Region. Chlor heißt das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, das Wasser in öffentlichen Schwimmbecken keimfrei zu halten. So bleiben Viren und Bakterien unter Kontrolle – und Schwimmbäder werden nicht zu einem Ort, an dem sich Krankheiten verbreiten. Das Chlor ist für Menschen zwar nicht schädlich, doch mitunter kann der Geruch unangenehm sein – und es reizt die Augen. Zudem ist es nicht sonderlich umweltverträglich. Weltweit setzen einige Bäder daher auf andere Methoden, um möglichst wenig von der Chemikalie einsetzen zu müssen. Wie sieht es in dieser Sache bei den Schwimmbädern in unserer Region aus?
Doch zunächst noch einen Blick über unsere Region hinaus: So wirbt zum Beispiel der Ferienparkbetreiber Center-Parks damit, dass in seiner Wasserwelt "Aqua Mundo" Chlor reduziert sei. In einem Nachhaltigkeitsbericht auf der Unternehmenshomepage heißt es: "Durch den Einsatz biologischer Filter und UV-Anlagen wird im Wasser deutlich weniger Chlor benötigt."
Gewisser Chlorgehalt ist ein Muss
Gar kein Chlor – das geht allerdings auch nicht. Das geht aus der DIN 19643 hervor. Diese Norm regelt in Deutschland alle Vorgänge, die in öffentlichen Schwimmbädern eingehalten werden müssen – unter anderem auch den Punkt Hygiene. Dort sind auch Mindestwerte für den Chlorgehalt im Beckenwasser vorgeschrieben. Diese dürfen nicht unterschritten werden und müssen sich zwischen den Werten 0,30 mg/l und höchstens 0,60 mg/l bewegen.
Kommen denn auch in Badeanstalten unserer Region Methonden zum Einsatz, die den Chlorgehalt minimieren? Für die großen städtischen Bäder Braunschweigs – der Wasserwelt, dem Stadtbad in der Nimesstraße und dem Sportbad Heidberg – lautet die Antwort schon mal: Nein! "In allen unseren Bädern ist Chlor das wesentliche Mittel zur Gewährleistung der Wasserqualität", teilt Fabian Neubert, Sprecher der Stadtbad Braunschweig Sport und Freizeit GmbH, auf Nachfrage von regionalHeute.de mit. An dieser bewährten Methode halten die Bäder fest, andere Methoden seien derzeit jedenfalls nicht geplant, heißt es.
Eine Ausnahme stelle der Badeteich in der Saunawelt dar. Dort gebe es keine Chlorung. Stattdessen sorge dort ein Kies- und Pflanzenfilter dafür, dass die Wasserqualität aufrechterhalten wird. Zusätzlich findet in allen Bädern eine (mechanische) Reinigung mit Unterwasser-Poolsaugern statt. Hinzu kommen Filteranlagen, die beispielsweise mit Kohle Partikel aus dem Beckenwasser filtern.
In Wolfenbüttel kommen mehrere Methoden zum Einsatz
Im Stadtbad Okeraue in Wolfenbüttel setzt der Betreiber auf mehrere Methoden, um die Wasserqualität zu gewährleisten. So werde selbstverständlich auch dort gechlort. Allerdings kommt auch eine UV-Anlage zum Einsatz, "um den Chloreinsatz so gering wie möglich zu halten", erklärt der städtische Pressesprecher Thorsten Raedlein.
In der Beziehung nimmt das Bad in Wolfenbüttel sogar eine Vorreiterrolle ein. Der Neubau des Stadtbads wurde 2014 fertiggestellt – schon damals mit UV-Anlage, deren Einsatz bereits eingeplant war.
Salzgitter setzt auf Chlor
Im Stadtbad Salzgitter-Lebenstedt werde das Wasser derweil traditionell gechlort. "Andere Verfahren zum Desinfizieren des Wassers kommen nicht zum Einsatz. Der nachträgliche Umbau zu einer anderen Methode ist derzeit nicht vorgesehen", teilt David Tarczewski, Bereichsleiter Stadtbad bei der Bäder, Sport & Freizeit Salzgitter GmbH, auf Anfrage von regionalHeute.de mit
Gifhorn setzt auch auf Osmose
Auch im Schwimmbad "Allerwelle" in Gifhorn gibt es einen Mix der Methoden. Dort kommt ebenfalls Chlor zum Einsatz. "Die Allerwelle stellt das verwendete Chlor durch ein Chlorelektrolyseverfahren selbst her", heißt es vonseiten der Stadtverwaltung. Zusätzlich erfolge eine Schlammwasseraufbereitung in Verbindung mit Osmoseverfahren.
Die Stadtverwaltung weist zudem darauf hin, dass in der Allerwelle selbstverständlich die durch die DIN 19643 vorgeschriebenen Mindestwerte für den Chlorgehalt "jederzeit eingehalten" werden.
Goslar und Peine: Im Aquantic und im P3 vertraut man dem Chlor
Im Aquantic im Goslarer Osterfeld kommt ausschließlich Chlor zum Einsatz. Das erklärt Bäder-Leiter Sascha Feier gegenüber regionalHeute.de. Änderungen seien nicht geplant.
Im P3 in Peine sieht es ähnlich aus. "Die Wasserdesinfektion im P3 erfolgt mittels Chlorung", erklären die Stadtwerke auf Anfrage und liefern eine ausführliche Begründung dazu mit. Darin heißt es unter anderem zum Chlor: "Es wirkt zuverlässig gegen Keime, Bakterien und Viren. Zudem besitzt Chlor eine sogenannte Depotwirkung. Das bedeutet: Die desinfizierende Wirkung bleibt dauerhaft im Beckenwasser bestehen."
Aktuell sei auch keine Umstellung auf alternative Desinfektionsverfahren geplant. "Die Chlorung bietet im öffentlichen Badebetrieb eine hohe Wirksamkeit und Betriebssicherheit. Sie erfüllt die gesetzlichen und hygienischen Anforderungen zuverlässig", heißt es vonseiten der Stadtwerke. Außerdem stellt der P3-Betreiber klar: "Verfahren wie UV-Bestrahlung oder biologische Filtersysteme können Chlor in der Regel nicht vollständig ersetzen, sondern allenfalls ergänzen." Gerade bei hohem Gästeaufkommen und wechselnder Belastung gewährleiste Chlor ein Höchstmaß an hygienischer Sicherheit.
Außerdem setzt das Peiner Bad – wie andere auch – auf weitere Maßnahmen, um die Hygiene im Wasser sicherzustellen. Dazu zählen unter anderem eine kontinuierliche Umwälzung und Filterung des Beckenwassers, permanente automatische Messung und Regelung der Wasserparameter, regelmäßige Frischwasserzugabe, engmaschige interne Kontrollen sowie externe hygienische Untersuchungen sowie Wartung und Reinigung der technischen Anlagen nach festen Standards.
Der Betreiber des Badelands Wolfsburg hat unsere Anfrage bislang nicht beantwortet. Über die genaue Zusammensetzung der dortigen Maßnahmen rund um die Wasserqualität liegen uns daher noch keine Informationen vor.


