Kein Plan und kein Geld - Wolfenbüttels Spielplätze haben erhebliche Mängel

Eine Sanierung der Spielplätze würde in Dimensionen gehen, die man finanziell und planerisch nicht kurzfristig hinbekäme. Der Grüne Leonhard Pröttel bezeichnet Wolfenbüttel als "kinderunfreundliche Stadt".

von Werner Heise


Auch auf diesem Spielplatz an der Fümmelser Straße wurden Mängel festgestellt. Die Schaukeln fehlen, es steht nur noch das Gerüst. Doch zumindest hier wird sich etwas tun. Der Sanierungsauftrag wurde erteilt, Baubeginn 2023.
Auch auf diesem Spielplatz an der Fümmelser Straße wurden Mängel festgestellt. Die Schaukeln fehlen, es steht nur noch das Gerüst. Doch zumindest hier wird sich etwas tun. Der Sanierungsauftrag wurde erteilt, Baubeginn 2023. Foto: Werner Heise

Wolfenbüttel. Diese Nachricht hat die Politik offenbar kalt erwischt: Wolfenbüttels Kinder-Spielplätze weisen erhebliche Mängel auf. Das hat eine externe Überprüfung aus dem Jahr 2021 ergeben, die aufgrund einer Anfrage der CDU-Stadtratsfraktion jetzt öffentlich wurde (wir berichteten).


Einige Spielgeräte mussten aufgrund Gefahr in Verzug sogar sofort stillgelegt und weitere nach einer technischen und wirtschaftlichen Betrachtung als 'nicht mehr reparabel' eingestuft werden. Eine kurzfristige Lösung für das Problem gibt es nicht, wie die Beratungen im Ausschuss für Bau, Stadtentwicklung und Umwelt am Dienstagabend zeigten.

Die Mängelliste ist lang (hier im Bürgerinformationssystem einsehbar). 135 Mal taucht darin die Einstufung "erheblicher Mangel auf". Was für Mängel es konkret sind und wie schlimm die Einstufung "erheblich" überhaupt ist, ist unbekannt. Bei Gefahr in Verzug würde jedoch immer sofort reagiert werden, schreibt die Stadt Wolfenbüttel.

"Kinderunfreundliche Stadt"


Leonhard Pröttel (Bündnis90/Die Grünen) sieht sofortigen Handlungsbedarf. Er stellte den Antrag, dass die Verwaltung die benötigten Gelder ermittelt, die für eine Instandsetzung bis Ende 2023 benötigt werden. Doch Stadtbaurat Klaus Benscheidt erklärte: "Ich bin mir relativ sicher, dass wir das bis zu den Haushaltsberatungen nicht hinbekommen." Eine Sanierung der Spielplätze würde in Dimensionen gehen, die man finanziell und planerisch nicht kurzfristig hinbekäme. Selbst die Ermittlung des Ausmaßes sei kurzfristig nicht machbar, da der Stadt das Personal dafür fehle oder sie andernfalls einen Mitarbeiter von anderen Aufgaben abziehen müsste.

Pröttel findet es "dünn und dem Problem unangemessen", wenn man erst Ende 2023 einen Fahrplan hat. Wolfenbüttel sei eine "kinderunfreundliche Stadt". Das zeige sich auch an anderen Stellen der Stadtgestaltung. Seinen Antrag zog er jedoch zurück.

Neuer Prüfer für die Stadt wird ausgebildet


Dass alle Beteiligten nun offenbar von den Mängeln an Wolfenbüttels Spielplätzen überrascht wurden, liegt scheinbar daran, dass erstmals ein externer Prüfer eingesetzt wurde. "Der macht das so, dass man ihm hinterher nichts vorwerfen kann", erklärte Ausschussvorsitzender Gerhard Kanter (CDU) und meint damit wohl einen sehr strengen Blick des Prüfers, um einer möglichen Haftung im Schadensfall vorzubeugen. Bisher hatte die Stadt Wolfenbüttel immer einen eigenen Mitarbeiter, der die Prüfung vorgenommen habe. Dieser sei nun aber im Ruhestand und ein Nachfolger noch nicht fertig ausgebildet.

85 öffentliche Spielplätze sowie 15 in Kindertagesstätten und 15 in Schulen unterhält die Stadt Wolfenbüttel. Hinzu kommen Bolz- und Jugendplätze. Jedes Jahr müssen hier nach gesetzlicher Vorschrift die Spielgeräte durch einen "qualifizierten und zertifizierten Spielplatzprüfer" geprüft werden. Doch die Stadt verfügt auch über zwei eigene Mitarbeiter, die die Spielplätze stets im Blick haben, überprüfen und viele Reparaturen sofort umsetzen. Weit über 1.000 pro Jahr, heißt es.

Das Geld reicht nicht aus


Und auch Geld fließt in die Spielplätze. Seit 2021 wurden nach Angaben der Verwaltung 20 einzelne Spielgeräte auf Spielplätzen im Stadtgebiet ersetzt. Die Kosten lagen insgesamt bei zirka 240.000 Euro. Hinzu kommen im laufenden Jahr 125.000 Euro für Fallschutzbereiche. Doch das Geld reicht nicht aus und ist bereits seit Juli für weitere Investitionen aufgebraucht. Ein Problem, das sich zieht. Für den Spielplatz Aueweg liege bereits eine fertige Planung für die Komplettsanierung vor, doch bereits jetzt weiß man, dass auch im kommenden Jahr keine Mittel für eine Umsetzung vorhanden sind.

Stadtbaurat Benscheidt, der selbst erst seit dem 1. November im Amt ist und das Problem geerbt hat, erkannte dies als "nennenswertes Thema". Er verwies darauf, dass nicht alle Spielgeräte auf Wolfenbüttels Spielplätzen kaputt seien und schlug abschließend vor, in einem Jahr eine aktualisierte Mängelliste vorzulegen.

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