Region. Nahezu tagtäglich berichtet regionalHeute.de über schwere Straftaten, die in der Region begangen werden. Darunter nicht selten Morde, versuchte Tötungsdelikte oder schwere Raubüberfälle. Werden die Ermittlungsbehörden der Täter habhaft, so landen diese bestenfalls vor Gericht. In diesem Artikel zeigen wir, welche Prozesse vor den für die Region zuständigen Landgerichten im August geführt werden.
Im deutschen Rechtssystem haben verschiedene Gerichte unterschiedliche Zuständigkeiten. Eine wichtige Instanz innerhalb dieses Systems sind die Landgerichte. Doch welche Straftaten werden eigentlich vor dem Landgericht verhandelt?
Die Landgerichte
Die Landgerichte sind in erster Instanz für schwerwiegende Straftaten zuständig, die nicht in die Zuständigkeit der Amtsgerichte fallen. Dazu gehören unter anderem Fälle von schwerer Körperverletzung, (versuchte) Tötungsdelikte wie Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung, die eine besondere Schwere aufweisen, Raub und Erpressung in besonders schweren Fällen, schwere Sexualdelikte und Wirtschaftskriminalität.
Wie kommt es zum Prozess?
In Deutschland wird ein Strafprozess nur eröffnet, wenn ein sogenannter hinreichender Tatverdacht besteht – also wenn genügend Beweise vorliegen, dass eine Verurteilung wahrscheinlich ist.
Zunächst führt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Sie arbeitet dabei mit der Polizei zusammen. Wenn sich der Verdacht gegen eine bestimmte Person erhärtet, entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob sie Anklage erhebt oder das Verfahren einstellt.
Wird die Anklage erhoben, prüft das zuständige Gericht – zum Beispiel das Landgericht – ob die Voraussetzungen für einen Prozess vorliegen. Das Gericht eröffnet das Hauptverfahren nur dann, wenn es die Anklage für ausreichend begründet hält. Erst mit dieser Eröffnung des Hauptverfahrens kommt es zu einem Gerichtsprozess. Dort werden die Beweise erneut geprüft, Zeugen und Gutachter angehört und schließlich ein Urteil gefällt.
Die Landgerichte der Region
Für die Region sind zwei Landgerichte zuständig. Das Landgericht Braunschweig für Braunschweig, Wolfsburg, Helmstedt, Wolfenbüttel, Salzgitter und Goslar und das Landgericht Hildesheim für die Landkreise Gifhorn (ohne Samtgemeinden Brome und Boldecker Land, LG Braunschweig) und Peine (ohne Gemeinde Vechelde und Wendeburg, LG Braunschweig). Die Gerichte melden die anstehenden Prozesse für den jeweiligen Monat. Für alle Angeklagten gilt bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld die Unschuldsvermutung.
Prozesse am Landgericht Braunschweig
Verschaffen und Besitz kinderpornographischer Inhalte
Beginn: Dienstag, 4. August 2026
Fortsetzungstermine: Mittwoch, 5. August, Montag, 10. August 2026
Tatort: Salzgitter
Tatzeit: 24. Oktober 2025
Zur Last gelegte Tat:
Dem 44-jährigen Angeklagten, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet, wird vorgeworfen, trotz eines bestehenden Kontaktverbots zu Kindern und Jugendlichen erneut Kontakt zu diesen aufgenommen zu haben.
Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung sollen 287 kinderpornographische Dateien festgestellt worden sein. Bei 286 Dateien habe es sich um KI-generierte Videos gehandelt, ein Video habe einen realen Sachverhalt dargestellt. Die KI-generierten Inhalte soll der Angeklagte selbst erstellt haben. Hierzu soll er die künstliche Intelligenz unter anderem mit Bildern von Kindern gespeist haben, zu denen er im realen Leben Kontakt gehabt habe. Außerdem soll er Fotos von Kindern verwendet haben, die an seinem Wohnhaus vorbeigegangen seien.
Aufgrund der psychischen Situation des Angeklagten könnte eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder eine entsprechende Vorbehaltsanordnung in Betracht kommen.
Vergewaltigung in Seniorenheim
Beginn: Dienstag, 11. August 2026
Fortsetzungstermine: Montag, 17. August, Montag, 24. August 2026
Tatort: Osloß
Tatzeit: 23. Oktober 2025
Zur Last gelegte Tat:
Dem 37-jährigen Angeklagten, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet, wird Vergewaltigung sowie sexueller Missbrauch von Hilfsbedürftigen in Einrichtungen vorgeworfen.
Der Angeklagte soll zum Tatzeitpunkt als Pflegekraft in einem Seniorenheim gearbeitet und unter anderem die Betreuung einer an Demenz erkrankten Bewohnerin übernommen haben. Laut Anklage soll er die Tür zum Einzelzimmer der Frau abgeschlossen und dort sexuelle Handlungen gegen ihren Willen vorgenommen haben.
Erst als eine Arbeitskollegin versucht habe, die verschlossene Zimmertür zu öffnen, soll der Angeklagte von weiteren Tathandlungen abgesehen haben. Die Kollegin habe dabei beobachten können, wie er seinen Gürtel wieder geschlossen habe.
Messerangriff nach Verkehrsstreit
Beginn: Dienstag, 11. August 2026
Fortsetzungstermine: Freitag, 14. August, Donnerstag, 20. August, Dienstag, 1. September 2026
Tatort: Braunschweig
Tatzeit: 19. März 2026
Zur Last gelegte Tat:
Dem 33-jährigen Angeklagten, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet, wird versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung sowie Trunkenheit im Verkehr vorgeworfen.
Der Angeklagte soll im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit mit einem Sportwagen gefahren sein, obwohl er nicht mehr fahrtüchtig gewesen sei. Im fließenden Verkehr soll es zu einer Auseinandersetzung mit einem anderen Verkehrsteilnehmer gekommen sein. Der Angeklagte habe diesen überholt und bis zum Stillstand ausgebremst.
Nach einem kurzen Wortwechsel seien beide Beteiligte ausgestiegen. Der Angeklagte soll daraufhin den Zeugen unvermittelt mit einem Schälmesser angegriffen und mehrfach gezielt in Richtung Hals-, Nacken- und Kopfbereich sowie die Schultern gestochen haben. Dabei habe er den Tod des Zeugen billigend in Kauf genommen. Ein hinzueilender Zeuge habe weitere Messerstiche verhindert und den Angeklagten bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten.
Sexueller Missbrauch von Kindern
Beginn: Mittwoch, 12. August 2026
Fortsetzungstermine: Montag, 17. August, Mittwoch, 19. August, Freitag, 21. August, Freitag, 4. September 2026
Tatort: Salzgitter
Tatzeitraum: 17. Juni 2005 bis 17. Juni 2008
Zur Last gelegte Tat:
Dem 57-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, in vier Fällen sexuelle Handlungen an einem Kind vorgenommen zu haben, zu dem er in einer familiären Beziehung gestanden haben soll.
Vergewaltigung und heimliche Bildaufnahme
Beginn: Montag, 17. August 2026
Fortsetzungstermin: Donnerstag, 20. August 2026
Tatort: Wolfenbüttel
Tatzeit: Juli 2025
Zur Last gelegte Tat:
Dem 27-jährigen Angeklagten, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet, wird Vergewaltigung sowie die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen vorgeworfen.
Der Angeklagte soll an einem nicht näher bestimmbaren Tag im Juli 2025 sexuelle Handlungen an dem Zeugen vorgenommen haben. Obwohl dieser spätestens währenddessen seinen entgegenstehenden Willen geäußert habe, soll der Angeklagte die Handlung fortgesetzt haben. Zudem soll er die Tat heimlich mit einem Video aufgezeichnet haben.
Herstellung und Verbreitung kinderpornographischer Inhalte
Beginn: Dienstag, 18. August 2026
Fortsetzungstermine: Dienstag, 1. September, Donnerstag, 3. September 2026
Tatort: Wolfsburg und andere Orte
Tatzeitraum: 26. Oktober 2024 bis 29. Januar 2025
Zur Last gelegte Tat:
Dem 43-jährigen Angeklagten werden insgesamt 13 Taten im Zusammenhang mit kinderpornographischen Inhalten vorgeworfen. Die Taten sollen jeweils im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen worden sein.
Der Angeklagte soll auf ein Kind eingewirkt haben, um dieses zur Herstellung kinderpornographischer Inhalte zu bewegen. Außerdem soll er pornographische Inhalte versendet haben, um sich dadurch jugendpornographische Inhalte zu verschaffen. In weiteren Fällen soll er durch pornographische Inhalte oder entsprechende Gespräche auf Kinder eingewirkt haben.
Bei einer Durchsuchung am 29. Januar 2025 sollen insgesamt 534 Bilder und drei Videos von Kindern in sexuellen Posen sichergestellt worden sein. 58 dieser Dateien sowie die drei Videos soll der Angeklagte aus Chats mit Kindern erhalten haben, in denen er sich als Mädchen ausgegeben habe. Weitere 476 Bilder soll er aus dem Internet heruntergeladen und teilweise mithilfe künstlicher Intelligenz bearbeitet haben.
Auch eine Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus könnte in Betracht kommen.
Betrug mit Corona-Testzentrum
Beginn: Donnerstag, 20. August 2026
Fortsetzungstermine: Dienstag, 25. August, Montag, 7. September, Freitag, 11. September 2026
Tatort: Braunschweig
Tatzeitraum: Februar 2022 bis Ende August 2022
Zur Last gelegte Tat:
Dem 24-jährigen Angeklagten wird Betrug in besonders schwerem Fall vorgeworfen.
Er soll als Betreiber eines Corona-Testzentrums zahlreiche Tests abgerechnet haben, die tatsächlich nicht durchgeführt worden seien. Zudem soll er wahrheitswidrig angegeben haben, über die erforderlichen Kooperationsverträge mit medizinischem Personal zu verfügen.
Der Angeklagte habe angegeben, insgesamt 30.528 Tests durchgeführt zu haben. Tatsächlich sollen lediglich 911 Tests erfolgt sein. Dadurch seien nach Angaben der Staatsanwaltschaft 29.617 Tests zu Unrecht abgerechnet worden. Der dadurch entstandene Schaden soll 180.625,79 Euro betragen. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Einziehung dieses Betrages.
Bewaffneter Drogenhandel mit Amphetamin
Beginn: Montag, 31. August 2026
Fortsetzungstermine: Mittwoch, 2. September, Montag, 7. September 2026
Tatort: Braunschweig
Tatzeit: 16. März 2026
Zur Last gelegte Tat:
Dem 45-jährigen Angeklagten, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet, wird bewaffnetes unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen.
Der Angeklagte soll bis zur Sicherstellung durch die Polizei in seiner Wohnung sowie in einem von ihm gepachteten Kleingarten rund 1,2 Kilogramm Amphetamin aufbewahrt haben, um dieses überwiegend weiterzuverkaufen.
In unmittelbarer Nähe der Betäubungsmittel sollen sich eine Machete in der Wohnung sowie ein Springmesser und eine weitere Machete in der Gartenhütte befunden haben. Außerdem soll der Angeklagte dort ein ungeladenes Luftgewehr gelagert haben.
Bei der Durchsuchung seien zudem typische Betäubungsmittelutensilien sowie 600 Euro Bargeld gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft hat die Einziehung des Geldes beantragt.
Landgericht Hildesheim
Das Landgericht Hildesheim hat bis zur Veröffentlichung des Artikels noch keine die Region betreffenden Prozesse gemeldet.

