Braunschweig. Rüstungs- und Verteidigungstechnologie aus Braunschweig stößt landesweit auf großes Interesse. Am heutigen Mittwoch hat die Aerodata AG, die ihren Hauptsitz am Flughafen in Waggum hat, eine neue Drohne erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Beim Präsentationstermin am Fertigungsstandort in Strausberg (bei Berlin) waren auch die Ministerpräsidenten Olaf Lies (Niedersachsen) und Dietmar Woidke (Brandenburg) zugegen.
Laut einer Pressemitteilung des Braunschweiger Luftfahrtunternehmens habe dieses nun den ersten Prototyp seiner AeroForce X vorgestellt. Dies sei ein unbemanntes Luftfahrtsystem für komplexe Aufklärungsmissionen, das sich durch eine große Ausdauer auszeichne. Die Flügelspannweite beträgt 26 Meter, die Nutzlast rund 1,3 Tonnen und die Flugzeit bis zu 40 Stunden. Diese Drohne könne eine dauerhafte Überwachung von kritischer Infrastruktur ermöglichen – ein wesentlicher Baustein für Resilienz und nationale Sicherheit, wie das Unternehmen aus Braunschweig betont. Da bislang keine vergleichbare europäische Lösung am Markt verfügbar sei, stärke Aerodata mit dieser Entwicklung zugleich Europas technologische Souveränität.
Europa unabhängiger machen
„Europa braucht eigene, verlässliche Fähigkeiten, um kritische Infrastrukturen zu schützen und in sicherheitspolitisch herausfordernden Zeiten handlungsfähig zu bleiben", erklärte Neset Tükenmez, CEO der Aerodata AG, jetzt bei der Vorstellung. Laut Medienberichten habe wohl die Bundeswehr bereits Interesse an dem System gezeigt. Es könnte eine bislang genutzte Lösung, die aus Übersee stammt, ergänzen oder ersetzen. Bislang kommt zum Beispiel das Modell German Heron TP eines israelischen Herstellers bei der Bundeswehr für diese Aufgabe zum Einsatz. Das System des Braunschweiger Unternehmens sei wohl insbesondere auch geeignet, um den Nordsee- und Ostseeraum dauerhaft zu überwachen.
Aerodata ist laut eigenen Angaben langjähriger Anbieter von Lösungen für Seefernaufklärung, Grenzüberwachung und den Schutz kritischer Infrastrukturen. Das Unternehmen präsentiert sein neues Modell offenbar bewusst als „heimische“ Sicherheitstechnologie, die Deutschland unabhängiger von internationalen Herstellern macht.
Eine europäische Lösung aus Braunschweig
Olaf Lies, niedersächsischer Ministerpräsident, zeigte sich offenbar angetan von dieser Drohne "Made in Braunschweig": „Dieser Rollout ist mehr als die Vorstellung eines neuen Fluggeräts – es ist ein sichtbares Zeichen für Innovationskraft, technologischen Fortschritt und industrielle Zukunftsfähigkeit. Aerodata zeigt vorbildlich, wie aus Forschung, Ingenieurskunst und unternehmerischem Mut neue Schlüsseltechnologien entstehen. Mit dieser europäischen Lösung leistet das niedersächsische Unternehmen hier in Brandenburg einen wichtigen Beitrag zur technologischen Souveränität Europas – gerade in einer Zeit, in der Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit zentral für unseren Kontinent sind."
Die Technologie bekomme vor dem Hintergrund der momentan sicherheitspolitischen Weltlage eine besondere Relevanz. Das erklärte auch Dietmar Woidke, Ministerpräsident Brandenburgs: „Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich die Sicherheitslage in Deutschland und Europa verändert. Unsere Demokratien und unsere freiheitliche Lebensweise stehen unter Druck. Deshalb ist es wichtig, die Resilienz und die Verteidigungsfähigkeit unserer Gemeinschaft zu stärken. Unternehmen wie Aerodata übernehmen Verantwortung und tragen mit ihren Innovationen zur Sicherheit unseres Landes bei.“
Bis die Drohne aus Braunschweig aber ihre Patrouillen fliegt, wird es noch eine Weile dauern. Wie Aerodata erklärte, werde der bemannte Prototyp nach dem heutigen Rollout weitere Erprobungen durchlaufen und noch in diesem Jahr wie geplant erstmals abheben. Anschließend folgen weitere Entwicklungsschritte.

