Wolfenbüttel. Das Projekt „WissensOrt Wolfenbüttel“ (WOW) im Löwentor steht vor dem Aus. Eigentlich sollte die Begegnungsstätte eine lebendige Brücke zwischen der Ostfalia Hochschule und der Stadtgesellschaft schlagen. Ein ernüchternder Evaluationsbericht offenbart nun jedoch, dass die Ziele verfehlt wurden. Nun soll die Politik darüber beraten, ob es für das Projekt weitergeht.
Erst kürzlich berichtete regionalHeute.de darüber, dass das WOW zwar weiterbetrieben werden soll, die Akteure für die Anmietung aber eine Gebühr zahlen sollen. Seit Anfang des Jahres galt die neue Entgeltverordnung für alle Fremd-Anmietungen. Bis Ende Juni konnten die beiden Kooperationspartner – die Stadt Wolfenbüttel und die Ostfalia Hochschule – die Räume kostenfrei nutzen. Ab Juli sollte die Entgeltordnung auch für sie gelten. So hatte es der Rat der Stadt im Dezember des vergangenen Jahres beschlossen.
Stadt legte Zahlen zum WOW vor
Im Zusammenhang mit dem Inkrafttreten der Entgeltverordnung hatte regionalHeute.de auch Zahlen zu Veranstaltungen und Besuchern bei der Stadt abgefragt. Die Stadtverwaltung teilte am gestrigen Donnerstag mit, dass im Jahr 2025 70 Veranstaltungen mit insgesamt 4.500 Gästen und im laufenden Jahr bis Ende Mai 19 Veranstaltungen mit 720 Besucherinnen und Besuchern gezählt wurden. Erwähnt wurde hier jedoch nicht, dass am selben Tag die Ratsvorlage veröffentlicht wird, die das Ende des WOW einläuten soll.
Ziel verfehlt
Laut dieser Vorlage will die Stadt nun die Notbremse für das WOW ziehen und empfiehlt, das Projekt einzustellen. Grund sind demnach Erkenntnisse, die man aus dem Evaluationsbericht gewonnen hat.
Laut Bericht sei ein nachhaltiger Transfer in die Stadtgesellschaft und die Innenstadtentwicklung nicht hergestellt worden. Vor allem die Kernzielgruppen – Studenten und Lehrpersonal – blieben den Räumlichkeiten weitgehend fern. Das WOW entfaltete keine tragfähige strukturelle Wirkung und bliebe ein reiner Veranstaltungsort mit nur punktueller Belebung.
Kosten nicht zu decken
Als Hauptursachen nennt die Verwaltung in der Vorlage eine spürbar geringere Nachfrage sowie die grundsätzliche Schwierigkeit, wissenschaftliche Inhalte dauerhaft in den täglichen Betrieb zu integrieren. Hinzu komme der wirtschaftliche Aspekt. Es sei absehbar, dass die laufenden Kosten für Miete, Nebenkosten und Personal durch die tatsächliche Nutzung nach dem Auslaufen der Fördermittel nicht gedeckt werden könnten.
Der Betrieb des WOW wird im Rahmen des Förderprogramms „Zukunftsräume Niedersachsen“ bis zum 31. Juli 2026 mit 60 Prozent gefördert. Die Förderung umfasst die Miet- und Mietnebenkosten sowie die Finanzierung einer Personalstelle mit einem Umfang von 39 Wochenstunden. Weiter wurden die Einrichtung und Ausstattung des WOW in den Jahren 2023/2024 über das Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ finanziert. Für diese Investitionsmittel besteht eine Zweckbindungsfrist bis zum 13. Februar 2029.
WOW im Sparbetrieb
Eine sofortige Schließung der Räume sei laut Verwaltung dennoch kein Thema. Denn ein vorzeitiges Ende des Betriebs würde die Stadt teuer zu stehen kommen. Rund 70.000 Euro an bereits erhaltenen Investitionsfördermitteln aus dem Programm "Perspektive Innenstadt“ müssten im Fall einer Zweckentfremdung vor Februar 2029 an die NBank zurückgezahlt werden. Zudem läuft der Mietvertrag für die Immobilie im Löwentor ohnehin fest bis zum 31. Dezember 2028.
Ab dem 1. August 2026 soll das WOW daher im "Sparbetrieb“ laufen. Zukünftig soll der Betrieb verschlankter ablaufen. Die Ostfalia Hochschule soll zwar weiterhin Vorrang haben, freie Raumkapazitäten will die Stadt künftig aber für eigene interne Zwecke und Besprechungen nutzen. Die Verwaltung habe zudem eine deutliche Reduzierung der Miete für den restlichen Zeitraum erwirken können. Durch diesen Kurswechsel würden die jährlichen Kosten von rund 94.000 Euro auf maximal 60.000 Euro sinken, was den städtischen Haushalt um jährlich etwa 34.000 Euro entlasten würde.
Bis zum Auslaufen des Projekts sollen Fremdanmieter weiter eine Gebühr bezahlen, den Beschluss von Dezember 2025, dass auch Ostfalia und Stadt ab Juli eine Gebühr zahlen sollen, kassiert die Stadt mit der neuen Beschlussvorlage jedoch wieder ein. Die dauerhafte Entgeltbefreiung für Stadt und Ostfalia soll bis zum Auslaufen des WOW bestehen bleiben.
Das letzte Wort hat der Rat der Stadt am 17. Juni.

