Lions Racing Team der TU Braunschweig mit neuem Rennwagen am Start

Zwischen Hörsaal und Boxengasse: Die Studenten verbringen unzählige Stunden in der Werkstatt.

Zieleinfahrt des LR25 nach der Endurance.
Zieleinfahrt des LR25 nach der Endurance. | Foto: Formula Student Germany 2025 Wintermantel

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Braunschweig. Das Lions Racing Team greift wieder an: Nach einer erfolgreichen vergangenen Saison ist das Team der Technischen Universität Braunschweig bereit für das nächste Kapitel. Mit dem brandneuen Rennwagen-Modell LR26 im Gepäck geht es in diesem Sommer wieder auf die großen europäischen Rennstrecken der Formula Student. Das klare Ziel: den Aufwärtstrend fortsetzen. So heißt es in einer Pressemitteilung der TU Braunschweig.



Die Erfolge mit dem Vorläufer-Modell LR25 während der „Formula Student Austria“ auf dem prestigeträchtigen Red Bull Ring und bei der „Formula Student Germany“ auf dem Hockenheimring bilden das solide Fundament für die aktuelle Rennsaison. Sie haben gezeigt, wo die Stärken des Konzepts liegen und wo noch Potenzial schlummert. Genau dieses Potenzial soll der neue LR26 nun auf die Straße bringen.

Das Rennwagenmodell aus dem Vorjahr „LR25“.
Das Rennwagenmodell aus dem Vorjahr „LR25“. Foto: Formula Student Germany 2025 Kohler


„Der Erfolg am Hockenheimring war für uns alle ein echter Wendepunkt“, erinnert sich Teamchef Max Damm. „Nach all den Rückschlägen der letzten Jahre zu sehen, dass das Auto die Endurance durchfährt und wir in jeder Disziplin Punkte holen, hat dem gesamten Team einen unglaublichen Motivationsschub verpasst. Mit genau dieser Energie sind wir in die Entwicklung des LR26 gestartet – wir wissen jetzt wieder ganz genau, wofür wir die Nächte in der Werkstatt durchmachen.“

Zwischen Hörsaal und Werkstatt


Was Außenstehende oft nicht sehen: Ein solcher Rennwagen entsteht nicht einfach nebenbei. Die Studenten verbringen unzählige Stunden in der Werkstatt. Ob direkt nach den Vorlesungen, schnell noch davor oder nicht selten in langen, kräftezehrenden Nachtschichten – das Projekt Formula Student fordert vollen Einsatz. Die Werkstatt wird in den Monaten der Entwicklung und Fertigung schnell zum zweiten Zuhause, in dem gemeinsam konstruiert, geschraubt und auch mal geflucht wird.

Das Lions Racing Team e.V..
Das Lions Racing Team e.V.. Foto: Marie Seeger


Um bei all der Arbeit nicht den Überblick zu verlieren, ist eine strukturierte Organisation das A und O. Einmal in der Woche kommt das gesamte Team zum großen Teammeeting zusammen, um die allgemeinen Fortschritte zu besprechen und die nächsten großen Meilensteine zu planen. Da das Projekt aber hochkomplex ist, teilt sich die Arbeit in insgesamt sieben spezialisierte Module auf: Suspension & Powertrain, Chassis, Aerodynamics, Electronics, Performance, Driverless, Organisation & Marketing.

Der LR26 in Zahlen und neuen Hürden


Der LR26 gilt als Meisterwerk studentischer Ingenieurskunst und vereint Leichtbau mit elektrischer Power. Für diese Saison hat sich das Team für einen großen und zeitintensiven Schritt entschieden: den Bau eines komplett neuen Monocoques, also der äußeren Hülle des Wagens. Der in Carbon-Aluminium-Sandwich-Bauweise gefertigte Körper des Rennwagens hat monatelange, präzise Arbeit in Anspruch genommen. Zusätzlich wurde das Team in diesem Jahr vor eine weitere große Aufgabe gestellt: Zahlreiche Regeländerungen im offiziellen Reglement der Formula Student erforderten ein radikales Umdenken und brachten eine Menge zusätzliche Arbeit bei der Konstruktion mit sich.

Der neue LR26.
Der neue LR26. Foto: Adrian Reis


Angetrieben wird der Bolide von zwei Motoren an der Hinterachse, die gemeinsam stolze 80 kW (108 PS) auf den Asphalt bringen. Obwohl der LR26 in diesem Jahr auf den Events ausschließlich mit Fahrern besetzt sein wird, blickt das Team technologisch weiter nach vorn: Die Arbeitsgruppe „Driverless“ arbeitet bereits unter Hochdruck an Lösungen für das autonome Fahren, um in naher Zukunft auch fahrerlos auf den Rennstrecken anzugreifen.

Der härteste Tag im Winter


Wer denkt, dass die Formula Student erst im Sommer beginnt, der irrt sich gewaltig. Man kann sich die Events, an denen man teilnehmen möchte, nicht einfach aussuchen – man muss sie sich hart erkämpfen. Ende Januar steht deshalb traditionell der „Quiz Day“ im Kalender, einer der wichtigsten und stressigsten Tage des gesamten Jahres für das Team. An diesem Tag gilt es, für jedes Event ein anspruchsvolles Online-Quiz zu absolvieren. Gefragt ist hierbei ein breites Spektrum: Von hochkomplexen technischen Fragen über knifflige Rechenaufgaben bis hin zu unerwarteten „Spaßfragen“ ist alles dabei. Pro richtige Antwort werden Punkte gesammelt. Nur die Teams, die unter enormem Zeitdruck die meisten Punkte holen, qualifizieren sich für die begehrten Startplätze.

Der Sommer der Entscheidung


Das Lernen und die Qualifikation haben sich gelohnt: Im August schlägt das Lions Racing Team seine Zelte bei der Formula Student Germany (vom 11. bis 16. August) und Formula Student France (24. bis 29. August) auf.

Bevor der LR26 jedoch auch nur einen Zentimeter auf der Rennstrecke fahren darf, wartet die härteste Hürde: das Scrutineering. Bei dieser technischen Abnahme wird das Auto von den Juroren auf Basis eines strengen und harten Regelwerks auf Herz und Nieren geprüft. Erst wenn alle Sicherheits- und Reglementvorgaben bestanden sind, gibt es den begehrten Aufkleber, der die Erlaubnis für die dynamischen Disziplinen erteilt.

„Die Events im August sind das absolute Highlight, auf das wir das ganze Jahr hinarbeiten“, sagt Teamchef Max Damm. „Wenn man nach all den Monaten in der Werkstatt plötzlich im Fahrerlager am Red Bull Ring oder in Frankreich steht, spürt man eine ganz besondere Dynamik. Da kommt die gesamte internationale Konkurrenz zusammen. Für uns geht es dort nicht nur um Punkte, sondern darum, als Team zu funktionieren, wenn es darauf ankommt.“

Mehr als nur Motorsport


Ein solches Großprojekt funktioniert nur durch Vielfalt und Unterstützung. Im Team sind mittlerweile über 20 verschiedene Studiengänge vertreten. Natürlich sind die klassischen technischen Fächer wie Maschinenbau stark besetzt – aber ein Formula-Student-Team braucht weit mehr als das. Hier arbeiten Studenten aus dem Lehramt, der Architektur, der BWL oder den Medienwissenschaften Hand in Hand.

Das Engagement in der studentischen Initiative bietet ein breites Spektrum an Aufgaben: Vom echten Ingenieurwesen über das Eventmanagement, das Finanzwesen bis hin zum professionellen Marketing ist für jeden etwas dabei. Am Ende zählt vor allem eins: gemeinsam unbezahlbare Praxiserfahrung sammeln. Das Lions Racing Team ist deshalb auch immer auf der Suche nach neuen Teammitgliedern, die interessiert sind, Theorie gegen Praxis zu tauschen.

Auf Unterstützer angewiesen


Die studentische Initiative ist elementar auf Unterstützer angewiesen. Ohne deren Support, würde kein einziger Reifen des LR26 den Asphalt berühren. Ein professionelles Sponsoring und eine enge, verlässliche Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Region und darüber hinaus sind daher genauso überlebenswichtig wie eine perfekt abgestimmte Aerodynamik.

„Mit dem LR26 und einem starken Team im Rücken sind wir bereit, die TU Braunschweig gebührend auf der europäischen Bühne zu repräsentieren. Die Daumen für die Events im August sind gedrückt“, sagt Teamchef Max Damm.

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