Zwei Stunden Wartezeit auf den Rettungsdienst: Lag es am Schichtwechsel?

Ein hilfloser Mann soll an Mülltonnen in einem Wohngebiet ungewöhnlich lange auf den Rettungsdienst gewartet haben. Was bei einem Notruf zu beachten ist.

von Rudolf Karliczek und


Bei diesen Mülltonnen soll der hilflose Mann wohl beinahe zwei Stunden gelegen haben.
Bei diesen Mülltonnen soll der hilflose Mann wohl beinahe zwei Stunden gelegen haben. | Foto: Rudolf Karliczek

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Salzgitter. Musste ein hilf- und orientierungsloser Mann am gestrigen Donnerstagmorgen in Lebenstedt zwei Stunden auf den Rettungsdienst warten? So schilderte es eine Leserin gegenüber regionalHeute.de. Sie habe kurz nach 7 Uhr einen Notruf abgesetzt, erst nach 9 Uhr kam ein Rettungswagen. Die Besatzung habe der Leserin gegenüber gesagt, es habe wegen des Schichtwechsels länger gedauert. Die Wartezeit hatte aber völlig andere Gründe, stellt die Stadtverwaltung klar.



Zunächst zur Schilderung des Vorfalls der Bewohnerin vor Ort: Sie habe gegen 7 Uhr aus dem Fenster ihrer Wohnung einen hilf- und orientierungslosen Mann auf der Wiese neben der Wohnanlage am Wilhelm-Kunze-Ring gesehen, der sich kaum auf den Beinen halten konnte. Sie habe daraufhin den Notruf gewählt. Am Telefon habe man ihr gesagt, dass zunächst die Polizei kommen werde.

Etwas später sei ein Streifenwagen an der Adresse vorbeigefahren, ohne dass die Beamten ausgestiegen seien. Der anscheinend gesundheitlich angeschlagene Mann habe in der Zwischenzeit bei den Mülltonnen der Wohnanlage gelegen. Wie die Leserin uns mitteilte, sei kurz nach 9 Uhr – also zwei Stunden nach dem ersten Notruf – ein Wagen des Rettungsdienstes erschienen. Die Besatzung habe ihr gegenüber gesagt, dass es noch einen zweiten Notruf gegeben hätte und es länger gedauert habe, weil beim Rettungsdienst Schichtwechsel anstand.

So äußert sich die Stadt


Zum letzten Punkt erklärt die Stadtverwaltung, deren Berufsfeuerwehr für die Leitstelle und den Rettungsdienst zuständig ist, auf Anfrage von regionalHeute.de deutlich: "Nein, durch interne organisatorische Maßnahmen sind starke Verzögerungen bei Feuerwehr- und Rettungsdiensteinsätzen ausgeschlossen." Ein Schichtwechsel könne also nicht dazu führen, dass Wartezeiten bei einem Notfall entstehen.

Was war also der Grund für die lange Wartezeit in diesem Fall? Wie die Verwaltung erklärt, sei tatsächlich der Anruf um 7.06 Uhr bei der Leitstelle eingegangen. "Im ersten Anruf sprach die anrufende Person nur davon, dass eine Person torkelnd unterwegs sein würde, und war selbst zu weit entfernt, um eine genauere Einschätzung vorzunehmen", heißt es. Wie oben erwähnt, hatte die Hinweisgeberin erklärt, den hilflosen Mann von ihrem Fenster aus beobachtet zu haben. Die Schilderungen reichten offenbar dem Disponenten bei der Notrufzentrale nicht aus. Der Anruf wurde zur Polizei durchgestellt – von dieser kam keine Rückmeldung an die Leitstelle, dass ein Rettungswagen benötigt werde.

Erst nach einem zweiten Anruf fuhr ein Wagen des Rettungsdienstes los (Symbolbild).
Erst nach einem zweiten Anruf fuhr ein Wagen des Rettungsdienstes los (Symbolbild). Foto: via dts Nachrichtenagentur



Notruf: Dezidierte Informationen fehlten in diesem Fall


Letztlich wurde aber ein solcher Einsatzwagen zu der Stelle losgeschickt. Das passierte aber erst nach einem zweiten Anruf eines anderen Anrufers, der "dezidierte Informationen" bereithielt. Die für die Leitstelle zuständige Verwaltung betont: "Die Priorisierung für einen Einsatz erfolgt anhand dezidierter Abfragekataloge. Da im ersten Fall ausschließlich eine eingeschränkte Gehfähigkeit durch die anrufende Person attestiert wurde und keine weiteren Informationen genannt wurden, die den Einsatz eines Rettungsmittels gerechtfertigt hätten", blieb es zunächst bei dem geschilderten Vorgehen.

Es fehlten also klare Informationen, um diesen Fall als Notfall einzustufen. Die Beschreibung von eingeschränkter Gehfähigkeit oder Torkeln – das reicht dafür nicht aus. Die Notlage des Mannes, der sich wohl an den Mülltonnen der Wohnanlage nicht mehr auf den Beinen halten konnte, wurde laut Verwaltung erst im späteren zweiten Notruf eindeutig genug beschrieben.

Wann ein Notruf gerechtfertigt ist, und wie sich der Anrufer dabei am Telefon verhalten sollte, dazu informiert zum Beispiel die Stadt Salzgitter auf ihrer Homepage (https://www.salzgitter.de/leben/wo-finde-ich-was/notdienst-notruf-notfall.php).

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