Wolfenbüttel. Die Stadt Wolfenbüttel bietet seinen Bürgern und Gästen an der Halchterschen Straße eine Möglichkeit, die heutzutage nicht mehr sehr verbreitet ist: einen kostenlosen Parkplatz mit 300 Stellplätzen in direkter Bahnhofs- und relativer Innenstadtnähe. Entsprechend hoch ist die Auslastung zu gewissen Zeiten. Doch durch das Projekt "Bahnhofsbereich Süd-Ost" soll das betreffende Gelände komplett umgestaltet werden. regionalHeute.de ging der Frage nach, was das in Zukunft für das Parken am Bahnhof bedeutet.
Einen konkreten Zeitplan für das Projekt gibt es noch nicht. In den ersten Plänen hieß es, dass der Parkplatz überbaut werde und dafür ein Parkhaus mit 610 Stellplätzen entstehen soll. Es ist allerdings unklar, ob diese weiterhin kostenlos sein werden. Die Stadt hat dem Projektentwickler lediglich die Vorgabe gemacht, auf jeden Fall die derzeitigen 300 Plätze zu ersetzen.
Auslastung über 100 Prozent
Und das ist auch nötig. Auf unsere Anfrage bezüglich der Auslastung des Parkplatzes teilt die Stadt mit, dass es keine neueren Zählungen als die aus dem Parkraumbewirtschaftungskonzept aus dem Jahr 2019 gebe. Damals wurden für Werktage außerhalb der Ferien folgende Auslastungswerte ermittelt: 7 Uhr unter 50 Prozent, 9 Uhr zwischen 90 und 99 Prozent, 11 Uhr bei 100 Prozent oder darüber, 13 Uhr bereits wieder unter 90 Prozent, 17 Uhr unter 70 Prozent und 19 Uhr unter 50 Prozent.
Trotzdem gibt die Stadt eine aktuelle Einschätzung: "Während vor sieben Jahren irgendwann nach 9 Uhr der Parkplatz voll war, scheint dieser Wert aktuell eher zwischen 8 Uhr und vor 9 Uhr zu liegen. Das Grundprinzip hat sich aus Sicht der Verwaltung jedoch nicht verändert. Der Parkplatz ist vormittags mehr als voll und ab der Mittagszeit findet man zunehmend leichter einen Parkplatz. Spätestens ab 13 Uhr besteht keine unmittelbare Knappheit mehr."
Was passiert in der Bauphase?
Es stellt sich die Frage, was in einer möglichen Bauphase passiert, wenn der Parkplatz nicht mehr zur Verfügung steht, das Parkhaus aber noch nicht fertig ist. Stadtsprecher Thorsten Raedlien teilt dazu mit: "Die hohe Auslastung macht deutlich, dass es Angebote während der Bauphase geben muss. Das wird im Umbauprojekt bearbeitet. Eine Debatte über mögliche Lösungen wäre zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation."
Pro und Contra Gebühren
Sehr ausführlich nimmt die Verwaltung zu der Frage Stellung, was aus Sicht der Stadt für die Einführung von Parkgebühren im neu zu schaffenden Parkhaus sprechen würde und was dagegen. "Der derzeit kostenlose Parkplatz bietet insbesondere Menschen mit geringem Einkommen einen Vorteil. Das gilt vor allem für Pendlerinnen und Pendler aus dem ländlichen Raum, die das Auto nutzen, um den Bahnhof zur Weiterfahrt oder die Innenstadt zu erreichen", erklärt Raedlein. Für sie stellten zusätzliche Parkgebühren eine finanzielle Belastung dar.
Ein weiterer Vorteil sei die einfache Nutzung: Kostenlose Parkplätze seien leicht verständlich und unkompliziert. Für die Nutzer entstünden weder zusätzlicher Bezahlaufwand noch die Notwendigkeit, sich mit Parkautomaten, Apps oder unterschiedlichen Tarifen auseinanderzusetzen. Auch Kontroll- und Verwaltungsaufwand würden bei einem kostenlosen Angebot in geringerem Umfang anfallen.
Gut für die einen, schlecht für die anderen
Bei mehreren Aspekten ließe sich nicht eindeutig sagen, ob ein kostenloses oder ein kostenpflichtiges Angebot vorteilhafter sei. "Das kostenlose Parken wirkt zunächst attraktiv für Pendlerinnen und Pendler. Gleichzeitig ist der Parkplatz heute vormittags voll ausgelastet. Pendlerinnen und Pendler mit späterem Arbeitsbeginn oder mit langen Anfahrtswegen haben (insbesondere in Verbindung mit familiären Verpflichtungen, etwa dem Bringen von Kindern in die Kindertagesstätte am Wohnort) häufig kaum noch eine Chance, nach 8 Uhr einen freien Stellplatz zu finden", verdeutlicht die Stadt. Für diese Gruppe könnte ein Monatsticket besonders attraktiv sein, sofern es mit einer verlässlichen Stellplatzgarantie verbunden wäre.
Die Verlässlichkeit des Parkplatzangebots sei ein ganz wesentlicher Teil der Überlegungen. "Die meisten Pendlerinnen und Pendler werden das Gefühl der Unsicherheit kennen. Bekomme ich heute noch einen Parkplatz? Muss ich ins Wohngebiet oder kostenpflichtige Parkhaus ausweichen? Komme ich deshalb vielleicht sogar zu spät?", so Thorsten Raedlien.
Die Verlässlichkeit ist entscheidend
Ähnlich verhalte es sich mit der Förderung einer multimodalen Mobilität. Ein Park-and-Ride-Angebot am Bahnhof könne den Umstieg vom Auto auf die Bahn erleichtern. Voraussetzung dafür sei jedoch ein verlässliches Parkplatzangebot. Wer auf dem Weg zur Arbeit auf die Bahn umsteigen möchte, könne nicht ohne Weiteres noch mehrere Minuten nach einem alternativen Stellplatz suchen. Eine Stellplatzgarantie könnte daher gerade für regelmäßige Bahnpendlerinnen und -pendler einen entscheidenden Anreiz darstellen.
Doch die Stadt sieht auch eindeutige Nachteile kostenloser Parkplätze. Diese könnten zusätzlichen Autoverkehr auslösen. "Sie fördern Fahrten in die Innenstadt und können die Nutzung von Bus, Bahn oder Fahrrad weniger attraktiv machen", so die Verwaltung.
Kosten werden nicht aufgefangen
Darüber hinaus würden der Stadt laufende Kosten für Betrieb, Reinigung, Beleuchtung, Kontrolle, Instandhaltung und spätere Sanierungen entstehen. Bei einem kostenlosen Angebot stehen diesen Ausgaben keine entsprechenden Einnahmen gegenüber. Gebühren könnten dazu beitragen, zumindest einen Teil dieser Kosten zu finanzieren und gegebenenfalls neue Mobilitätsangebote zu unterstützen.
Auch die Verteilung der Kosten sei zu berücksichtigen: Bei einem kostenlosen Parkplatz finanziere die Allgemeinheit eine Leistung, die überwiegend von Autofahrern genutzt werde. Ein kostenpflichtiges Modell könnte diese Nutzung stärker dem Verursacherprinzip entsprechend abbilden.
Nachfrage nach Monatstarifen
Unabhängig davon, ob und in welcher Höhe Gebühren erhoben werden, sei davon auszugehen, dass Monatstarife für Pendlerinnen und Pendler weiterhin stark nachgefragt sein werden. Angesichts der bereits heute hohen Auslastung sei auch künftig mit einer Vollbelegung am Vormittag zu rechnen. Ein Monatstarif allein würde daher vermutlich nicht automatisch zu mehr freien Stellplätzen führen.
Welche Auswirkungen ein kostenpflichtiges Parkhaus auf den Einzelhandel im Einzelnen hätte, sei dagegen schwer einzuschätzen. Für Marktbesucher stehe der Parkplatz bereits heute am Vormittag praktisch nicht zur Verfügung, weil er größtenteils durch Pendler vollständig belegt sei. Entscheidend für die Auswirkungen auf die Innenstadt dürften daher insbesondere die Konditionen am Nachmittag und an den Wochenenden sein, so Raedlein. Hier könnten im Sinne der Wirtschaftsförderung günstige Tarife geboten sein.
Entlastung für den Parksuchverkehr
Die Funktion des Parkplatzes als Entlastung für den Parksuchverkehr in den angrenzenden Wohngebieten könnte dann ebenfalls erhalten bleiben, gibt die Stadt zu bedenken. Wenn preisbewusste Besucher der Innenstadt weiterhin ein verlässliches und attraktives Angebot am Bahnhof vorfinden, würden sie weniger häufig auf Wohnstraßen oder andere Bereiche in der Innenstadt ausweichen, heißt es abschließend.


