bis spätestens Juli 2027 in Betrieb gegangen sein.

