Nach Bombenexplosion: Kleiner Patient aus Gaza stiehlt Herzen

von Sina Rühland


| Foto: Sina Rühland

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Wolfenbüttel. Der elfjährige Muayad Alreqeb kam Ende Dezember aus dem fernen Palästina nach Deutschland: nach einer Bombenexplosion verlor er beinah sein junges Leben. Da die Kapazitäten des Krankenhauses in Ramallah nicht ausreichten, organisierte die palästinensische Gemeinde Hannover einen Transport des Jungen nach Wolfenbüttel. Hier wird er nun im Städtischen Klinikum behandelt.

Muayad kommt aus der Region Gaza. Als im Sommer vergangenen Jahres eine Bombe der israelischen Armee in sein Haus einschlug, brach er sich den Arm; sein kleiner Körper war mit unzähligen Splittern versehen. Sobald die palästinensische Gemeinde Hannover Kontakt zu dem Krankenhaus im Westjordanland aufnahm, erfuhr sie von dem Fall zweier verletzter Kinder. "Wir haben ein dreijähriges Mädchen in ein Krankenhaus nach Kiel vermitteln können und das Klinikum Wolfenbüttel hat sich Muayad angenommen", sagt der Vorsitzende der palästinensischen Gemeinde Hannover, Dr. Yazid Shammout. Der Verein hat die Reise der beiden Kinder nach Deutschland finanziert.

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Fußball spielen geht schon wieder: Muayad und Dr. Yazid Shammout kicken auf dem Flur der Station. Foto: Sina Rühland



Die Aufnahme des Jungen im Klinikum erfolgte kurzfristig. Der Allgemeinzustand von Muayad sei den Umständen entsprechend gut, sagt Chefarzt Dr. Thomas Hockertz. Der Bruch seines Arms wurde zwar schon in seiner Heimat behandelt, jedoch erlaubten die dortigen Zustände nicht, dass eine ordnungsgemäße Heilung erfolgte. In Wolfenbüttel erhält er nun seit dem 27. Dezember eine Physio- und Elektrotherapie – sein rechter Arm ist seit der Explosion gelähmt. Eine Operation sei jedoch nicht nötig, so der Chefarzt. Der Aufenthalt sowie die Behandlungen werden durch das Städtische Klinikum finanziert.

Der Junge hatte Glück


Zwar kann Muayad mittlerweile schon wieder ein paar Minuten auf dem Stations-Flur Fußball spielen, doch sein Hand schmerzt noch. Neben den physischen Verletzungen, musste auch seine Seele einiges mitmachen. Als man ihn in seinem Haus in Gaza fand, luckte nur sein Gesicht aus dem Schutt. Um ihn herum Schreie. Auf dem Weg zu Krankenhaus dachten die Ärzte, sie hätten ihn verloren. Er hatte Glück. Viele andere Zivilisten haben bei diesem Angriff, der eigentlich der sunnitisch-islamistischen Palästinenser-Organisation Hamas gelten sollte, ihr Leben verloren. Noch hätte Muayad nachts Alpträume und wache schreiend auf, erzählt seine Großmutter Fathiya. Sie hat ihren Enkel nach Deutschland begleitet und ist bei ihm Zimmer des Klinikums untergebracht.

Wie lange der Aufenthalt für den Jungen und seine Großmutter in Wolfenbüttel dauern wird, weiß noch niemand so genau. Eines steht jedoch fest: hier ist Muayad sicher, hier wir er versorgt und gepflegt. Die Spielsachen, die in seinem Patienten-Zimmer verteilt sind, zeugen von einer großen Anteilnahme der Bevölkerung. Pflegepersonal und Gemeinde-Mitglieder aus Hannover kümmern sich rührend um den kleinen Jungen. Nun brauch Muayad viel Ruhe und Zeit, damit seine traumatisierte Seele heilen kann.