Schnell, bequem, manchmal falsch: Wie KI unseren Alltag verändert

Schnell eine E-Mail schreiben lassen oder eine Reise planen: Programme wie OpenAIs ChatGPT gehören für viele längst zum Alltag. Doch gerade bei Verträgen, Gesundheit oder rechtlichen Fragen bleibt oft unklar, wie verlässlich die Antworten tatsächlich sind.

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Symbolfoto.
Symbolfoto. | Foto: Pixabay

Region. Suchmaschinen liefern automatisch formulierte Antworten, Smartphones bearbeiten Fotos mit KI-Unterstützung und Büroprogramme schlagen ganze Formulierungen vor oder fassen E-Mails zusammen. Viele Nutzer begegnen künstlicher Intelligenz regelmäßig, ohne bewusst ein spezielles KI-Programm zu öffnen. Auch in Schulen, Büros oder kleineren Unternehmen in der Region wird KI längst genutzt. Texte werden zusammengefasst, Termine organisiert oder E-Mails vorbereitet. Gerade dort, wo Zeit fehlt, greifen viele schnell zur digitalen Unterstützung. Nach dem ersten großen Hype rund um ChatGPT hat sich der Blick auf künstliche Intelligenz allerdings verändert.



Statt großer Zukunftsversprechen stehen heute praktische Fragen im Mittelpunkt: Welche Aufgaben funktionieren zuverlässig? Wo hilft die Technik wirklich weiter? Und an welchen Stellen entstehen neue Probleme? Laut Branchenverband Bitkom nutzen 58 Prozent der Menschen ab 16 Jahren in Deutschland künstliche Intelligenz. 34 Prozent greifen mindestens einmal pro Woche darauf zurück, 15 Prozent sogar täglich. Vor allem jüngere Menschen nutzen KI- Anwendungen inzwischen ganz selbstverständlich. „Künstliche Intelligenz ist tatsächlich ein Thema, was Verbraucherinnen und Verbraucher stark beschäftigt“, sagt Kathrin Bartsch, Digital-Referentin von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Bei der Frage nach echter Zeitersparnis falle die Antwort unterschiedlich aus. Viele seien mit einer klassischen Internetrecherche schneller, weil sie dort ihre gewohnten Quellen direkt nutzen könnten. Andere verwendeten KI gezielt als Assistenz. Besonders hilfreich seien die Systeme dort, wo Informationen vorbereitet oder strukturiert werden. „KI ist stark, wenn es beispielsweise um Vorstrukturieren etwa bei Recherchen, (Reise)Planungen, Übersetzungen, Mustererkennung, Scripting geht. KI kann eine ‚Assistenz‘ sein“, erklärt Bartsch.

Hilfreich im Alltag – mit klaren Grenzen


Reiseideen lassen sich innerhalb weniger Sekunden sortieren, lange Texte kürzen oder Einkaufslisten automatisch erstellen. Auch Übersetzungen oder Formulierungshilfen wirken deutlich natürlicher als noch vor wenigen Jahren. Der größte Vorteil liegt häufig weniger im fertigen Ergebnis als im schnelleren Einstieg. Viele Selbstständige oder kleinere Betriebe setzen KI außerdem bei Kundenanfragen, Terminplanung oder Social-Media-Texten ein. Problematisch wird es dort, wo Programme Entscheidungen vorbereiten sollen. Wer wissen möchte, ob eine Zufahrt erlaubt ist, welche Kündigungsfrist gilt oder wie ein Vertrag ausgelegt werden muss, erhält oft flüssig formulierte Antworten. Ob Inhalte fachlich stimmen, bleibt für viele allerdings schwer erkennbar. Laut Bitkom haben 42 Prozent derjenigen, die KI für die Suche nutzen, bereits falsche oder erfundene Informationen erhalten. Besonders heikel wird das bei juristischen, medizinischen oder wissenschaftlichen Themen.

„Die zentralen Grenzen und Risiken von KI im Alltag liegen darin, dass wir Menschen KI oft überschätzen, ihre Fehler und Halluzinationen unterschätzen“, sagt Bartsch weiter. KI könne sehr überzeugend formulieren - „auch dann, wenn Inhalte sachlich falsch sind“. Gerade medizinische Fragen gehören deshalb zu den Bereichen, bei denen Fachleute zur Vorsicht raten. KI-Systeme können Symptome erklären, Informationen bündeln oder Begriffe verständlicher machen. Eine ärztliche Diagnose ersetzen sie nicht. Ähnlich sieht es bei rechtlichen Fragen aus: Sprachlich sichere Aussagen wirken häufig belastbarer, als sie am Ende tatsächlich sind.

Warum viele Antworten glaubwürdiger wirken


„Wenn etwas überzeugend klingt, ist es nicht unbedingt wahr“, so Bartsch. Ergebnisse sollten deshalb nicht als „ultimative Wahrheit“ verstanden werden. Wichtige Informationen müssten überprüft, Quellen kontrolliert und relevante Entscheidungen zusätzlich abgesichert werden. „KI-Kompetenz ist eine methodische Fähigkeit und weniger eine technische“, erklärt Bartsch. Präzise Aufgabenbeschreibungen, Kontrolle der Ergebnisse und ausreichender Kontext seien entscheidend. Im Alltag fällt die Bilanz deshalb gemischt aus. Manche sparen durch KI spürbar Zeit. Andere investieren zusätzliche Stunden in Nachbearbeitung, Quellenprüfung oder Korrekturen. Vor allem bei komplexeren Themen beginnt der eigentliche Aufwand häufig erst nach der ersten Antwort. Auch Unternehmen setzen die Technologie zunehmend ein. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nutzten 2025 bereits 26 Prozent der Unternehmen in Deutschland KI-Technologien. Bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten lag der Anteil bei 57 Prozent.

Die Diskussion beschäftigt längst nicht mehr nur große Technologiekonzerne. Auch Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Niedersachsen arbeiten verstärkt an Anwendungen für den Alltag. Die Universität Hildesheim beschäftigt sich in einem eigenen Profilfeld mit „KI im Alltag“. An der Hochschule Hannover bündelt das Kompetenzzentrum KITE entsprechende Projekte aus Forschung und Praxis. Dort geht es nicht nur um technische Möglichkeiten, sondern ebenso um Datenschutz, Medienkompetenz und die gesellschaftlichen Folgen automatisierter Systeme. Viele Menschen blicken inzwischen deutlich skeptischer auf die großen Versprechen rund um KI.

Persönliche Daten landen oft schneller im Chat als gedacht


Ein weiterer Punkt betrifft den Umgang mit sensiblen Informationen. Viele Anwender kopieren Verträge, Bewerbungen, Gesundheitsdaten oder persönliche Fotos in KI-Anwendungen, ohne genau zu wissen, wie diese Daten verarbeitet werden. „Menschen geben gerne in die KI sehr persönliche Daten ein, etwa Gesundheitsdaten, finanzielle Situationen, Verträge, Anschreiben, Fotos oder Sprachaufnahmen“, erklärt Bartsch. Experten raten deshalb dazu, gerade bei kostenlosen Diensten vorsichtig zu sein. Häufig bleibt schwer nachvollziehbar, wie lange Eingaben gespeichert werden oder ob Inhalte möglicherweise zur Verbesserung der Systeme verwendet werden. Trotz aller Risiken rät die Verbraucherzentrale Niedersachsen nicht zur pauschalen Ablehnung. Bartsch empfiehlt vielmehr, künstliche Intelligenz bewusst auszuprobieren - etwa bei Zusammenfassungen, Rezeptideen oder Reisevorschlägen. Entscheidend sei allerdings ein realistischer Umgang mit den Grenzen der Technik. Nicht jede Aufgabe wird durch künstliche Intelligenz automatisch einfacher. Vieles geht schneller. Verlässlicher werden Antworten dadurch allerdings nicht automatisch.