Region. Die Zahl der Verfahren zur Einschätzung von Kindeswohlgefährdungen in Niedersachsen ist im Jahr 2025 spürbar gestiegen. Wie das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) mitteilt, schlägt sich dieser landesweite Trend auch in den lokalen Jugendämtern zwischen Harz und Heide nieder. In der Region summierten sich die Prüffälle im vergangenen Jahr auf mehr als 2.700 Verfahren.
Landesweit führten die Jugendämter insgesamt 22.338 Gefährdungseinschätzungen durch – ein Plus von 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024: 20.066 Verfahren). In 4.803 Fällen stellten die Behörden in Niedersachsen eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung fest. Der Großteil der betroffenen Kinder und Jugendlichen lebte dabei im familiären Umfeld, meist bei den eigenen Eltern oder bei einem alleinerziehenden Elternteil.
Zahlen aus der Region
Ein genauer Blick auf die Region zeigt eine Zunahme der Prüffälle in nahezu allen Kommunen. Umfasste die Region im Jahr 2024 noch insgesamt 2.083 Gefährdungseinschätzungen, stieg diese Gesamtzahl im Jahr 2025 auf 2.709 Verfahren an.
Die meisten Verfahren im Jahr 2025 wurden in der Stadt Wolfsburg verzeichnet, wo die Zahlen von 539 im Jahr 2024 auf nun 626 Fälle stiegen. In der Stadt Braunschweig blieben die Fallzahlen mit 513 Verfahren auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Vorjahr (2024: 501 Fälle).
Ein deutliches Plus gab es im Landkreis Peine, wo sich die Prüfverfahren von 172 auf 409 mehr als verdoppelten. Auch der Landkreis Gifhorn meldete mit 383 Verfahren einen Anstieg (2024: 271 Fälle), ebenso wie die Stadt Salzgitter mit 365 Verfahren (2024: 278 Fälle) und der Landkreis Goslar mit 289 Verfahren (2024: 245 Fälle).
In den Landkreisen Wolfenbüttel (69 Fälle im Jahr 2025 gegenüber 29 im Jahr 2024) und Helmstedt (55 Fälle im Jahr 2025 gegenüber 48 im Jahr 2024) blieben die Gesamtzahlen im Vergleich weiterhin auf einem niedrigeren Niveau.
Akute Gefährdungen und latente Fälle
Nicht jede Überprüfung führt zur Feststellung einer unmittelbaren Gefahr. Dennoch dokumentierten die regionalen Jugendämter im Jahr 2025 insgesamt 328 Fälle von akuter Kindeswohlgefährdung, was einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr bedeutet (2024: 344 akute Fälle in der Region).
Die mit Abstand höchste Zahl verzeichnete dabei die Stadt Braunschweig mit 100 akuten Feststellungen (2024: 110 Fälle), gefolgt von Salzgitter mit 58 Fällen (2024: 54 Fälle) und Wolfsburg mit 50 Fällen (2024: 63 Fälle). In den Landkreisen Goslar (36 Fälle nach 49 im Vorjahr), Gifhorn (36 Fälle nach 25 im Vorjahr) und Peine (35 Fälle nach 26 im Vorjahr) lagen die Werte im mittleren Bereich. In Wolfenbüttel gab es 11 akute Fälle (2024: 9 Fälle) und im Landkreis Helmstedt 2 akute Fälle (2024: 8 Fälle).
Eine latente Kindeswohlgefährdung – bei der eine Gefahr nicht eindeutig ausgeschlossen werden kann – wurde regionsweit in 227 Fällen ermittelt, was einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr entspricht (2024: 201 Fälle). Die meisten dieser latenten Fälle entfielen im Jahr 2025 auf Wolfsburg mit 52 Fällen, Braunschweig mit 42 Fällen, Goslar mit 39 Fällen und Salzgitter mit 34 Fällen, gefolgt von Gifhorn mit 22 Fällen, Peine mit 18 Fällen, Wolfenbüttel mit 16 Fällen und Helmstedt mit 4 Fällen.
Hoher Hilfebedarf auch ohne akute Gefahr
In der Überzahl der Fälle führten die Prüfungen der Jugendämter zur Entwarnung bezüglich einer akuten Bedrohung. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine Unterstützung nötig war. In 1.002 Verfahren in der Region erkannten die Fachkräfte im Jahr 2025 zwar keine Kindeswohlgefährdung, stellten aber einen weiteren Hilfe- oder Unterstützungsbedarf fest.
Das ist ein spürbarer Zuwachs gegenüber dem Jahr 2024, als dieser Bedarf in der Region in 713 Fällen ermittelt wurde. Spitzenreiter waren hierbei Wolfsburg mit 266 Fällen (2024: 206 Fälle) und Braunschweig mit 244 Fällen (2024: 208 Fälle). In weiteren 1.152 Verfahren der acht Kommunen lag weder eine Gefährdung noch ein Hilfebedarf vor (2024: 825 Fälle).
Unter den 2.709 betroffenen Kindern und Jugendlichen in der Region im Jahr 2025 befanden sich 1.372 Mädchen und 1.337 Jungen (2024: 1.042 Mädchen und 1.041 Jungen).

