KolumneHeute: Termin beim Doktor

von Sina Rühland


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Braunschweig. Die Nase läuft, die Augen jucken und der Kopf ist schwer – wenn sich nicht gerade eine Erkältung eingeschlichen hat, dann meldet sich der alljährliche Heuschnupfen. Und wenn man gerade kurz davor ist, seinen Kopf abschrauben zu wollen, seine Gene zu verfluchen und dem Erstickungstod nah zu sein, dann wacht man morgens auf, als sei nie etwas geschehen. Bis es allerdings zu einer Diagnose kommt, ist man selbst zum Experten geworden.

Das ist bestimmt eine Erkältung, denke ich mir, als ich aufwache. Ein Blick in den Spiegel lässt mich selbiges vermuten. Die Nase ist rot, die Augen dick und neben meinem Bett entdecke ich einen Berg Taschentücher. Ich sehe aus, wie eine Comic-Figur. Nach drei Tagen quälender Ungewissheit vereinbare ich einen Termin beim HNO-Arzt. Immerhin – nur vier Wochen Wartezeit. Dreißig Tage und zwei weitere mutmaßliche Erkältungsattacken später finde ich mich beim Doktor ein. Ich schildere meine immer wiederkehrenden Symptome, er schaut mit so einem Dings in meine Nase – und findet nichts. Natürlich nicht, ich bin topfit. Herr Doktor ordnet einen Allergietest an. Gut, wenns hilft, sage ich, dann machen wir das gleich. Der Herr Doktor lacht erst herzlich, dann schon fast hysterisch. Nein, nein – ich müsse natürlich einen neuen Termin vereinbaren. Klare Sache, ich befinde mich auch schon unverschämte drei Minuten im Untersuchungszimmer.

Weitere vier Wochen vergehen, ich erscheine morgens zum Allergietest in der Praxis. Dreiundzwanzig Stoffe testen sie an mir, der letzte und vierundzwanzigste Stoff sei aus, sagt die junge Dame in hellgelb. Nun müsse ich warten. Nach gut fünfundvierzig Minuten und einer ausgiebigen Inspektionen des praxiseigenen Interieurs kommt die junge Dame in hellgelb wieder herein. Ob der Wecker denn nicht geklingelt hätte. Nein, hat er nicht, sage ich. Nachdem sie den Verdacht gehegt hat, dass Batterien alle sein, schaut sie auf meinen Arm – und findet absolut nichts. Der Doktor würde dann alles weitere mit mir besprechen. Ich könne schon mal nach vorne gehen und einen Termin machen.



Der dritte und letzte Termin bei dem Herrn Doktor steht an. Ich bin fast schon ein wenig aufgeregt. An diesem Morgen ziehe ich extra die gebügelte Bluse an, schließlich musste ich dieses Mal nur anderthalb Wochen auf einen Termin warten. Zwei Stunden später komme ich mit gemischten Gefühlen aus der Praxis. Die Diagnose: keine Diagnose. Da müssen Sie wohl mit leben, hat er gesagt. Cool. Danke. Das hört jeder Patient gerne. Fortan suchen mich diese erkältungsähnlichen Symptome etwa im sechs Wochen Takt heim. Die Worte des Herrn Doktor klingeln noch immer in meinen Ohren. Da müssen Sie wohl mit leben. Kurz bevor ich das gesamte Internet leergelesen habe und mich als angehende Medizinerin berufen fühle, kommt mir die Idee – der besagte vierundzwanzigste, nicht vorhandene Stoff, der könnte es doch gewesen sein. Ich rufe nochmals bei Herrn Doktor an. Der Anrufbeantwortet geht ran. Eine freundliche, hellgelb klingende Stimme flötet ins Telefon: „Die Praxis ist bis zum 24. August geschlossen. Machen Sie doch einen Termin bei der Vertretungspraxis.“