Für neue Truppen: Bundeswehr prüft diese drei Standorte in unserer Region

Ein Musterungszentrum in Braunschweig ist längst fix. Doch es stehen auch größere Liegenschaften auf der Prüfliste der Streitkräfte.

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Symbolbild. | Foto: via dts Nachrichtenagentur

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Region. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, ständige Scharmützel in der Straße von Hormus, eine schwächelnde NATO: Die Konflikte der Welt setzen immer mehr auch Deutschland unter Druck. Schon lange steht daher fest: Die Bundeswehr wird sich vergrößern und will die Zahl der Soldaten deutlich erhöhen. Dafür sucht sie nach geeigneten Standorten. Seit Anfang Mai steht fest: Ein Musterungszentrum wird in Braunschweig entstehen. Gleichzeitig prüft die Bundeswehr aber noch drei alte Truppen-Standorte in unserer Region auf ihre Tauglichkeit.



Während weiter unklar ist, wo genau das Musterungszentrum in Braunschweig entstehen soll, wird immer deutlicher, wo bundesweit alte Kasernen reaktiviert werden könnten. Am gestrigen Donnerstag hat die Bundeswehr zum aktuellen Sachstand informiert. Zur Erklärung hieß es in einer Pressemitteilung der Streitkräfte: "Die Bundeswehr braucht Platz für den Aufwuchs – Kasernen, Depots und Übungsplätze werden benötigt. Besonders zeitkritisch ist die Schaffung von Kapazitäten für den neuen Wehrdienst. Dafür wurden nun zunächst acht ehemalige militärische Liegenschaften identifiziert."

Zwei Liegenschaften aus unserer Region stehen auf dem Prüfstand


In Niedersachsen kommt für diese relativ kurzfristige Reaktivierung zunächst nur die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne in Cuxhaven infrage. Aber die Bundeswehr hat unzählige weitere ehemalige Kasernen im Blick. Diese alten Standorte wurden aufgegeben und zur Konversion freigegeben. Nach und nach sollten sie dauerhaft in den zivilen Gebrauch überführt werden. Diesen Prozess hatte die Bundeswehr aber schon im vergangenen Jahr gestoppt und fast 200 Liegenschaften auf eine Moratoriumsliste gesetzt. Zu denen heißt es, dass sie sich "für eine künftige Nutzung durch die Bundeswehr eignen könnten." Das soll noch geprüft werden. Sollten diese Liegenschaften bei dieser "Prüfung" durchfallen, sollen sie umgehend von der Liste gestrichen und wieder der Zivilgesellschaft übergeben werden.

Aus der Region zwischen Harz und Heide stehen – oder standen – drei Standorte, die sich in Bundesbesitz befinden, auf dieser Moratoriumsliste: das ehemalige Truppenlager Ehra-Lessien im nördlichen Landkreis Gifhorn und die Flächen des Julius-Kühn-Instituts bei Sickte im Landkreis Wolfenbüttel sowie bei Lehre im Landkreis Helmstedt. Ehemalige Kasernen beispielsweise in Braunschweig oder Goslar stehen nicht auf dieser Liste. Schließlich ist die Konversion – also die Umwandlung in zivile Nutzung – dort zumeist längst abgeschlossen.

Standorte Ehra-Lessien und Sickte stehen auf der Liste


Den Standort Ehra-Lessien, den die Bundeswehr weiterhin prüfen will, nutzt die Gifhorner Kreisverwaltung seit 2015 zur Unterbringung von Flüchtlingen. Das sei auch weiterhin geplant, teilte der Landkreis bereits Ende des vergangenen Jahres mit. Bis 2013 war die Bundeswehr auf dem Übungsplatz nördlich von Lessien aktiv. In dieser Sache ist noch nichts entschieden.

Bei den Flächen des JKI, des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen, in Sickte geht es um die dortige Versuchsstation sowie die dazugehörigen landwirtschaftlichen Flächen. Ob die Bundeswehr an diesem Standort insgeheim auf eine Reaktivierung des ehemaligen Truppenübungsplatzes in den Herzogsbergen zwischen Sickte und Cremlingen geblickt hatte, bleibt offen. Dieser gehörte damals zum Bundeswehr-Standort Braunschweig und wurde 2003 aufgegeben. Das Gebiet in den Herzogsbergen steht seit 2019 unter Naturschutz, was Truppenübungen aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen hätte. Gleichwohl: Der Standort Sickte gehört zu den bundesweit 40, die bereits wieder freigegeben worden sind. Er kommt für die Bundeswehr also nicht mehr infrage.

Das JKI besitzt zudem Flächen bei Wendhausen in der Gemeinde Lehre. Diese hatte die Bundeswehr erst nachträglich als möglicherweise geeignet identifiziert. Sie gehören zu den im "ersten Halbjahr identifizierten zusätzlichen Moratoriumsliegenschaften". Nach welchen Kriterien diese Entscheidungen über mögliche Standorte gefällt werden, dazu gibt es keine genaueren Informationen vonseiten der Armee. Die militärische Vergangenheit der Gemeinde Lehre endet in der 1934 aufgebauten Heeresmunitionsanstalt in Kampstüh, die nach dem Zweiten Weltkrieg noch teilweise als Standortmunitionsniederlage der Bundeswehr genutzt wurde.

Im Hinblick auf den geplanten "Aufbau einer Strategischen Liegenschaftsreserve" werde die Bundeswehr diese beiden verbliebenen Standorte in unserer Region sowie bundesweit 72 weitere Standorte noch im aktuellen Jahr prüfen. "Bis Ende 2026 werden die vom Moratorium betroffenen Liegenschaften vor Ort erkundet und vor dem Hintergrund der sich konkretisierenden Bedarfe hinsichtlich einer möglichen künftigen Nutzung durch die Bundeswehr infrastrukturell bewertet", heißt es im jetzt veröffentlichten Moratoriumsbericht.

Sollte eine Immobilie diesen Test bestehen, werde sie ebenfalls noch in diesem Jahr in die Strategische Liegenschaftsreserve überführt – oder aber "umgehend wieder freigegeben" – wie im Fall der Flächen in Sickte geschehen.

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