Braunschweig. Eine Verletzung hätte beinahe das Ende der laufenden Tour bedeutet. Doch Heldmaschine stand am Donnerstagabend im Braunschweiger westand auf der Bühne. Neben wuchtigem Industrial Metal gab es eine Geschichte über außergewöhnliche Kollegialität, einen spontanen Ausflug abseits der Bühne und eine deutliche Ansage gegen Fremdenfeindlichkeit.
Violettes Licht, harte Gitarren und ein Publikum, in dem zahlreiche Heldmaschine-Shirts zu sehen waren: Am Donnerstagabend machte die Koblenzer Band mit ihrer „Eiszeit“-Tour Station im westand. Den Abend eröffnete die Hamburger Nu-Metal-Band Tag My Heart.
Verbindungen zu Völkerball
Heldmaschine gehört zur Neuen Deutschen Härte und ist eng mit der Rammstein-Tribute-Band Völkerball verbunden. Beide Formationen haben mit René Anlauff denselben Frontmann. Während Völkerball die Musik von Rammstein auf die Bühne bringt, setzt Heldmaschine auf eigene Songs und einen charakteristischen Sound aus harten Gitarren, elektronischen Elementen und Anlauffs markanter Stimme.
Dass die Band an diesem Abend überhaupt auf der Bühne stand, war allerdings keineswegs selbstverständlich. Wie Anlauff im Laufe des Konzerts erzählte, hatte sich der reguläre Schlagzeuger verletzt und war für mehrere Wochen ausgefallen. Bereits zu Beginn der Tour stand die Band damit vor einer schwierigen Entscheidung: alles absagen oder versuchen, innerhalb kürzester Zeit Ersatz zu finden.
Die zweite Möglichkeit klang beinahe unmöglich. Schließlich musste ein Schlagzeuger gefunden werden, der das anspruchsvolle Heldmaschine-Programm in kürzester Zeit übernehmen konnte. In seiner Ansage sprach Anlauff von gerade einmal sechs Stunden, die einem Ersatzmusiker zur Vorbereitung bleiben würden.
Dank an die Retter
Doch die Hilfe kam. Simon und zwei weitere Schlagzeuger sprangen kurzfristig ein und ermöglichten damit die Fortsetzung der Tour. Dafür fand Anlauff deutliche Worte: „Wir hätten die Show nicht machen können, wir hätten die ganze Tour abblasen müssen, wenn solche kollegialen Leute nicht in unserer Umgebung wären.“ Die Band bedankte sich ausdrücklich bei ihren musikalischen Rettern.
Auf der Bühne war von diesen Schwierigkeiten wenig zu merken. Heldmaschine präsentierte ihren druckvollen Sound, begleitet von einer Lichtinszenierung, die das westand immer wieder in kräftiges Violett und Blau tauchte. „Braunschweig, ganz gut bis jetzt, oder? Meint ihr, das wird noch besser?“, wollte Anlauff zwischendurch vom Publikum wissen.
Der Sänger suchte immer wieder den direkten Kontakt zu seinen Zuhörern und hatte dabei auch die eine oder andere ungewöhnliche Idee. Als er zwischendurch die Treppen hinaufgehen wollte, kündigte er an, dabei gleich die Reichweite seines Funkmikrofons zu testen. „Ich guck mal, ob der Empfang reicht bis oben hin. Das ist jetzt ein Experiment. Also wenn meine Stimme abreißt, dann liegt's am Funk“, erklärte er den Besuchern.
Nur noch Kartoffeln und Sauerkraut?
Neben solchen Momenten fand Anlauff auch deutliche Worte zu einem gesellschaftlichen Thema. Vor einem der nächsten Songs wandte er sich gegen Menschen, die Ausländer aus Deutschland verbannen wollen. Wer keine Ausländer im Land haben wolle, so seine zugespitzte Überlegung, solle konsequenterweise auch auf ausländisches Essen verzichten. Stattdessen gebe es dann eben nur noch „Kartoffeln, Sauerkraut und Apfelmus“. Eine klare Botschaft gegen Fremdenfeindlichkeit, verpackt in eine gehörige Portion Ironie.
Zwischen den Songs wechselte der Sänger damit immer wieder zwischen Humor, persönlichen Einblicken und ernsteren Themen. Gerade die Geschichte um den ausgefallenen Schlagzeuger gewährte dabei einen Einblick in den Touralltag, den Konzertbesucher gewöhnlich nicht bekommen. Während auf der Bühne eine aufwendige Produktion mit Licht, Technik und Musik läuft, kann hinter den Kulissen eine einzige Verletzung die gesamte Planung durcheinanderbringen. In diesem Fall waren es Kollegen, die kurzfristig einsprangen und dafür sorgten, dass die Tour weitergehen konnte.







