Braunschweig. Ein Fotograf wird kurzerhand zum Teil des Programms, ehemalige Nachhilfeschüler tauchen im Publikum auf und eine ziemlich verrückte Geschäftsidee liefert den Stoff für ein Lied. Bei seinem Auftritt im KufA Haus zeigte Melvin Haack am Donnerstagabend, dass bei ihm nicht nur die Musik, sondern auch die Geschichten dazwischen ihren ganz eigenen Unterhaltungswert haben.
Kaum war der Fotograf im Blickfeld, hatte Melvin Haack schon ein neues Thema gefunden. Die Leute mit den Kameras würden auch immer größer, stellte der Liedermacher fest. Dabei müsse man sich doch irgendwie auf Augenhöhe begegnen können. Er selbst sei schließlich nur ein „Kleinkünstler“. Und überhaupt: Ob der Mann mit der Kamera vielleicht für eine bestimmte Braunschweiger Tageszeitung fotografiere? Die Antwort fiel spontan und deutlich aus: „Nein, um Gottes Willen.“
Kleine improvisierte Nummer
Haack griff die Steilvorlage sofort auf: „Ist mir egal, ich nehme alle Fans. Ich nehme auch Gläubige.“ Das Publikum bekam damit gleich einen Eindruck davon, wie schnell der Künstler aus einer alltäglichen Situation eine kleine improvisierte Nummer machen kann.
Auch seine Gäste bezog Haack immer wieder in seine Geschichten ein. Er habe heute wirklich ein attraktives Publikum vor sich, stellte er fest. Unter den Besuchern entdeckte er sogar Menschen, denen er vor vielen Jahren Nachhilfe gegeben hatte. Damals sei er selbst vielleicht zwischen 16 und 20 Jahre alt gewesen, seine Schüler zwischen acht und 14. Einige von ihnen hätten später Chemie studiert. Ob er das mit seiner Nachhilfe verursacht habe, könne er nicht sagen. „Aber ich habe es auch nicht verhindert“, fügte er hinzu und leitete damit zu einem seiner „Chemie-Klassiker“ über.
Eine halbe Million Liter Apfelsaft
Dass Haack auch aus den unwahrscheinlichsten Begebenheiten ein Lied machen kann, zeigte sich bei der Ankündigung seines ersten „Getränkeliedes“. Das sei allerdings noch alkoholfrei. Und weil das möglicherweise nicht jedermanns Sache sei, verabschiedete er sich vorsichtshalber schon einmal von denjenigen, die nach der Pause vielleicht nicht wiederkommen würden. Die Geschichte hinter dem Lied führte rund zehn Jahre zurück, in die Zeit seiner Band „Schnaps im Silbersee“. Damals hätten die Musiker bei einem Mann übernachtet, der ihnen voller Stolz vom Geschäft seines Sohnes berichtete. Der hatte angeblich 500.000 Liter vergorenen Apfelsaft in Flaschen für jeweils zehn Cent aufgekauft. Sein Plan: den Inhalt wegschütten und das Flaschenpfand kassieren.
„Man kann sich wirklich absurde Sachen überlegen, über die man Lieder schreiben könnte“, erzählte Haack. Aber auf eine solche Idee würde man als Autor vermutlich gar nicht kommen, weil niemand sie für glaubwürdig halten würde. Auch die mögliche Erhöhung des Flaschenpfands auf 50 Cent bekam noch ihren Seitenhieb ab. Das sei dann wohl für viele Menschen die wichtigste Rentenreform dieser Regierung, scherzte der Liedermacher. Aus der Geschichte entstand schließlich das „Lied vom Apfelsaft“. Haack kündigte es mit gewohnt trockenem Humor als eine „zweieinhalbstündige Instrumentaloper“ an.
Ob der junge Mann damals tatsächlich alle Flaschen geleert hat, blieb offen. Bei Melvin Haack hatte die Geschichte jedenfalls längst ein zweites Leben bekommen – als Lied auf der Bühne der Braunschweiger KufA.



