Hannover. Die Volkswagen AG und die IG Metall haben sich am heutigen Freitag im zweiten Überprüfungsgespräch auf den Auftakt der Tarifverhandlungen verständigt. Sie beginnen am 24. November 2026 am Standort Emden. Fortgesetzt werden die Verhandlungen am 15. Dezember in Zwickau. Das berichtet Volkswagen in einer Pressemitteilung. Doch damit endet offenbar die Einigkeit. Wie aus einer Pressemitteilung der IG Metall hervorgeht, stehen die Zeichen weiter auf Eskalation.
In der erstgenannten Pressemitteilung stellt Volkswagen seine Sicht der Dinge dar. Angesichts der "drastisch verschlechterten wirtschaftlichen Lage" sei es das Ziel der Volkswagen AG, so schnell wie möglich die Arbeitskosten zu senken. In den anstehenden Gesprächen müsse es aus Sicht des Unternehmens deswegen auch um zusätzliche sozialverträgliche Personalinstrumente gehen.
Transfergesellschaften ins Spiel gebracht
Hierfür bringt der Konzern eine neue Idee ins Spiel: die Eröffnung von förderfähigen Transfergesellschaften, in die Beschäftigte wechseln können, um sich neue Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt zu erschließen. Am Zukunftstarifvertrag sowie der darin enthaltenen Beschäftigungssicherung wolle das Unternehmen trotz der angespannten, schwierigen Lage festhalten.
Arne Meiswinkel, Personalvorstand der Marke Volkswagen und Mitglied der erweiterten Konzernleitung: „Wir haben keine Zeit zu verlieren. Seit dem Zukunftstarifvertrag 2024 hat sich die wirtschaftliche Situation drastisch verschlechtert. Daraus ergibt sich ein akuter Handlungsbedarf. Wir müssen die Volkswagen AG zukunftssicher aufstellen. Denn nur ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen kann auf Dauer sichere Arbeitsplätze bieten.“
Konter der IG Metall
Der Konter der IG Metall ließ nicht lange auf sich warten. In einer Pressemitteilung wird die Idee einer Transfergesellschaft genauso kritisiert, wie das Festhalten an der kürzlich erfolgten Kündigung von zehn Tarifverträgen.
Im zweiten Überprüfungsgespräch habe der Vorstand viele wichtige Fragen der Gewerkschaft offen gelassen. Er sei nicht bereit gewesen darzulegen, ob und wie er seine Zusagen aus dem Jahr 2024 einhalten will. Stattdessen wolle der Vorstand zusätzliche Instrumente, um Personal massiv abzubauen, und zwar standortübergreifend. Der Volkswagen-Vorstand wolle Personal über eine öffentlich geförderte Transfergesellschaft abbauen. Die IG Metall weist dies entschieden zurück, wie bereits in den Tarifverhandlungen 2024. Sie wertet den Vorschlag als tarifpolitischen Wortbruch ohne tragfähige Rechtsgrundlage.
"Stellen uns entschieden dagegen"
Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der Volkswagen AG: „Die Belegschaft hat ihre Beschäftigungssicherung teuer bezahlt. Der Vorstand will sie nun durch die Hintertür über eine Transfergesellschaft aushebeln – auf Kosten der Beitragszahler. Das haben wir 2024 abgewendet und wir stellen uns auch jetzt wieder entschieden dagegen.“
Das Prinzip einer Transfergesellschaft erklärt die IG Metall so: Eine Transfergesellschaft schlägt eine Brücke vom alten in ein neues Arbeitsverhältnis. Beschäftigte wechseln per Vertrag in eine eigenständige Einheit bei einem externen Träger. Ihr bisheriges Arbeitsverhältnis endet mit diesem Schritt. Bis zu zwölf Monate erhalten sie dort Beratung, Bewerbungstraining und Weiterbildung.
Die Bundesagentur für Arbeit ersetzt 60 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts, mit Kindern 67 Prozent. Der frühere Arbeitgeber stockt diesen Betrag häufig auf. Wer danach keine Anschlussbeschäftigung findet, ist arbeitslos. Das Instrument richtet sich an Menschen, deren Arbeitsplatz zu entfallen droht. Bei Volkswagen aber seien betriebsbedingte Kündigungen bis 2030 durch die unkündbare Beschäftigungssicherung ausgeschlossen, so die Gewerkschaft.
Allgemeinheit zahlt, Aktionäre kassieren
„Bevor die Beitragszahler einspringen, sind die Aktionäre in der Pflicht“, so Thorsten Gröger, Verhandlungsführer der IG Metall. „Es darf nicht sein, dass die Allgemeinheit zahlt, während die Anteilseigner weiter Dividenden kassieren.“
Zudem halte Volkswagen an der Kündigung der zehn Tarifverträge fest. Deren Rücknahme hatte die IG Metall am Vormittag gefordert, um eine Eskalation abzuwenden. Nun sei die Gewerkschaft gezwungen, eine entsprechende Auseinandersetzung vorzubereiten, die ab dem Jahreswechsel möglich ist.

