Wolfenbüttel. Der Angelsportverein Wolfenbüttel (ASV) blickt in seinem 75. Jubiläumsjahr nicht nur auf eine lange Tradition zurück, sondern setzt mit den „Blühenden Schwimminseln“ im Stadtgraben auch Maßstäbe für den modernen Naturschutz. Für dieses Engagement wurde der Verein um seinen Vorsitzenden Udo Berger nun von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung als „Projekt des Monats Mai“ ausgezeichnet, berichtet die Stadt in einer Presseinformation.
Der Geschäftsführer der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung (NBU), Karsten Behr, war extra nach Wolfenbüttel an den Stadtgraben gereist, um die Ehrung persönlich vorzunehmen – und um auch einem Scheck über 1.000 Euro als Anerkennung zu überreichen.
Innovation auf dem Wasser
Kurt Lange, Schatzmeister des ASV und Projektverantwortlicher, erinnerte bei der feierlichen Urkundenübergabe an die historische Entwicklung des Stadtgrabens. Früher war das Gewässer geprägt von ausgedehnten Seerosenfeldern und Flachwasserzonen – eine Idylle, die nach einer notwendigen Entschlammung und Vertiefung im Jahr 1979 weitgehend verschwand. „Die Wassertiefe nahm zu, aber die schützenden Wasserpflanzen fehlten fortan“, so Lange. Dies hatte nicht nur optische Folgen, sondern beeinflusste auch das ökologische Gleichgewicht. Besonders der dramatische Fischverlust im extremen Winter 1962/63 blieb als Mahnung in Erinnerung, wie wichtig ein funktionierendes Ökosystem ist.

Dr. Hedda Sander (Ostfalia), ASV-Schatzmeister Kurt Lange, Karsten Behr (Geschäftsführer der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung) und Hubert Rietmann, Erfinder der Inseln, freuen sich über die Prämie in Höhe von 1000 Euro für den Verein. Foto: Stadt Wolfenbüttel
Um den Mangel an natürlichen Uferzonen auszugleichen, brachte der ASV im Jahr 2024 die ersten beiden schwimmende Insel in Stellung. Mit großem Erfolg: „Die Insel war noch nicht ganz verankert, da besetzte bereits die erste Ralle einen Nistplatz“, berichtet Lange begeistert. Dank der Förderung durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung in Höhe von insgesamt rund 25.000 Euro konnte inzwischen noch eine weitere Insel installiert werden. Sie alle dienen nicht nur als Nistplätze für Wasservögel, sondern bieten unter der Wasseroberfläche durch ihre Wurzelgeflechte wertvollen Lebensraum und Schutz für Jungfische. Zudem fungieren sie im Winter als natürliche „Filter“, die den Gasaustausch ermöglichen und so ein Umkippen des Gewässers bei Frost verhindern.
Wertschätzung für das Ehrenamt

Karsten Behr überreichte dem Vorsitzenden des ASV-Wolfenbüttel die Urkunde für das „Projekt des Monats“. Foto: Stadt Wolfenbüttel
Thorsten Drahn, Erster Stadtrat der Stadt Wolfenbüttel, betonte die Bedeutung des Projekts für die Stadt: „Es ist großartig, dass es eine so engagierte ehrenamtliche Arbeit gibt. In Zeiten angespannter Kommunalfinanzen sind wir mehr denn je auf die Unterstützung durch Stiftungen und das zivile Engagement angewiesen.“ Er gratulierte dem über 400 Mitglieder starken Verein zudem herzlich zum 75-jährigen Bestehen.
Karsten Behr, Geschäftsführer der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, hob die Vorbildfunktion hervor: „Wir zeichnen Projekte aus, die nachhaltig sind und Nachahmer finden sollen. Die Schwimminseln sind praktischer Naturschutz par excellence.“ Dass das Projekt in Wolfenbüttel nun als eines von nur sechs Projekten pro Jahr niedersachsenweit zum „Projekt des Monats“ gekürt wurde, unterstreiche dessen herausragende Qualität. Mit der Kombination aus historischem Bewusstsein, ehrenamtlichem Einsatz und moderner Wissenschaft zeigt Wolfenbüttel eindrucksvoll, wie urbane Gewässer als Lebensraum für Mensch und Natur erhalten und aufgewertet werden können.
Zukunftsvision: Vernetzung und Künstliche Intelligenz
Das Projekt wird auch wissenschaftlich eng begleitet. Dr. Hedda Sander, von der Ostfalia Hochschule, setzt heute auf modernste Technik. Gemeinsam mit dem Start-up Hydroguard wird die Wasserqualität durch autonome Sonden permanent überwacht. „Wir arbeiten derzeit an einer App, die diese Daten in Echtzeit für die Öffentlichkeit sichtbar macht“, erklärte Dr. Sander. Künftig sollen Bürger ihre eigenen Beobachtungen und Fotos beisteuern können, während eine künstliche Intelligenz auf Basis der gesammelten Daten präzise Prognosen zur Gewässerentwicklung erstellt.

