Wolfenbüttel. Fast jeder, der ins Schloss geht, läuft an ihnen vorbei: den historischen Sandsteinfiguren und großen Vasen, die den Schlossgraben säumen. Die Skulpturen unterscheiden sich in ihrer Darstellung und halten auch unterschiedliche Gegenstände in den Händen. Doch was genau hat es mit diesem barocken Ensemble auf sich?
Insgesamt zehn Figuren und sechs Vasen flankieren den Schlossgraben und die Brücke. Acht der Figuren und vier große Prachtvasen verteilen sich direkt auf den Balustraden rechts und links vor dem Schloss. Auf der Brücke selbst stehen zwei Figuren und zwei Vasen. Erschaffen wurden sie zwischen 1714 und 1720 von dem österreichischen Bildhauer Franz Finck. So schreibt es der frühere Direktor des Schloss Museums, Dr. Hans-Henning Grote, in seinem 2021 veröffentlichten Buch „Franz Finck. Das Schlossbrückenensemble in Wolfenbüttel“.
Die Tugenden der Fürsten
In seinem Buch beschreibt Grote auch sehr detailliert die Bedeutung der einzelnen Skulpturen. Es ist nämlich mehr als nur hübsche Dekoration. Sie alle zusammen zeigen allegorische Darstellungen - also die bildliche Verkörperung abstrakter Begriffe - und stehen für die Tugenden und Pflichten eines idealen Landesfürsten. Die unterschiedlichen Gegenstände, die sie dabei in den Händen halten, symbolisieren die jeweilige Tugend. Manchmal gesellen sich noch Kinder oder Tiere dazu. Übrigens sind nur zwei der Skulpturen männlich.
Die Figuren der Schlossbrücke

Tritt man aus dem Schloss, steht links auf der Brücken-Balustrade "Die Weisheit". Foto: Matthias Kettling

Neben der Weisheit, getrennt durch eine Vase, steht "Die Großmut" (männlich) Foto: Matthias Kettling

Gegenüber der Weisheit, auf der rechten Seite des Portals, steht "Die Freigiebigkeit". Foto: Matthias Kettling
Die Figuren des südlichen Schlossgrabens
Hat man die Brücke überquert und wendet man sich nach rechts, trifft man auf weitere Skulpturen. Insgesamt stehen auf der südlichen Grabenbrüstung drei Figuren und zwei Vasen.
Die Figuren des nördlichen Schlossgrabens
Auf der nördlichen Seite des Schlossgrabens finden sich weitere Skulpturen. Auch hier sind drei Figuren und zwei Vasen zu finden. Sie heißen Mutterliebe, Unendlichkeit und Gedenke des Todes.

Die erste Figur auf der Balustrade rechts vom Portal ist die "Unendlichkeit". Foto: Matthias Kettling
Schlossensemble soll saniert werden
Derzeit wird in den politischen Gremien darüber beraten, ob das Ensemble restauriert wird. Die Figuren der beiden Balustraden weisen erhebliche Mängel wie starke Verschmutzungen, Risse, mechanische Beschädigungen und einen mikrobiellen Befall auf. Sollte die Politik zustimmen, könnte mit der Restaurierung noch in diesem Jahr begonnen werden. Die Verwaltung rechnet mit Kosten in Höhe von etwa 330.000 Euro.









