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Strenger Schneewinter: Erste Vogel-Opfer gemeldet



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Strenger Schneewinter: Erste Vogel-Opfer gemeldet

Der NABU warnt: Für Eulen, Greife und Reiher kann es schwierig werden, Nahrung zu finden.

Schleiereulen haben keine Fettreserven, auf die sie zurückgreifen können. Symbolbild
Schleiereulen haben keine Fettreserven, auf die sie zurückgreifen können. Symbolbild Foto: pixabay

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Region. Der Winter hat mit mancherorts veritablen Schneehöhen und scharfem Frost unsere Region fest im Griff. Der NABU Niedersachsen meldet erste Opfer aus der Vogelwelt: Dazu zählen, so Bärbel Rogoschik, Leiterin des NABU-Artenschutzzentrums in Leiferde im Landkreis Gifhorn, die schon so manchen Schneewinter mit entsprechendem Geschehen miterlebt hat, entkräftet aufgefundene Schleiereulen. Das berichtet der NABU in einer Pressemitteilung.



„Die Schleiereule kann praktisch kein Fettgewebe aufbauen, daher kann sie auch nicht auf Reserven zurückgreifen. Sie ernährt sich fast ausschließlich von Mäusen. Sobald die Schneedecke geschlossen ist, können die Eulen die Mäuse nicht mehr entdecken – eine brenzlige Situation, die in langanhaltenden Schneewintern oft zu sehr großen Verlusten unter den Schleiereulenbeständen führt, weil dann viele Tiere verhungern“, erklärt sie. Daher bittet sie, Tore von Scheunen zu öffnen, sodass Schleiereulen einfliegen und dort noch Mäuse erbeuten können. Stroh und Getreidereste könnten hilfreich dazu beitragen, Mäuse anzulocken. „Daraus kann sich ein kleines Büffet für die Schleiereule ergeben“, sagt Bärbel Rogoschik, die befürchtet, dass schon bald eine größere Anzahl Schleiereulen im NABU-Artenschutzzentrum eingeliefert werden könnte.

Viele Hungeropfer erwartet


„Auch andere Vogelarten haben bei dieser Witterungslage Schwierigkeiten“, berichtet sie aus jahrzehntelanger Erfahrung. „Viele Greifvögel haben es jetzt schwer, Beute zu finden. Und natürlich alle Vogelarten, die auf Nahrungssuche in Gewässern gehen müssen, etwa Reiher. Wir erwarten auch hier viele Hungeropfer, wenn die Gewässer längere Zeit zufrieren. Selbst der Eisvogel dürfte darben; Eisvögel ziehen im Winter zu Plätzen an Gewässern, die noch eisfrei sein könnten, etwa Überläufe, Schleusen und Zuflüsse. Dort haben sie noch eine Chance, Nahrung wie Kleinfische oder Wasserinsekten zu ergattern. Je länger der Schnee- und Eiswinter dauert, desto größer sind jedoch die Eisvogelverluste“, erläutert die Zentrumsleiterin, und fügt hinzu: „Umso wichtiger ist, dass für all diese Vogelarten Lebensräume bewahrt oder aufgewertet werden, damit sich die Bestände in den Folgejahren wieder erholen können!“.


Sie weist darauf hin, dass viele Menschen in einer bequemen und falschen Erwartungshaltung leider vom NABU-Artenschutzzentrum annehmen, nach jedem Anruf könne sich gleich ein Rettungswagen auf den Weg machen. „Das ist überhaupt nicht zu schaffen und überstiege unsere Kapazitäten personell und finanziell bei weitem. Wir sind daher auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen, mitunter auch auf das Bringen geschwächter Tiere nach Leiferde, anders geht es leider nicht“, appelliert Bärbel Rogoschik an die Bevölkerung und wirbt um Verständnis.

Wasserschildkröten vor dem Tod gerettet


Besonders schockiert zeigt sich die Leiterin des NABU-Artenschutzzentrums über Grausamkeit: „Selbst in dieser strengen Frostzeit werden noch illegal Tiere ausgesetzt, wie zwei uns gebrachte Wasserschildkröten, die in letzter Minute gerettet werden konnten. Nicht viel länger, und sie wären dem Tode geweiht gewesen.“


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