SPD-Sommerprogramm: Führung durch die JVA-Gedenkstätte


Aus dem Inneren der Gedenkstätte während der Führung. Foto: Gedenkstätte in der JVA / Sarah Kunte
Aus dem Inneren der Gedenkstätte während der Führung. Foto: Gedenkstätte in der JVA / Sarah Kunte

Wolfenbüttel. Das Angebot, im Rahmen des Sommerprogramms des SPD-Stadtverbandes die Gedenkstätte in der JVA zu besuchen, fand am vergangenen Freitag sehr gute Resonanz, berichtet der SPD-Stadtverband Wolfenbüttel in einer Pressemitteilung.


Fast 30 Teilnehmende aus allen Alters- und Bevölkerungsschichten hatten sich angemeldet und betraten unter Hinterlegung ihres Personalausweises die JVA. Allen war die anfängliche Beklemmung beim „Durchschließen“ bis zur Gedenkstätte deutlich anzumerken.

Der erste Teil der Neugestaltung in den eigentlichen Ausstellungsräumen ist weitgehend abgeschlossen, so dass die interaktiven Erinnerungs-Tische sowie die freigelegten und geschützten Wandzeichnungen in den Zellen angesehen und werden konnten. Ein besonderes Highlight folgte dann in Form eines Audio-Zeitdokumentes mit der Originaltonaufnahme der BBC von einem aus dem Wolfenbütteler Gefängnis befreiten Rot-Front-Aktivisten, der seine Gefühle im zerstörten Braunschweig und beim Wiedersehen mit seiner Frau ausdrückt. Die Intensität dieser einmaligen Tonaufnahme zog alle Teilnehmenden in ihren Bann, so dass die anschließenden Wortbeträge erst alle mit einem Räuspern begonnen werden konnten.

Baustelle für Barrierefreiheit


Anschließend ging die Gruppe in den Gefängnis-Innenhof, wo Gedenkstättenleiterin Martina Staats die Baustelle zur Gefängnismauer in Richtung der Volksbank erläuterte. Hier soll nach Fertigstellung ein Gedenkstättenraum, der zur Zeit kuratiert wird, von außen und ohne Barriere begehbar sein. Für diesen Teil erübrigt sich dann später das Anmeldungsprozedere. Große Betroffenheit löste dann wieder die Besichtigung der eigentlichen Hinrichtungsstätte mit den verschiedenen Räumlichkeiten wie den Todeszellen, dem Raum des Scharfrichters sowie der regelrechte Hinrichtungsraum mit den Namenslisten aus. Über zwei Stunden hinweg gelang es Martina Staats während der Führung hervorragend, die Balance zwischen der Unfassbarkeit der juristischen Systematik im Rechtsverständnis des Nationalsozialismus mit dem heutigen Blick des Gedenkens an die Opfer zu vermitteln.

Der Unerbittlichkeit in der Verhängung der Todesstrafe sowie deren Umsetzung glitt an keinem Punkt ins Reißerische oder Banale ab, sondern die späte Würde für die Opfer in der heutigen Gedenkstättenarbeit standen während der gesamten Besichtigung im Vordergrund und ließen bei den Berichten über die Lebensgeschichten die Opfer wieder aufleben. Martina Staats verstand es, die Teilnehmenden auf eine Zeitreise mitzunehmen und ein abgerundetes, plastisches Bild der wirklich bundesweit einmaligen Gedenkstätte entstehen zu lassen. Alle Teilnehmenden zeigten sich tief beeindruckt von der Führung und der hochrangigen Gedenkstättenarbeit im Herzen Wolfenbüttels.

Weiterer Termin in Planung


Da es im Vorfeld noch viele weitere Interessenten an dieser besonderen Führung durch die JVA-Gedenkstätte gegeben hat, die leider keine Berücksichtigung mehr finden konnten, wird es noch in diesem Sommer zeitnah einen weiteren Termin geben, der inklusive der Anmeldevoraussetzungen über die örtlichen Medien veröffentlicht werden wird.


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