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Wenig Geld trotz Vollzeit - So viele Menschen arbeiten in der Region zum Niedriglohn

In Helmstedt arbeiten die meisten Menschen unter der Niedriglohnschwelle. In Wolfsburg gibt es (prozentual) die wenigsten Niedriglohnarbeiter.

Schöner Beruf, aber oft schlecht bezahlt: In der Floristik müssen sich viele Beschäftigte mit Mini- Löhnen begnügen, die bei weitem nicht zum Familienunterhalt reichen, kritisiert die IG BAU.
Schöner Beruf, aber oft schlecht bezahlt: In der Floristik müssen sich viele Beschäftigte mit Mini- Löhnen begnügen, die bei weitem nicht zum Familienunterhalt reichen, kritisiert die IG BAU. Foto: IG BAU

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06.10.2020

Region. 40 Stunden Arbeit pro Woche und trotzdem bleibt es klamm im Portemonnaie. Im Vorfeld der morgigen Streiks im ÖPNV-Sektor weist die Gewerkschaft IG Bau in einer Pressemitteilung darauf hin, dass in den Städten der Region teilweise ein Viertel der Menschen für einen Bruttolohn unter der aktuell (in Westdeutschland) gelten Niedriglohnschwelle von 2.350 Euro arbeitet. Dies gehe aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor.



Aktuell arbeiten in Braunschweig 19 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im Niedriglohnsektor. Insgesamt rund 15.300 Menschen. Im Landkreis Wolfenbüttel sind es 3.500 Menschen (24 Prozent), im Landkreis Goslar mit 7.800 Menschen sogar 28 Prozent, in der Stadt Salzgitter mit rund 3.800 Menschen etwa 11 Prozent, im Kreis Peine mit 5.300 Menschen etwa 27 Prozent und im Kreis Helmstedt mit 4.200 Menschen sogar ganze 31 Prozent. Im Landkreis Gifhorn sind es mit 5.200 Menschen etwa 21 Prozent. Am besten schneidet Wolfsburg ab. Dort arbeiten mit 6.500 Menschen 7 Prozent unterhalb der Niedriglohnschwelle.

„Dass selbst eine Vollzeitstelle häufig nicht ausreicht, um finanziell halbwegs abgesichert zu sein, ist alarmierend“, sagt Karl-Heinz Ehrenberg, Bezirksvorsitzender der IG BAU Braunschweig-Goslar. In der Region zählten unter anderem die Landwirtschaft, die Gebäudereinigung und die Floristik zu den Branchen, in denen besonders wenig gezahlt werde. Grund dafür sei auch die schwindende Tarifbindung. „Je mehr Firmen aus Tarifverträgen aussteigen, desto schlechtere Karten haben die Beschäftigten. Es droht eine immer tiefere Spaltung des Arbeitsmarktes“, warnt Ehrenberg. Diese werde durch die Corona-Pandemie teils verschärft: Beschäftigte im Handwerk könnten nur selten Homeoffice machen. Wegen hoher Mieten in den Städten müssten sie zudem oft weite Pendelwege in Kauf nehmen.

Tarifbindung bietet auch Vorteile für die Firmen


Der Gewerkschafter ruft die Unternehmen in der Stadt dazu auf, sich zu Mitbestimmung und Tarifautonomie zu bekennen: „Die Sozialpartnerschaft ist ein Erfolgsmodell, das den Beschäftigten – und den Betrieben – über Jahrzehnte wachsenden Wohlstand beschert hat. Sie darf nicht unter die Räder kommen.“ Nach Untersuchungen der Hans-Böckler-Stiftung profitieren davon auch die Firmen. In tarifgebundenen Unternehmen steige die Produktivität, Mitarbeiter seien motivierter. „Aber auch die Politik ist am Zug. Sie sollte mehr für die Tarifbindung tun“, erklärt Ehrenberg und nennt das Beispiel des Maler- und Lackiererhandwerks: Dort haben Gesellen Anspruch auf einen tariflichen Mindestlohn von 13,50 Euro pro Stunde. Diese Lohnuntergrenze wurde von der Politik für die ganze Branche zur Pflicht gemacht. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn liegt aktuell bei 9,35 Euro pro Stunde.
„Klar ist aber auch: Je mehr Menschen sich in den Gewerkschaften engagieren, desto mehr lässt sich gegenüber den Arbeitgebern herausholen“, so Ehrenberg.


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