Braunschweig. Der Forschungsverbund DEEP-DV („Disrupt – Evade – Exploit: Genexpression und Manipulation der Wirtsantwort bei DNA-Virus-Infektionen“) ist mit dem Norddeutschen Wissenschaftspreis 2026 ausgezeichnet worden. Das länderübergreifende Konsortium unter Leitung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Technischen Universität (TU) Braunschweig erhält ein Preisgeld von 83.333 Euro. Das geht aus einer Pressemitteilung der TU Braunschweig hervor.
„Der Norddeutsche Wissenschaftspreis würdigt eine Form der Zusammenarbeit, die für die moderne biomedizinische Forschung unverzichtbar ist: Wissenschaftler:innen bringen über Länder- und Institutionsgrenzen hinweg ihre unterschiedlichen Kompetenzen zusammen, um komplexe medizinische Fragen zu beantworten. DEEP-DV steht beispielhaft für diese starke norddeutsche Forschungslandschaft. Ich gratuliere allen beteiligten Wissenschaftler:innen sehr herzlich zu dieser Auszeichnung“, sagt Prof. Dr. Blanche Schwappach-Pignataro, Dekanin der Medizinischen Fakultät und Vorstandsmitglied des UKE.
Aufbau von langfristigen Kooperationen
„Je schneller wir die wissenschaftlichen Grundlagen für die Fragen der Zukunft schaffen, desto früher profitiert unsere Gesellschaft. Das gilt ganz besonders für die biomedizinische Forschung. Dies gelingt am besten, wenn wir in langfristige und länder- und institutionsübergreifende Forschungskooperationen investieren. Daher ist es so wichtig, dass die beteiligten Länderministerien mit dem Norddeutschen Wissenschaftspreis den Aufbau von langfristigen und nachhaltigen Kooperationen über Ländergrenzen hinweg fördern. Ich gratuliere der Kollegin Prof. Dr. Melanie Brinkmann und dem gesamten DEEP-DV Team sehr herzlich zu dieser wohlverdienten Auszeichnung und wünsche allen Beteiligten viel Erfolg in der Umsetzung ihres Vorhabens“, sagt Frau Prof. Dr. Angela Ittel, Präsidentin der Technischen Universität Braunschweig.
Virusinfektionen besser verstehen
„Chronische Virusinfektionen und ihre langfristigen Folgen gewinnen in einer alternden Gesellschaft und für vulnerable Gruppen zunehmend an Bedeutung. Indem wir wissenschaftliche Kompetenzen und modernste Technologien bündeln, wollen wir persistierende Virusinfektionen besser verstehen und neue Ansätze für Prävention und Therapie entwickeln“, sagt Prof. Dr. Nicole Fischer, Co-Sprecherin des Verbunds, Direktorin des Instituts für Molekulare Virologie und Tumorvirologie des UKE und assoziierte Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Virologie (LIV).
"Starkes norddeutsches Netzwerk"
„Große wissenschaftliche Fortschritte entstehen selten allein. Sie entstehen dort, wo Menschen ihre unterschiedlichen Stärken zusammenbringen und gemeinsam an einer Idee arbeiten. Genau dafür steht DEEP-DV. Dieser Preis würdigt deshalb nicht nur unsere Forschungsergebnisse, sondern auch ein starkes norddeutsches Netzwerk, das zeigt, was wir gemeinsam erreichen können“, sagt Prof. Dr. Melanie Brinkmann, Co-Sprecherin des Verbunds, Professorin am Institut für Genetik der TU Braunschweig und Gruppenleitern am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI).
Wie DNA-Viren dem Immunsystem entkommen
Viele DNA-Viren – darunter Herpesviren, Polyomaviren, Papillomaviren und Adenoviren – können dauerhaft im Körper verbleiben. Dabei bleiben sie weitestgehend inaktiv, können aber unter bestimmten Bedingungen reaktivieren. Dies kann insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem schwerwiegende Folgen haben. Im Mittelpunkt des seit 2022 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Konsortiums steht deshalb die Frage, welche molekularen Mechanismen es DNA-Viren ermöglichen, der Immunabwehr zu entgehen und langfristig im Körper zu verbleiben. Mit modernen Genom-, Transkriptom- und Einzelzellanalysen sowie innovativen Organoidmodellen untersucht DEEP-DV, wie Virus und Wirtszelle miteinander interagieren. Ziel ist es, die Mechanismen der Viruspersistenz zu entschlüsseln und damit die Grundlage für neue Ansätze zur Prävention und Behandlung zu schaffen.
Molekulare Landkarte
Ein zentrales gemeinsames Vorhaben von DEEP-DV ist die Entwicklung eines Transkriptionsatlas‘ – einer molekularen Landkarte von DNA-Virusinfektionen, die künftig der internationalen Forschungsgemeinschaft zugänglich gemacht werden soll. Er soll sichtbar machen, welche Gene von Virus und Wirtszelle zu unterschiedlichen Zeitpunkten einer Infektion aktiv sind. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der epigenetischen Regulation. Die Forschenden untersuchen molekulare Schalter, die die Aktivität von Genen steuern und möglicherweise zur Etablierung langfristiger Virusreservoire beitragen.
Eng vernetzter Forschungsraum
Der Verbund verbindet führende Expertise aus der norddeutschen Infektionsforschung über die Standorte Hamburg, Braunschweig und Hannover hinweg: Am UKE und am LIV werden molekulare Virologie, Virusgenomik und Systembiologie verbunden; die TU Braunschweig und das HZI bringen besondere Kenntnisse in der Immunantwort und der molekularen Regulation von Virusinfektionen ein. Das Center for Structural Systems Biology (CSSB) und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ergänzen den Verbund um modernste Forschungsinfrastruktur für Strukturbiologie, Imaging und integrative Systembiologie und Expertise in der Herpesvirusforschung. So ist entlang der Forschungsachse Hamburg – Hannover – Braunschweig ein eng vernetzter Forschungsraum entstanden.

