Wolfsburg. Der Automobilkonzern Volkswagen befindet sich in einer kritischen und entscheidenden Phase seiner Unternehmensgeschichte. Um am Weltmarkt weiterhin erfolgreich sein zu können, muss sich VW wandeln. Einen solchen Transformationsprozess hat der Konzern bereits eingeleitet. Dabei bleibt ein Großteil des Weges aber inoffiziell. Immer wieder ist die Rede zum Beispiel von Werksschließungen und von einem Stellenabbau, der über bisherige Pläne weit hinausgeht. Außerdem sickern immer mehr auch Pläne durch, wonach der VW-Konzern sich von Unternehmensanteilen trennen will, um die "Kriegskasse" für die anstehenden Herausforderungen zu füllen. Jetzt steht offenbar ein Teil der Nutzfahrzeug-Sparte zum Verkauf.
Erst kürzlich wurde bekannt, dass VW wohl mit dem Entwicklungsdienstleister IAV eine Unternehmenstochter verkaufen möchte. An dem Unternehmen, das seinen größten Sitz in Gifhorn betreibt, hält der Konzern aus Wolfsburg 50 Prozent. Der Verkauf könnte einen Milliarden-Betrag in die VW-Kassen spülen. Geld, das für den Transformationsprozess notwendig sein könnte.
75 Prozent plus eine Aktie
Diese Motivation dürfte auch ausschlaggebend sein für die Absicht, einen Teil der Anteile, an der Traton SE abzugeben. Das ist zumindest am heutigen Mittwoch ebenfalls als Plan bekannt geworden, wie verschiedene, teils internationale Medien berichten. An Traton, zu der unter anderem MAN Truck & Bus sowie Scania gehören, hält VW derzeit 87,5 Prozent. Nach übereinstimmenden internationalen Medienberichten soll der Besitz auf 75 Prozent plus eine Aktie sinken. Ein ganz schön großer Brocken des Nutzfahrzeug- und Busherstellers aus München steht dann also zum Verkauf. Der erstrebte Erlös daraus dürfte sich ebenfalls im Bereich von mehreren Milliarden Euro einpendeln. Schließlich zählt Traton zu den Filetstücken im Unternehmensportfolio. Gleichzeitig würde VW mit der Abgabe dieser Anteile weiterhin die Kontrolle über das Unternehmen Traton behalten.
Weitere Milliarden wird sich VW auch über den inzwischen von der EU-Kommission genehmigten Verkauf des Großmotorenherstellers Everllence sichern. Ein US-amerikanischer Investor wird laut übereinstimmenden Medienberichten wohl 7,4 Milliarden Euro für 51 Prozent der Unternehmensanteile nach Wolfsburg überweisen.

