Nahversorger im Löwentor: Darum wollen Discounter nicht einziehen

Die Lebensmittelhändler haben genaue Vorstellungen für ihren Standort. Doch werden diese auch erfüllt?

von Anke Donner


Symbolfoto.
Symbolfoto. Foto: Werner Heise

Wolfenbüttel. In der vergangenen Woche äußerten sich die Wolfenbütteler Ratsfraktionen zum Erfolg des Löwentors. Dabei kam auch das Thema Nahversorger ins Spiel. Der Wunsch nach einem Lebensmittelgeschäft in der Fußgängerzone scheint groß, doch die Ansiedlung ist schwierig und eher unwahrscheinlich.



Im Zuge des Wahlkampfes um das Bürgermeisteramt kam das Thema im vergangenem Jahr auf den Tisch. Angefacht durch den damalige CDU-Bürgermeisterkandidaten Dr. Adrian Haack. Dieser berichtete, dass Bürger mit dem Wunsch nach einem Nahversorger an ihn herangetreten seien. Und die Anwohner rund um das Löwentor scheinen nicht die einzigen zu sein, die die Idee reizvoll finden. Auch die Grünen-Ratsfraktion könnte sich einen Nahversorger im Löwentor vorstellen. Doch über dem Wunsche stehen die Schwierigkeiten, die damit einhergehen.

Ansiedlung wünschenswert, aber unrealistisch


"Der Lebensmitteleinzelhandel ist leider insgesamt übersättigt und damit ein reiner Verdrängungswettbewerb. Dennoch sehen wir den Standort sehr wohl als eine Option, gerade weil innerstädtisches Wohnen kurze Wege braucht, um die alltägliche Versorgung zu Fuß oder mit dem Rad sicherzustellen", macht Ulrike Krause, Fraktionsvorsitzende der Ratsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen, deutlich.


"Ich kann mir gut vorstellen, dass sich viele Bürger einen weiteren innerstädtischen Nahversorger neben dem REWE-Markt an der Breiten Herzogstraße und dem E-Center im Forum wünschen. Aber nach allen Gesprächen, die ich beruflich und als Kommunalpolitiker mit der Lebensmitteleinzelhandels- und Discounterbranche geführt habe, entsprechen die Rahmenbedingungen des Löwentors nicht den Erwartungen der Konzerne. Die suchen Grundstücke mit 60 bis 80 Parkplätzen vor der Tür „auf der grünen Wiese“ - also an Stadträndern oder in Ortsteilen- statt in eine solche Innenstadtimmobilie zu ziehen. Das zum Objekt gehörende Parkhaus Löwentor (Zufahrt Schulwall) wird von den Lebensmitteleinzelhändlern demnach noch nicht einmal in Erwägung gezogen", berichtet der CDU-Fraktionsvorsitzende Marc Angerstein auf Nachfrage von regionalHeute.de.

"Nahversorger wünschen sich vielfach einen ebenerdigen Zugang von einem Parkplatz, der hier nicht vorhanden ist. Dabei spielt es für diese keine Rolle, dass im selben Haus Parkplätze zur Verfügung stehen", merkt Rudolf Ordon für die Gruppe BuW/FDP im Rat der Stadt an.


Versorger haben genaue Vorstellungen


Und damit treffen Angerstein und Ordon offenbar den Nagel auf den Kopf. Wie Aldi Nord und Rewe auf Nachfrage von regionalHeute.de erklären, seien für die Auswahl eines Standortes zwei Faktoren von großer Bedeutung. "Den Fokus legen wir auf Standorte, an denen wir eine ausreichende Zahl an Parkplätzen anbieten können, um unseren Kundinnen und Kunden einen entspannten Einkauf zu ermöglichen. Ausnahmen können frequenzstarke Standorte in Innenstädten oder City-Randlagen bilden, wo Kunden mehrheitlich fußläufig unterwegs sind.", erklärt Axel Vom Schemm, Unternehmenssprecher der ALDI Einkauf SE & Co. oHG. Zudem schreibe das Standort-Konzept genau vor, in welchen Gebieten sich die Ansiedlung des Discounters lohnen würden. Demnach müssten Aldi-Filialen in Innenstadtlagen und Centern über eine Verkaufsfläche von 600 Quadratmetern verfügen, in stark verdichteten urbanen Lagen und/oder an Standorten mit außergewöhnlich hoher Passantenfrequenz liegen und eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr haben.

Kurze Wege bei vollen Taschen


Ähnlich beschreibt es auch die REWE Markt GmbH auf Nachfrage. Dabei stehe vor allem im Fokus, wie bequem der Einkauf von den Kunden erledigt werden könne. "REWE betreibt vor allem Vollsortimenter. Die Einkäufe unserer Kunden umfassen in aller Regel mehr Teile, als dass sie sich bequem in einer Hand transportieren lassen", sagt Unternehmenssprecher Thomas Bonrath und beantwortet unsere Frage mit einer Gegenfrage: "Wie empfinden Sie es, wenn Sie mit einem Einkaufswagen, Getränkekästen oder mit vollgepackten, schweren Tüten in beiden Händen eine längere Strecke zu Ihrem Fahrzeug durch das Parkhaus gehen müssen? Vermutlich wenig vorteilhaft. Ergo suchen Sie sich eine andere Einkaufsstätte." Zudem würden im Parkhaus stehen gelassene Einkaufswagen nicht nur ein Unfallrisiko darstellen, sie seien auch ein erwartbares Ärgernis.


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