Betrugsmasche beim Hausbau – Schwere Vorwürfe gegen Firma aus der Region

Es geht wohl um mehr als 300.000 Euro. Betroffene schildern die Abläufe auf den Baustellen in ihren Häuser. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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So hat die Firma eine Baustelle in Braunschweig verlassen – und ist nie zurückgekehrt.
So hat die Firma eine Baustelle in Braunschweig verlassen – und ist nie zurückgekehrt. | Foto: anonym

Region. Dubiose Geschäftspraktiken, die als Betrugsmasche gewertet werden könnten. Davon berichtet eine Gruppe betroffener Privatleute über eine Baufirma aus dem Kreis Gifhorn (Samtgemeinde Meinersen). Die Bauherren, die aus der gesamten Region zwischen Harz und Heide stammen, haben laut eigenen Angaben das besagte Unternehmen (Name der Firma ist der Redaktion bekannt) mit Bauarbeiten an ihren Häusern beauftragt, große Summen im Vorfeld bezahlt – und stehen jetzt mit leeren Händen da. Laut einer Zusammenfassung der Fälle, die ein Betroffener regionalHeute.de vorgelegt hat, geht es um einen Schaden von mehr als 300.000 Euro. Wie konnte das passieren?



Vielen Fällen liegt demnach ein ähnliches Muster zugrunde: Die beschuldigte Firma für Bau- und Sanierungsarbeiten aus dem Kreis Gifhorn wurde für alle möglichen Bauarbeiten am Haus beauftragt – Trockenbau, Fassadendämmung, Dachbodenausbau, Photovoltaik als Beispiele – und das alles aus einer Hand. Die Firma habe oftmals hohe Abschlagszahlungen vor Beginn der Arbeiten verlangt, dann aber nur unvollständige oder mangelhafte Leistungen erbracht. Die Baustellen standen ab einem gewissen Zeitpunkt still – bis heute. Und bis heute haben viele der Auftraggeber ihr Geld nicht zurückerhalten.

Staatsanwaltschaft ermittelt


Dabei beklagen die betroffenen Auftraggeber zudem einen mehrmaligen Wechsel in der Geschäftsführung. So sei der ursprüngliche Ansprechpartner zunächst als Geschäftsführer der Firma aufgetreten, später seine Ehefrau (Namen sind der Redaktion bekannt). Öffentlich zugängliche Unternehmensdatenbanken zeigen allerdings, dass der jetzige Geschäftsführer seine Ehefrau im November 2025 auf diesem Posten abgelöst hatte.

Ist das alles schon Betrug, gar eine Betrugsmasche? Genau in diese Richtungen deuten die Schilderungen der Betroffenen hin. Und auf Nachfrage von regionalHeute.de bestätigt auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig, dass sie gegen den Geschäftsführer der Firma ermittelt – "wegen des Verdachts des Betruges". Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Betrug, Diebstahl und Urkundenfälschung


Die gegenüber regionalHeute.de geschilderten Fälle hören sich tatsächlich skandalös an. Dabei geht es neben dem betrügerischen Verhalten des Baufirmenchefs auch um Diebstahl und Urkundenfälschung.

Ein Beispiel: Ein Paar aus Braunschweig (Namen sind der Redaktion bekannt) stand bei der Sanierung ihres Altbaus unter Zeitdruck. In dem Moment tauchte der beschuldigte Bauunternehmer auf. So berichtet es die Bauherrin und Eigentümerin im Gespräch mit regionalHeute.de. "Er hat unser Vertrauen gewonnen, sich als Retter dargestellt und dann unsere Situation ausgenutzt“, ist sie überzeugt. Jetzt beziffert die Betroffene den für sie entstandenen wirtschaftlichen Schaden auf 140.000 Euro.

Der Grund: Sie hatte den Bauunternehmer aus Gifhorn mit umfangreichen Leistungen mit einem Gesamtvolumen von 250.000 Euro beauftragt. Dazu gehörten Trockenbau, Sanitär, Fenstereinbau, Fassadendämmung, Elektrik und Photovoltaik. Insbesondere für die Fenster und für größere Materialbestellungen zahlte das Paar aus Braunschweig ordentliche Summen im Voraus, nachdem der Firmenchef Anzahlungsrechnungen gestellt hatte.

Im September 2024 sollten die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Das wird klappen – so in etwa hatte es der Unternehmer aus Gifhorn im Mai 2024 zugesagt. Dann ließ er aber offenbar nur wenig Taten folgen. Zunächst kam zu wenig Material bei der Baustelle an, dann wurden keine Arbeiten mehr ausgeführt. Der Termin war nicht zu halten. "Wir hatten noch ein Krisengespräch im Februar 2025, dann noch ein paar Mal per Mail geschrieben. Danach haben wir unsere Anwältin eingeschaltet", berichtet die Betroffene.

Nach dem letzten Erscheinen habe die Baufirma die Baustelle in einem schlechten Zustand hinterlassen. "Der Putz musste größtenteils wieder entfernt werden und offene Kabelenden wurden in den Trockenbauwänden gefunden", berichtet die Betroffene.

Vor Gericht haben sie einen vollstreckbaren Titel erwirkt. Der führte aber bisher zu nichts. Die Betroffene hatte daraufhin eine Vermögenseinsicht erwirkt. In diesem Zusammenhang hatte der Beschuldigte angegeben, Insolvenz beantragt zu haben – eine Falschaussage, wie sich kurz danach herausstellte. In einem anderen Verfahren hatte der Beschuldigte E-Mails des Partners der Bauherrin vorgelegt, in denen dieser den Beschuldigten bedroht. Doch diese E-Mails – so habe sich herausgestellt – waren gefälscht. Es folgte also die nächste Anzeige.

"Für mich ist das ein hochkrimineller Betrüger", sagt die Betroffene über den Geschäftsführer der Baufirma. Immerhin: Mit anderen Handwerkern sei es dem Paar inzwischen gelungen, den Bau fertigzustellen und in ihr Haus einzuziehen. "Es bleibt aber mit einem Beigeschmack behaftet", lässt die Betroffene durchblicken.

Geld aus Tresor verschwunden


In einem anderen Fall geht es neben dem Betrugsvorwurf sogar zusätzlich noch um Diebstahl. In dem Haus der Betroffenen im Landkreis Peine seien Arbeiten nach Vorauszahlung außerordentlich mangelhaft oder gar nicht ausgeführt. Eine Aufforderung zur Nachbesserung sei unbeachtet geblieben. Der Anspruch wurde gerichtlich durchgesetzt; ein Titel gegen den Geschäftsführer der Firma liegt vor. Der zu erstattende Betrag betrage knapp 23.000 Euro.

Zusätzlich schildert die Betroffene einen weiteren Fall, der ebenso skandalös anmutet: Der Baufirmen-Chef soll in ihrem Haus einen Safe eingebaut haben, von dem nur sie und der Beschuldigte wussten. Aus diesem Tresor sollen später Vermögenswerte im Wert von rund 50.000 Euro verschwunden sein. Die Betroffene habe Anzeige erstattet.

Beschuldigter nicht zu erreichen


Der Geschäftsführer der beschuldigten Baufirma und seine Frau sind für eine Stellungnahme zu dem gesamten Sachverhalt nicht zu erreichen. Die gesamte Online-Präsenz der Firma ist verschwunden. Auf Anrufe und E-Mails kommen keine Reaktionen.

Viele der Betroffenen betonen: Sie hätten die Hoffnung auf Geld-Rückerstattungen oder auf Gerechtigkeit in diesem Fall größtenteils aufgegeben. Gleichwohl wollen sie andere warnen. Augen auf bei der Wahl der Baufirma!

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