Braunschweig. Es ist ein Lost Place mitten in der Löwenstadt: Seit etwa zweieinhalb Jahren steht die ehemalige Justizvollzugsanstalt Rennelberg leer. Am 9. April 2024 wurden die letzten Gefangenen aus der JVA nach Wolfenbüttel verlegt, die rund 140-jährige Geschichte als Gefängnis endete damit. Das Gelände soll nun verkauft werden – doch dagegen regt sich Widerstand.
Das Areal der JVA umfasst rund 13.400 Quadratmeter, die Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Künftig sollen die historischen Ziegelbauten anderweitig genutzt werden, weshalb das Land Niedersachsen derzeit am Verkauf des Geländes arbeitet. Sechs Interessenten haben sich mittlerweile mit einem Nutzungskonzept gemeldet, der Startpreis im Gebotsverfahren liegt bei 3,6 Millionen Euro. Zu den einzelnen Nutzungskonzepten wollte sich die Braunschweiger Stadtverwaltung, die ein Mitspracherecht in dem Verfahren hat, seinerzeit auf eine Anfrage der Redaktion aus Vertraulichkeitsgründen nicht äußern – lediglich, dass diese über eine reine Wohnnutzung hinausgehen, gab man preis. Dass die zentrale urbane Lage die ehemalige Justizvollzugsanstalt für Investoren attraktiv macht, liegt jedoch auf der Hand.
Petition gegen Verkauf gestartet
Dem Verkauf der JVA Rennelberg an einen privaten Investor blickt jedoch nicht jedermann positiv entgegen. Derzeit läuft eine Online-Petition, die sich an das Land Niedersachsen und den Rat der Stadt Braunschweig richtet und fordert, die Gebäude der ehemaligen JVA zu erhalten. Die Petition wurde von Marten Lutze gestartet, der nach eigenen Angaben Angehöriger eines anerkannten politischen Opfers ist, das wegen seiner SPD‑Mitgliedschaft und seines Widerstandes gegen das NS-Regime drei Jahre lang in diesem Gefängnis eingesessen habe.
Wie Marten Lutze in der Petitionsbegründung weiter schreibt, seien die Gebäude der ehemaligen Haftanstalt aufgrund ihrer Vergangenheit von einmaliger historischer Bedeutung über die Grenzen der Stadt Braunschweig und des Landes Niedersachsen hinaus. Sie hätten gar einen internationalen europäischen Bezug. Tatsächlich wurden in der JVA Rennelberg während der NS-Zeit auch Oppositionelle untergebracht.
Kulturhistorische Bedeutung
Die JVA Rennelberg sei sowohl für die gegenwärtige Gesellschaft als auch künftige Generationen von Wert. Kulturhistorische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft seien ein gesellschaftliches Allgemeingut, das nicht der Interpretation eines Finanzinvestors überlassen werden dürfe. Gedenken brauche einen erlebbaren Ort, da ansonsten das kollektive Gedächtnis schneller verblasse.
JVA soll Gedenkstätte werden
Konkret fordert der Petitionsersteller, die Konzepte der potenziellen Investoren offenzulegen, um die Entscheidungen der Landesregierung und des Stadtrates transparent zu machen. Zudem werden die Landesregierung Niedersachsen und den Rat der Stadt Braunschweig aufgefordert, ihrer historischen und politischen Verpflichtung und Verantwortung gerecht zu werden, die Gebäude der ehemaligen JVA zu erhalten und sie einer zukünftigen dauerhaften und eindeutigen Nutzung als Gedenkstätte, Forschungs- und Bildungseinrichtung zuzuführen. Man plädiere dafür, dass das Hafthaus I mit dem früheren Frauengefängnis und das Hafthaus III mit dem eindrucksvollen Galeriebereich sowie den Todeshaftzellen erhalten bleiben.
Stand heute hat die Petition mit 1327 Unterschriften bereits mehr als die Hälfte des selbstgesteckten Ziels von 2000 Unterschriften erreicht.





