Braunschweig/Wolfenbüttel. Der Ausbau des Straßenbahnnetzes in Braunschweig kommt nicht so schnell voran, wie sich das manche wünschen. Im Stadtbahnplus-Programm stehen seit Jahren zahlreiche Strecken, die ergänzt und erweitert werden sollen. Derzeit hängt der Ausbau in Gliesmarode und Volkmarode fest. Trotz jahrelanger Verzögerungen und steigender Kosten bei diesen Projekten, kommt jetzt noch ein weiterer, sogar grenzübergreifender, Vorschlag hinzu: eine Tram-Verbindung zwischen Braunschweig-Stöckheim und Wolfenbüttel.
Diese Ideen bringen Kommunalpolitiker der Grünen derzeit auf dem Instagram-Kanal der Partei ins Spiel – was sich wohl zum Teil auch auf die Sommerpause und den Wahlkampf zurückführen lässt. Schließlich kommen in dem Video ausschließlich die Kandidaten für die Posten der Hauptverwaltungsbeamten zu Wort: Michael Walther (Braunschweig) sowie Leo Pröttel und Lena Krause (Wolfenbüttel).
Grüne lassen die Idee der Straßenbahn zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel wieder aufleben
Der Braunschweiger Bürgermeisterkandidat Walther verweist gleich am Anfang des Beitrags darauf, dass bis 1954 tatsächlich eine Straßenbahn von Braunschweig nach Wolfenbüttel fuhr. Die Linie A verband damals die beiden Städte. Auch die Forderung, diese Linie neu zu bauen, ist nicht neu. Schon 2021 stand das Thema im Wahlprogramm der Grünen im Rat der Stadt Wolfenbüttel. Ulrike Krause (inzwischen parteiloses Ratsmitglied) hatte sich dafür eingesetzt.
Nun – eine Ratsperiode später – bleibt das Thema also heiß. Erst vor wenigen Wochen war eine umfangreiche und monatelang andauernde Sanierung der Gleise in Stöckheim beendet worden. Erst seit Anfang Juni fährt die Straßenbahn-Linie 1 wieder die südlichsten Stationen an. Jetzt kommt der Vorschlag, dort anzusetzen und die Linie noch weiter Richtung Süden fahren zu lassen – über die Stadtgrenze hinaus in die Nachbarstadt. "Auch damit wir uns regional noch mehr miteinander vernetzen", wie Lena Krause (Bürgermeisterkandidatin in Wolfenbüttel) betont.
Wie die Bahnlinie aussehen könnte, erklärt Michael Walther in einem Kommentar zu dem Videobeitrag: "Die Straßenbahn kann durch das Lechlumer Holz bis zur Haltestelle Forststraße auf einem eigenen Gleiskörper fahren. Eine mögliche Wendeschleife könnte am Kreuzungsbereich Neuer Weg liegen." Dort wäre seiner Meinung nach ein guter "Übergabepunkt zu einem überarbeiteten Stadtbusnetz". Von dort könnte es per Bus in drei unterschiedliche Richtungen weitergehen: Innenstadt, Linden und Ostfalia.
Unweit der Endstation "Salzdahlumer Weg" und der Wendeschleife in Stöckheim am südlichen Ende der Leipziger Straße befindet sich bereits die Autobahnabfahrt Wolfenbüttel-Nord, von der aus es durchs Lechlumer Holz am Sternhaus vorbei in den Neuen Weg übergeht. An dieser Autobahnausfahrt stehend, spricht Landratskandidat Leo Pröttel in die Kamera: "Man sieht, wie viel Platz hier ist. Ich kann nicht glauben, dass man hier keine Straßenbahn rüberkriegt." Ob die Straßenbahn diesen Weg nimmt oder ab Sachsendamm direkt nach Wolfenbüttel fahren soll, bleibt offen.
Bislang verbindet die Buslinie 420 der BSVG die beiden Nachbarstädte und pendelt verlässlich zwischen den Haltestellen Rathaus in Braunschweig und Kornmarkt in Wolfenbüttel hin und her. Zwischen beiden Städten bestehen seit vielen Jahrhunderten "sehr enge Verflechtungen. Hier pendeln die meisten Menschen in unserer Region", heißt es im Beitrag der Grünen, die das "gemeinsam stärker gestalten" wollen. Außerdem, wie Walther in einem Kommentar unterstreicht: "Die Straßenbahn steht in der Hauptverkehrszeit auf der Autobahn nicht im Stau."
Die Top-Kandidaten der Grünen legen also dar, dass eine solche Straßenbahnerweiterung über den Süden Braunschweigs hinaus technisch machbar wäre und dem Verkehr wohl Nutzen bringen würde. Zur Frage der Finanzierung eines solchen Großprojekts äußern sie sich allerdings noch nicht. Klar sei allerdings: "Das zusätzliche Projekt kann nicht zu Lasten der laufenden gehen", schreibt Walther in einer Antwort auf einen Kommentar im sozialen Netzwerk Instagram.

