Neue Sparpläne: VW will wohl 100.000 Stellen streichen

Bislang war von 50.000 Stellen die Rede. Kritik hagelt es von Betriebsrat und Gewerkschaft sowie vom Ministerpräsidenten.

von


Bis zu 100.000 Stellen sind bei Volkswagen wohl akut in Gefahr.
Bis zu 100.000 Stellen sind bei Volkswagen wohl akut in Gefahr. | Foto: Matthias Kettling

Mehr regionalHeute.de bei Google sehen?

Jetzt als bevorzugte Quelle festlegen

Region. Neue Sparpläne der Volkswagen AG sind heute durchgesickert. Laut bundesweiten Medienberichten – zuerst hatte das Manager-Magazin dazu berichtet – könnte der Automobilkonzern aus Wolfsburg bis zu 100.000 Stellen abbauen wollen. Bislang war von 50.000 Stellen die Rede, die es bis 2030 weniger sein sollten. Jetzt geht es also um doppelt so viele Jobs, die gestrichen werden könnten. Nicht nur bei Gewerkschaften und dem Betriebsrat kommen diese neuen Aussichten gar nicht gut an.



Dabei geht es offenbar um Stellen in den VW-Werken Emden, Hannover und Zwickau, die vom Abbau betroffen sein könnten. Auch das Audi-Werk in Neckarsulm könnte wohl dazu gehören. Die Werke in unserer Region – mit Wolfsburg, Braunschweig und Salzgitter – scheinen also in dieser Sache zunächst außen vor zu bleiben.

IG Metall und Gesamtbetriebsrat kritisieren die Pläne


Die Pläne des Konzerns riefen direkt harsche Kritik von Arbeitnehmervertretern hervor. In einer gemeinsamen Stellungnahme kommentierten Christiane Benner (Erste Vorsitzende der IG Metall), Daniela Cavallo (Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG) sowie Thorsten Gröger (Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie Verhandlungsführer der IG Metall für den VW-Haustarifvertrag) die neuen Entwicklungen so: „Die erneuten Medienberichte verunsichern unsere Belegschaft und unsere Standortregionen zu Recht. Aber: Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen."

Dass 50.000 Stellen bis 2030 abgebaut werden, galt bislang als beschlossene Sache. Auch die IG Metall war dabei an Bord. Weitere Jobs sollten allerdings nicht dazu kommen. Die neuen Pläne gehen offenbar wohl in eine andere Richtung.

Sollte der Konzern diese Pläne vorantreiben, "würden wir sie mit aller Macht verhindern", kündigen Betriebstrat und Gewerkschaft in ihrem Statement an. Die Arbeitnehmervertreter erklären: "Entscheidend ist ohnehin etwas ganz Anderes: Statt blinden Aktionismus zu zeigen, sollte der Vorstand endlich seinen Job machen und sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren: wettbewerbsfähige Produkte, Technologien, Konzernstrukturen und -synergien und damit auch sichere Beschäftigung.“

Auch die Spitze der niedersächsischen Landesregierung meldet sich zu den heute kursierenden neuen Zahlen zu Wort. Immerhin ist das Land zweitgrößter Anteilseigner des Konzerns und im Aufsichtsrat vertreten. Ministerpräsident Olaf Lies und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg gaben ein gemeinsames Statement heraus. Darin heißt es: „Die in den Medien geschilderten Pläne nehmen wir zur Kenntnis. Zunächst gilt: Über konkrete Maßnahmen wird der Aufsichtsrat beraten und entscheiden. Das Land Niedersachsen wird seine Verantwortung dort mit der gebotenen Sorgfalt wahrnehmen."

Land stemmt sich gegen Werkschließungen


Beide stellen klar: "Die Zukunft von Volkswagen wird nicht dadurch gewonnen, dass man immer neue Werksschließungen oder immer größere Stellenabbauprogramme in den Fokus stellt." Ähnlich wie die IG Metall und der Betriebsrat betonen auch Lies und Hamburg, dass VW zu seinen Stärken zurückfinden und so überzeugen müsse – "mit wettbewerbsfähigen Fahrzeugen, innovativen Produkten, einer konsequenten Nutzung von Synergien und einer klaren strategischen Ausrichtung. Genau das hat Volkswagen groß gemacht, und genau daran muss der Vorstand sich messen lassen."

Das Land Niedersachsen werde keiner Entwicklung zustimmen, "die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt oder die bewährte Mitbestimmung infrage stellt." Mitbestimmung sei kein Wettbewerbsnachteil, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Erfolgsgeschichte von Volkswagen, betonen der Ministerpräsident und seine Stellvertreterin.

Themen zu diesem Artikel


VW