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Initiative will betreutes Heim für Stadttauben bauen

von Alexander Dontscheff


Die Mitglieder der Initiative Stadttiere kümmern sich um verletzte und gehandicapte Tauben. Fotos, Video und Podcast: Alexander Dontscheff Foto: Dontscheff

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16.02.2018

Braunschweig. Die Taube steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der Arbeit der Initiative Stadttiere. Es soll ein betreuter Taubenschlag errichtet und mit einem Stadttaubenmanagement begonnen werden. Zudem werden Aktionen durchgeführt, um Taubenfüße von Schnüren und Haaren zu befreien. Außerdem wird Aufklärung betrieben, um das Image der Taube zu verbessern.


"Wir brauchen einen Paradigmenwechsel", fordert Beate Gries, treibende Kraft hinter der Initiative Stadttiere Braunschweig. Seit Jahren setzt man in der Stadt Braunschweig einzig und allein auf ein Fütterungsverbot und Vergrämungsmaßnahmen. Laut Beate Gries kann dies nicht funktionieren, da die Tiere äußerst standorttreu sind. Sie halten sich maximal 50 bis 200 Meter von ihrem Brutplatz entfernt auf. Vergrämung führe daher nur dazu, dass sie zum Nachbarhaus weiterziehen oder sich an den Vergrämungen verletzen.

Das Fütterverbot ist laut Gries sogar kontraproduktiv. "Die Stadttauben als Nachfahren der vom Menschen genutzten Tauben wurdenso gezüchtet, dass sie ganzjährig brüten. Wenn sie längere Zeit hungern, brüten sie sogar noch mehr", so Gries.

Beate Gries fordert einen Paradigmenwechsel:

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Beate Gries präsentiert das aktuelle Schwerpunktthema der Initiative. Foto: Alexander Dontscheff


Eine bessere Alternative


Beate Gries ist überzeugt davon, dass es eine bessere Lösung gibt: betreute Taubenschläge. In Städten wie Göttingen, Hamburg oder Augsburg werde das erfolgreich praktiziert. Man bietet den Tieren in der Nähe ihres Aufenthaltsortes die Möglichkeit zu brüten. Hier werden die Tauben gefüttert und der Nachwuchs kann kontrolliert werden. "Und 80 Prozent des Kots bleibt im Schlag", betont Gries. In diesem Jahr soll es losgehen. An der Salzdahlumer Straße (Nähe Hauptbahnhof) soll ein solcher Schlag entstehen. Mit der Bahn ist man sich schon einig und auch in den städtischen Haushalt wurde Geld für Tierschutzprojekte eingestellt. In der Anschaffung fallen Kosten von 10.000 Euro an, der jährliche Unterhalt beträgt etwa 3.000 bis 5.000 Euro.

Der erste Modelltaubenschlag:

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Beate Gries rechnet damit, dass der erste Modelltaubenschlag im Laufe dieses Jahres in Betrieb genommen wird. Bis zu einem Jahr könne es dauern, dass dieser funktioniere. Weitere potentielle Standorte - das heißt Tauben Hot-Spots - befinden sich am Friedrich-Wilhelm-Platz, am Kohlmarkt, am Karstadt-Haupthaus und am Affenfelsen. "Vieles hängt vom Erfolg dieses ersten Taubenschlags an der Salzdahlumer Straße ab. Aber ich bin überzeugt davon", so Beate Gries. Die Stadt Torgau in Sachsen zum Beispiel habe mit diesen Schlägen innerhalb von zehn Jahren ein funktionierendes Stadttaubenmanagement auf die Beine gestellt. In der historischen Altstadt seien heute keinerlei Vergrämungsmaßnahmen mehr nötig.


Auch der Kohlmarkt ist ein Tauben "Hot-Spot". Foto: Dontscheff


Die Taube hat ein Image-Problem


Wenn Beate Gries und ihre Mitstreiter unterwegs sind und verletztenoder gehandicapten Tauben helfen oder Aufklärungsarbeit leisten, stoßen sie dabei nicht nur auf positive Reaktionen ihrer Mitmenschen. Verbale Angriffe und auch der Versuch handgreiflich zu werden kamen bereits vor. Auch Menschen, die nach den Tauben treten oder sie jagen sind keine Seltenheit. Beate Gries erklärt dies damit, dass die Tiere ein großes Imageproblem haben. Von vielen werden sie als Schädling angesehen, als mögliche Krankheitsüberträger. "Das ist alles Blödsinn. Nachweislich übertragen Tauben auch nicht mehr Krankheiten als andere Tiere. Eine Taube anzufassen ist also genauso ungefährlich wie einen Hund oder eine Katze zu streicheln", so Gries.

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Beate Gries und Taubenexperte Karl Mitulla helfen einer verletzten Taube. Foto: Dontscheff


Haare können Tauben den Fuß kosten


Menschliche Haare, Fäden und anderer Müll, der in der Stadt herumliegt, können für die Tauben gefährlich werden. Da sie ständig unterwegs auf Futtersuche sind, bleiben diese Dinge an den Füßen haften. Das kann dazu führen, das Teile des Fußes abgeschnürt werden und die Taube letztlich einen Zeh oder sogar den ganzen Fuß verliert.

Die Initiative Stadttiere führt daher regelmäßig Fangaktionen durch, in denen Tiere mit Schnüren oder Haaren an den Füßen eingefangen und dann von dem Müll befreit werden. Am vergangenen Samstag war es wieder soweit. Einige neue Ehrenamtliche waren dabei und lernten, wie man eine Taube fängt. Insgesamt wurden 15 Tauben von Schnüren, Haaren und Polyesterfasern befreit.In schlimmeren Fällen nahm Taubenexperte Karl Mitulla die Tiere mit nach Hause, um sie dort zu behandeln.


Karl Mitulla, Eleonora und Anisa schneiden die Schnüre vom Fuß. Foto: Dontscheff



Auch Aufklärungsarbeit wird betrieben. Zum Beispiel unterstützt die Initiative das städtische Fütterungsverbot teilweise sogar. Denn oft werde das Falsche gefüttert. "Insgesamt drei Passanten, die Brot ausstreuen wollten, haben wir freundlich über das Bußgeld-bewehrte Fütterungsverbot informiert", erklärt Beate Gries im Nachgang der Aktion vom Samstag. Die Initiative selbst hat eine Ausnahmegenehmigung der Stadt, die Tauben zu füttern, um sie einfangen zu können.

regionalHeute.de begleitete die Taubenfangaktion:


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