Wolfenbüttel. Bis Palmsonntag ist eine Doppelseite mit Szenen aus dem Evangelium nach Matthäus in dem in der Augusteerhalle der Bibliotheca Augusta ausgestellten Faksimile des Evangeliars Heinrichs des Löwen aufgeschlagen. Die Szenen wurden früher zwischen Weihnachten und Ostern im Gottesdienst vorgetragen.
Auf der linken Seite ist die Taufe Christi zu sehen. Mit der Taufe durch Johannes den Täufer im Jordan begann das öffentliche Auftreten Jesu. Vom Himmel steigt der Geist Gottes in Gestalt einer Taube herab. Auf der unteren Bildhälfte ist die Versuchung Jesu zu sehen. Nach der Taufe "wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden". Als Jesus 40 Tage in der Wüste gefastet hatte, wurde er vom Teufel mit Allmachtsphantasien in Versuchung geführt. Jesus widerstand, der Satan musste weichen und es erschienen Engel, um Jesus zu dienen.
Die Verklärung Christi wird auf der rechten Seite oben dargestellt. Auf dem Berg Horeb wird Jesus in strahlendes Licht gehüllt. Zu seinen Seiten erscheinen Mose und Elia. Eine Stimme vom Himmel erklärt: "Dies ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Gefallen." Am Boden sind die drei Apostel Petrus, Jakobus und Johannes zu sehen. Unten ist der Einzug Jesu in Jerusalem dargestellt. Jesus zieht auf einem Esel reitend in Jerusalem ein, wobei ihn die Menge mit dem Ruf "Hosanna" als Sohn König Davids begrüßt, Palmzweige schwingt und Kleider auf der Straße ausbreitet. Der "Palmsonntag" steht am Beginn der Karwoche, die durch Leiden und Tod Jesu zur Auferstehung an Ostern hinführt.
Die Bildfelder werden an den Ecken von Medaillons umrahmt, in denen Propheten und allegorische Figuren dargestellt sind, die auf das dargestellte Heilsgeschehen hinweisen.
Das Evangeliar zählt zu den herausragenden Werken der deutschen Kunst des 12. Jahrhunderts. Die Entstehung wird um das Jahr 1188 datiert. Herzog Heinrich der Löwe gab das Evangeliar im Kloster Helmarshausen an der Weser in Auftrag und schenkte es der Stiftskirche St. Blasius in Braunschweig. Später befand sich der Codex im Dom zu Prag, bis er 1861 von König Georg V. von Hannover gekauft und nach dessen Entthronung 1866 bis in die 1930er Jahre als Privatbesitz der Welfenfamilie in Österreich aufbewahrt wurde. Danach verlor sich die Spur, bis es 1983 wieder auftauchte und auf einer Auktion bei Sotheby’s für rund 16,5 Millionen Euro ersteigert wurde. Die Handschrift ist gemeinsames Eigentum des Landes Niedersachsen, des Freistaats Bayern, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Bundesrepublik Deutschland.
Mit seiner reichen Ausstattung mit Bildseiten, Kanontafeln und Initialen steht es in der Tradition karolingischer und ottonischer Evangelienhandschriften. Das Evangeliar bietet in seinen Bildern ein reiches theologisches Programm, das sich in der Bildfolge zum Leben Jesu, in den Brustbildern von Aposteln, Propheten oder auch Personifikationen entfaltet. In dem Einband aus dem 16. Jahrhundert sind Reliquien des Evangelisten Markus und des heiligen Sigismund geborgen.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10-17.00 Uhr, außer 3. April 2015
Weitere Informationen unter : www.hab.de und Tel.: 05331/808-214
Es wird geblättert: HAB zeigt neue Seiten aus dem Evangelium
| Foto: HAB)
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