Gifhorn. Das innerstädtische Flüsschen Mühlenaller in Gifhorn von der Konrad-Adenauer-Straße bis zur Bleiche erlebbar zu machen, das ist schon lange ein Plan der Stadtverwaltung. Es gehöre zu den visionären Projekten aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus. Den Plan umzusetzen, das war bisher nicht möglich. Es fehlte schlicht und einfach das nötige Geld. Doch das könnte sich jetzt ändern.
Mit der Fördermaßnahme „Investive Modellvorhaben für den Radverkehr“ des Bundesministeriums für Verkehr tut sich jetzt eine Option auf. Gifhorn hat sich mit dem Projekt „Blau-Grüner Radweg“ entlang der Mühlenaller beworben. Die gute Nachricht: 62 Städte hatten sich für den Förderaufruf „Junge Generation Fahrrad – aktiv mobil“ beworben.
Gifhorn mit Leuchtturmprojekt
Gifhorn zählt zu den 30 Städten in Deutschland, deren Projekt die Jury als förderwürdig und damit als Leuchtturmprojekt bewertet hat. Jetzt kann Gifhorn einen Förderantrag stellen. „Dank unseres ISEK konnten wir einen starken Baustein aus der Schublade ziehen und damit
schnell auf den Förderaufruf reagieren“, sagt Bürgermeister Matthias Nerlich. Bis zum 5. Oktober muss die Stadt die Unterlagen für die erste Projektstufe einreichen.
Was verbirgt sich hinter dem „Blau-Grünen-Radweg“? In der Innenstadt von Gifhorn liegen rund 20 Einrichtungen, deren Angebote sich an Kinder und Jugendliche richten. Darunter zwei Grundschulen, drei Kitas, Sport- und Freizeitanlagen, die Allerwelle, Tennisplätze, Skaterbahn, das Kino, Eisdielen, das Kaufhaus Schütte mit seiner beliebten Spielwarenabteilung, der Spielplatz am Schlosssee, das „Grüne Klassenzimmer“ an der Mühlenaller und vieles mehr. All diese Einrichtungen sind vom stark befahrenen City-Ring umschlossen, so dass ein
gefahrloser, barrierearmer Zugang gerade für Kinder und Jugendliche kaum möglich ist. „Der Blau-Grüne Radweg soll all diese Orte miteinander verbinden, die sich wie an einer Perlenkette entlang des Radweges aufreihen“, erläutert Maike Klesen, Fachbereichsleiterin Stadtentwicklung und Ideengeberin des ambitionierten Projektes. „Mit Hilfe des Förderprojektes könnte abseits der Verkehrsstraßen ein sicherer und attraktiver Radweg entstehen und gleichzeitig würde die Mühlenaller erlebbar werden. Klar, dass dann auch Fußgänger den Weg nutzen dürfen“, sagt Maike Klesen.
So verläuft der Blau-Grüne-Radweg: Von der Gebrüder Grimm-Schule soll es möglich werden, mit einer Brücke über die Aller zur Bleiche zu gelangen. Der Knickwall soll dabei zu einer Fahrradstraße werden. Von dort geht es weiter auf einem Steg-Radweg entlang der Mühlenaller am Kino vorbei, unter dem Steinweg und der Konrad-Adenauer-Straße hindurch zum Spielplatz am Schlosssee und zur Allerwelle. Der Steg-Radweg soll losgelöst von den Spundwänden fast auf Wasserniveau geführt werden und beginnt auf der Höhe des Kinos. So kann auch ein neues Erlebnis von Gifhorn als Stadt am Wasser entstehen. Die Länge des Stegs: zwischen 350 und 400 Metern.
5,8 Millionen Euro soll das Projekt kosten
Die Investitionssumme für den Blau-Grünen Radweg beläuft sich auf 5,8 Millionen Euro. 4,3 Millionen Euro würde das Verkehrsministerium dazugeben, denn die Förderquote beträgt 75 Prozent. Rund 1,5 Millionen Euro müsste die Stadt als Eigenmittel aufbringen. „Wir würden das
Projekt bis 2032 in mehreren Teilabschnitten realisieren. Wir müssten also nichts übers Knie brechen und könnten die Ausgaben über mehrere Jahre strecken“, sagt Matthias Nerlich.
„Wir haben mit Bravour die erste Stufe geschafft“, sagt Stadtbaurat Oliver Bley und dankte Maike Klesen, die das Projekt erarbeitet hat. „Jetzt erwarten wir mit Spannung das Ergebnis und hoffen, dass die wesentlichen Maßnahmen förderfähig sind.“ Ende des Jahres weiß die
Stadt mehr. Sollte die Stadt die Förderzusage erhalten, könnte man bereits 2027 losgehen. „Zuvor müssen die Projekte mit politischen Beschlüssen untermauert werden“, sagt Oliver Bley.

