Klinikum Helmstedt: Chefarzt zweifelt an der Coronaimpfung

Dr. Dr. Jozef Rakicky ist Chefarzt am Helios-Klinikum Helmstedt. Dass er von COVID-19-Impfungen wenig hält, daraus machte er auf einer Corona-Demo in Sachsen-Anhalt kein Geheimnis.

von Niklas Eppert


Dr. Jozef Rakicky tritt auf Coronademos auf. Von Covid-Impfungen hält der Chefarzt und Neurologe nicht sonderlich viel.
Dr. Jozef Rakicky tritt auf Coronademos auf. Von Covid-Impfungen hält der Chefarzt und Neurologe nicht sonderlich viel. Foto: Thomas Stödter

Helmstedt. In einem Video auf Facebook ist der Helmstedter Arzt Dr. Dr. Jozef Rakicky zu sehen, wie er auf einer Demonstration in Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt eine Rede hält. Dabei stellt Rakicky zum Teil sehr kontroverse Thesen auf: COVID-19 rechtfertige keine Maßnahmen, Impfungen seien ebenso wirkungslos wie gefährlich und überhaupt würden alle nur Geld an der Impfung verdienen wollen. Beweise dafür bleibt er schuldig. Sein Arbeitgeber, das Helmstedter Krankenhaus ist wenig begeistert von Rakickys Einlassungen.


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Entschuldigend dreht die blonde Frau sich um, als sie ihn ankündigt: "Und ich freue mich jetzt den Herrn Rakicky, ich hoffe ich habe den Namen richtig ausgesprochen, aus Helmstedt zu begrüßen. Er ist Arzt und möchte sich auch nochmal gerne äußern." Rakicky, mit langem Mantel und Hut, wendet sich an die Menschen in Wolmirstedt, die sich an diesem Abend wieder vor dem Rathaus versammelt haben, um gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu protestieren. Man höre ja, schiebt der Arzt und AfD-Kreistagsabgeordnete mit deutlich hörbarem tschechischen Akzent vorweg, dass er weder ein Nazi, noch ein Rechter sein könne und Querdenker schon gar nicht. Auch Impfgegner sei er per se nicht. Immerhin sei er ja schon als Kind in seiner ehemals sozialistischen Heimat geimpft worden, ebenso wie alle anwesenden Ostdeutschen. Das sei ja auch alles sinnvoll gewesen. Aber gegen COVID19 solle man sich nicht impfen lassen. Das sei alles zu heikel, glaubt der 65-Jährige. Egal, wie viele "sogenannte Experten" es empfehlen. Die würden ohnehin nur daran verdienen wollen. Zwischendurch sind "Bill Gates"-Rufe und lauter Applaus zu hören. Rakicky wird übrigens nur als Chefarzt vorgestellt. In welcher Fachrichtung er praktiziert, verschweigt der kurze Film.

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Das mittlerweile auf Facebook gelöschte Video zeigt den Chefarzt im Fachbereich Neurologie des Helios Klinikum Helmstedt, Dr. Dr. Jozef Rakicky. Rakicky, der für die AfD nicht nur im Kreistag sitzt, sondern auch Landrat des Kreises Helmstedt werden wollte, behauptet auf der Kundgebung, dass er täglich schwere Fälle von Impfschäden zu behandeln habe: Lähmungen, Nervenentzündungen, sogar Sinusvenenthrombosen müsse er wegen der Impfungen heilen. Diese Zahlen würden aber nicht offen kommuniziert. Und überhaupt sei ein großer, aber schweigender Teil der Ärzteschaft seiner Meinung. Warum und wer, das lässt Rakicky offen. Stattdessen spricht er COVID-19 ab, Maßnahmen in der aktuellen Form zu rechtfertigen. Er vergleicht es mit dem Herpes-Zoster-Virus, das jeder im Körper trage und das eventuell eines Tages einen Gürtelroseausbruch verursachen könne. Ohnehin, vor einigen Jahren seien "ganze Etagen" voller Influenzapatienten gewesen. Darüber habe ja auch niemand gesprochen. Beweise dafür liefert er nicht. Auch nicht auf Nachfrage. Trotz mehrmaliger Kontaktaufnahmen wollte der Neurologe sich gegenüber regionalHeute.de nicht äußern. Corona, so scheint es, ist für Rakicky nichts weiter als Panikmache.

Das Krankenhaus ist wenig begeistert


Im Helios Klinikum Helmstedt ist man über Rakickys Auftritt derweil wenig begeistert. Natürlich habe er ein Recht auf eine freie Meinungsäußerung, betont Krankenhaussprecherin Lisa Iffland auf Nachfrage von regionalHeute.de. Kritisch würde es aber, wenn er die mit seiner Tätigkeit bei Helios vermische. Und das sei hier passiert. Besonders seine Thesen zum Impfen teile das Krankenhaus nicht: "Uns ist sehr wichtig zu betonen, dass Dr. Rakicky sich dort als Privatperson äußert. Er vertritt ausdrücklich nicht die Meinung von Helios. Wir distanzieren uns daher deutlich von den von Dr. Rakicky getätigten Äußerungen." Die Frage, welche Konsequenzen das nun für den eigenen Chefarzt haben könnte, lässt das Krankenhaus unbeantwortet.

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Rakicky, der nicht nur seinem Arbeitgeber, sondern dem ganzen Gesundheitssystem vorwirft, die Coronazahlen zu manipulieren, wollte sich auch dazu nicht äußern. Im Video sagt er lediglich, dass das Krankenhaus jeden als Covid-Patienten aufnehme, der vor Ort mit einem PCR-Test positiv getestet werde, sofern "sich niemand um die Person kümmert" oder der Patient bereits Vorerkrankungen an Lunge oder Herz hat. Inwiefern das die Intensivbettenbelegung, die für die Coronamaßnahmen neben der Inzidenz ausschlaggebend ist, betrifft, lässt er aber offen. Mit wenigen Klicks ist auf der Seite der Helios-Krankenhäuser eine entsprechende Statistik zu finden. Die schlüsselt auf, wie hoch der Anteil der Covid-Fälle gemessen an allen Patienten ist, auf Normal- ebenso wie auf Intensivstation. Verheimlicht wird das also nicht. Wie Kollegen und Pfleger auf die Thesen ihres Chefarztes reagieren, ist dagegen nicht überliefert.


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