Goslar. Das Thema „Deepfakes und Desinformation“ prägte in dieser Woche die jüngste Auflage der Demokratiekonferenz des Landkreises Goslar. Tim Schneider, seit 2024 IT-Sicherheitskoordinator in der Kreisverwaltung, zeigte in seinem Impulsvortrag auf, wie einfach derartige Fälschungen heute mithilfe von Künstlicher Intelligenz geschaffen werden können. Das berichtet der Landkreis in einer Pressemitteilung.
Die Debatte um Deepfakes dreht sich in der Hauptsache um ihr Potenzial für politische Manipulation und Desinformation. Diese Bedrohung, so führte es Schneider aus, sei jedoch nicht völlig neu. Die Manipulation von Medien sei so alt wie die Medien selbst. So wurden Fotografien zu Propagandazwecken schon lange vor Photoshop überzeugend manipuliert – jedoch mit großem manuellem Aufwand. Als klassisches Beispiel zeigte Schneider Retuschen von Abbildungen Stalins. Inzwischen ist jedoch nahezu jeder Nutzer mit seinem Smartphone in der Lage Videos und Fotos künstlich zu kreieren, die nur schwer von einem Original unterschieden werden können. „Dies führt“, so Schneider, „zu einem erheblichen Anstieg derartiger Inhalte im Internet.“
Deepfakes untergraben Vertrauen
Ein Problem, das auch Landrat Dr. Alexander Saipa in seiner Eröffnungsrede im Haus Hessenkopf vor den rund 30 Teilnehmern thematisierte. Der Verwaltungschef betonte, dass uns unsere Demokratie Freiheitsrechte, Rechtsstaatlichkeit und Mitbestimmung garantiert. „All das kann aber schrittweise verloren gehen, wenn Gleichgültigkeit, Hass oder Fehlinformation überhandnehmen. Deepfakes und Desinformationen untergraben dabei allgemein das Vertrauen in mediale Inhalte sowie in gemeinsame Fakten und ‚Wahrheiten‘ und schwächen den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, so Landrat Dr. Saipa.
Tipps und praktische Übungen
IT-Sicherheitskoordinator Schneider hatte daher auch einige Tipps mitgebracht, wie gefälschte Inhalte, egal ob Tonspur, Foto oder Video, entlarvt werden können. Neben Wasserzeichen, die von vielen KI-Tools verwendet werden, hilft heute – so banal es klingen mag – auch das Bauchgefühl und der gesunde Menschenverstand. Schneider unterstrich mehrfach, dass seine Ausführungen zu KI und Deepfakes jedoch nur eine Momentaufnahme darstellen, da die Weiterentwicklung auf diesem Feld rasend schnell verläuft. Im Anschluss folgte eine intensive Arbeitsphase in der sich die Konferenzteilnehmer noch detaillierter mit den Folgen von Deepfakes und Desinformation anhand praktischer Übungen befassten.
Das Schlusswort der Konferenz hatte Hauptorganisatorin Gaby Töpperwien, die unter anderem einen Ausblick auf die Fortsetzung des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“ bot. Der Landkreis partizipiert bereits seit 2015 an diesem Programm, inzwischen läuft die dritte Förderperiode. Die Kreispolitik befasst sich im aktuellen Gremienlauf mit der weiteren Teilnahme an „Demokratie leben!“. Der Beschluss des Kreistages wird in der Sitzung am 29. Juni erwartet. Vorher beschäftigt sich der Sozialausschuss mit dem Thema.
