Pflegeplatz gesucht: Niedersachsen lässt Angehörige weiter auf Portal warten

Ein landesweites Pflegeportal sollte die Suche erleichtern. Doch die Landesregierung hat weiterhin keinen Zeitplan. Die CDU fordert mehr Tempo. Ein Interessenverband warnt unterdessen, dass eine bessere Übersicht allein nicht ausreicht.

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Symbolbild | Foto: via dts Nachrichtenagentur

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Region. Nach einem Krankenhausaufenthalt oder wenn die Pflege zu Hause vorübergehend nicht möglich ist, muss manchmal schnell ein Pflegeplatz gefunden werden. Für Angehörige kann die Suche dann zur Geduldsprobe werden. Eine landesweite Übersicht über aktuell verfügbare Plätze gibt es in Niedersachsen bislang nicht. Dabei hatten SPD und Grüne ein entsprechendes Pflegeportal bereits in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt.



Wann das Vorhaben umgesetzt werden soll, ist weiterhin offen. Das Niedersächsische Sozialministerium teilte auf Anfrage von regionalheute.de mit, dass derzeit kein konkreter Zeitplan bestehe. Statt ein landesweites Angebot einzuführen, setzt das Ministerium vorerst auf die Weiterentwicklung regionaler Lösungen. Die CDU-Opposition hält dieses Vorgehen für unzureichend. Auch der Interessenverband „wir pflegen“ sieht Handlungsbedarf. Allerdings geht es aus seiner Sicht um weit mehr als eine digitale Vermittlung freier Plätze.

Ministerium sieht Schwierigkeiten


Dass ein landesweites Pflegeportal Vorteile bieten könnte, räumt das Sozialministerium ein. Anfragen ließen sich zentral erfassen und mit verfügbaren Angeboten abgleichen. Die gewonnenen Informationen könnten außerdem den Kommunen helfen, den örtlichen Pflegebedarf besser einzuschätzen.

Entscheidend sei allerdings, dass sich möglichst viele Einrichtungen beteiligen und ihre Angaben regelmäßig aktualisieren. Nach Einschätzung des Ministeriums sind diese Voraussetzungen derzeit nicht ausreichend erfüllt.

Wirksamkeit kritisch bewertet


Erfahrungen mit bestehenden Portalen in Niedersachsen und anderen Bundesländern hätten gezeigt, dass hinterlegte Informationen teilweise veraltet seien. Auch der tatsächliche Nutzen für Pflegebedürftige und Angehörige bleibe mitunter hinter den Erwartungen zurück. Selbst dort, wo Meldepflichten bestehen, werde die Wirksamkeit solcher Systeme kritisch bewertet.

Das Ministerium hält deshalb die Weiterentwicklung bestehender regionaler Angebote für sinnvoller. Als Beispiel nennt es das Pflegeportal Weser-Ems, über das sich Informationen zu wohnortnahen Pflege- und Unterstützungsmöglichkeiten finden lassen.

Wie viele Pflegeplätze sind tatsächlich frei?


Wie viele Pflegeplätze in Südostniedersachsen derzeit verfügbar sind, kann das Sozialministerium nicht sagen. Zwar liegen statistische Angaben über die vorhandenen Kapazitäten vor, aktuelle Belegungszahlen fehlen jedoch.

Nach der jüngsten vom Ministerium übermittelten Pflegestatistik gab es Ende 2023 in Braunschweig, Salzgitter, Wolfsburg sowie den Landkreisen Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine und Wolfenbüttel insgesamt 16.131 vollstationäre Pflegeplätze. Darunter waren 676 Kurzzeitpflegeplätze, einschließlich solcher, die innerhalb stationärer Einrichtungen vorübergehend dafür genutzt werden können.

Land hat keine Informationen


Ob und in welchem Umfang diese Plätze inzwischen belegt sind, geht aus den Zahlen nicht hervor. Auch über Wartelisten, abgelehnte Anfragen oder die durchschnittliche Dauer der Pflegeplatzsuche verfügt die Landesregierung nach eigenen Angaben über keine Informationen.

Für die Ermittlung des regionalen Versorgungsbedarfs verweist das Sozialministerium auf die Pflegekassen. Diese seien gesetzlich verpflichtet, eine bedarfsgerechte Versorgung ihrer Versicherten sicherzustellen.

Schwierigkeiten bei der Suche


Welche Schwierigkeiten bei der Suche entstehen können, erfährt Sebastian Fischer regelmäßig aus Gesprächen mit pflegenden Angehörigen. Er ist geschäftsführender Vorstand des niedersächsischen Vereins „wir pflegen“, der sich für deren Interessen einsetzt. „Immer wieder berichten pflegende Angehörige, dass sie sich die Finger wund wählen“, erklärt Fischer gegenüber regionalHeute.de. Dabei gehe es sowohl um kurzfristige Unterstützung als auch um eine längerfristige Entlastung.

Besonders angespannt sei die Situation bei der Kurzzeitpflege. Sie wird beispielsweise benötigt, wenn Angehörige vorübergehend nicht selbst pflegen können. Nach Fischers Erfahrungen sind entsprechende Plätze häufig weder kurzfristig verfügbar noch für einen späteren Zeitpunkt verlässlich einzuplanen. Ein Grund dafür sei, dass Einrichtungen vorhandene Betten teilweise lieber dauerhaft belegten. Solche Aufnahmen versprächen den Anbietern nach seiner Einschätzung verlässlichere Einnahmen.

Probleme bei der Tagespflege


Probleme sieht Fischer auch bei der Tagespflege. Mancherorts beschränke sich das Angebot weitgehend auf die Betreuung. Für weitergehende pflegerische Leistungen fehlten dagegen Personal oder finanzielle Mittel.

Hinzu komme die schwierige Versorgung jüngerer pflegebedürftiger Menschen. Für sie gebe es vielerorts keine altersgerechten Einrichtungen. Besonders in ländlichen Regionen sei es nach Einschätzung des Verbandes schwierig, passende Angebote zu finden.

CDU drängt auf schnelle Umsetzung


Die niedersächsische CDU fordert, das im Koalitionsvertrag angekündigte Pflegeportal möglichst bald einzuführen. Mit einem parlamentarischen Antrag will die Fraktion die Landesregierung zum Handeln bewegen. „Wir sind überzeugt, dass ein landesweites Pflegeportal die Suche nach einem Pflege- oder Kurzzeitpflegeplatz deutlich erleichtern würde, weil freie Kapazitäten zentral, transparent und tagesaktuell abrufbar wären“, erklärt der gesundheitspolitische Sprecher Eike Holsten gegenüber regionalHeute.de.

Nach den Vorstellungen der CDU sollen Angehörige künftig kostenlos über eine Internetseite oder App nach freien Plätzen suchen können. Zunächst sollen stationäre Einrichtungen und Kurzzeitpflegeangebote erfasst werden, später möglichst auch die Tagespflege. Damit die Angaben aktuell bleiben, setzt Holsten auf eine weitgehend automatisierte Datenübermittlung. Viele Pflegeheime würden ihre Belegung bereits elektronisch erfassen. Diese Informationen könnten nach Ansicht der CDU an das Portal weitergegeben werden, ohne zusätzlichen Verwaltungsaufwand für die Einrichtungen zu verursachen.

Die Landesregierung müsse gemeinsam mit Pflegeeinrichtungen, Pflegekassen und Kommunen ein entsprechendes Konzept erarbeiten. Auch die Finanzierung solle grundsätzlich das Land übernehmen. Wie hoch die Kosten ausfallen würden und wann ein solches Portal einsatzbereit sein könnte, kann allerdings auch die CDU noch nicht sagen.

Pflegeverband fordert verbindliche Meldungen


Sebastian Fischer vom Verein „wir pflegen“ hält eine freiwillige Beteiligung der Pflegeeinrichtungen für unzureichend. Anbieter müssten verpflichtet werden, freie Plätze unverzüglich zu melden. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Angehörige bei ihrer Suche auf Angebote stoßen, die längst vergeben sind.

Außerdem müsse das Portal unterschiedliche Pflegesituationen berücksichtigen. So sollte erkennbar sein, ob eine Einrichtung Kinder, jüngere Erwachsene oder ältere Menschen aufnehmen kann. Auch der Pflegegrad und der jeweilige Unterstützungsbedarf müssten bei der Suche berücksichtigt werden können.

Eine zuverlässige Übersicht würde nach Fischers Einschätzung allerdings nur einen Teil der Schwierigkeiten lösen. Vielerorts fehlten geeignete Angebote. Besonders die Kurzzeitpflege und ambulante Dienste hätten mit Personalmangel und wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Der Verband wirft der Landesregierung vor, die Pflegeversorgung zu lange dem Markt überlassen zu haben. Die Defizite seien aus Landespflegeberichten und regionalen Untersuchungen bekannt. Fischer fordert deshalb ein stärkeres Eingreifen der Politik.

Landesförderung wird kaum genutzt


Auch bei der Förderung zusätzlicher Kurzzeitpflegeangebote zeigen sich Schwierigkeiten. Nach Angaben des Sozialministeriums wurden aus einem Landesprogramm für verlässlich bereitgehaltene Kurzzeitpflegeplätze bislang lediglich 36.200 Euro abgerufen. Zwei Anbieter hätten eine Förderung beantragt, 2026 sei ein weiterer Antrag hinzugekommen.

Als wesentlichen Grund für die geringe Nachfrage nennt das Ministerium eine seit März 2023 bestehende bundesrechtliche Finanzierungsregelung, die von den Anbietern bevorzugt werde. Hinzu komme der Fachkräftemangel, der den Ausbau entsprechender Angebote erschwere. Die genannte Summe bezieht sich ausschließlich auf dieses Landesförderinstrument und nicht auf die gesamte öffentliche Finanzierung der Kurzzeitpflege.

Die CDU will die Landesregierung weiter nach dem Stand des angekündigten Pflegeportals fragen. Holsten erwartet, dass die notwendigen Vorarbeiten unverzüglich beginnen. Das Sozialministerium hält dagegen vorerst an der Weiterentwicklung regionaler Angebote fest. Wann es eine landesweite Lösung geben könnte, bleibt offen.