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Wildunfälle in der Region: Hier wird am häufigsten gekreuzt

Vor allem in der warmen Jahreszeit kommt es zu Wildunfällen. regionalHeute.de fragte nach den häufigsten Unfallschwerpunkten.

von Julia Seidel


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Pixabay

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25.05.2020

Region. In der Zeit vom 1. April bis zum 15. Juli herrscht die Brut- und Setzzeit in Niedersachsen. Doch nicht nur dann ist das Wild besonders in der Dämmerung aktiv. So kommt es vor allem in der Sommerzeit immer wieder vor, dass es auf Landstraßen zu Wildunfällen kommt. Diese haben im vergangenen Jahr zu einer Schadenssumme von rund 3,43 Millionen Euro geführt, wie die Öffentliche Versicherung Braunschweig auf Nachfrage von regionalHeute.de berichtet.


Wie die Öffentliche Versicherung weiter mitteilt, ist die Schadenssumme in den letzten drei Jahren gestiegen. Die Anzahl der Unfälle hingegen ist auf einem etwa gleichem Niveau geblieben. So wurden der Versicherung im Jahr 2017 1.305 Wildunfälle mit einer Schadenssumme von 2,96 Millionen Euro gemeldet, im Jahr 2018 waren es 1.219 Wildunfälle bei einer Schadenssumme von 2,89 Millionen Euro und im Jahr 2019 wurden 1.304 Wildunfälle bei einer Schadenssumme von 3.43 Millionen gemeldet. In der Zeit vom 1. Januar bis zum 30. April waren bisher 398 Wildunfälle bei der Versicherung aufgenommen worden. Diese hatten eine Schadenssummer von 0,97 Millionen Euro.

Wie die Landesjägerschaft Niedersachsen gegenüber regionalHeute.de berichtet, kommt es bei den Wildunfallzahlen immer wieder zu Schwankungen. Schuld daran seien unter anderem Witterung und das Verkehrsaufkommen sowie der Neu- oder Ausbau von Straßen - losgelöst von der Brut- und Setzzeit. Ebenso würden die Wildtierpopulationen Schwankungen unterliegen. Die meisten Unfälle enden für die Tiere tödlich. Abhängig von der Schwere des Unfalls, der Art des Fahrzeugs und der Geschwindigkeit, kann es passieren, dass die Tiere beim Zusammenstoß entweder sofort getötet werden oder aber verletzt werden. Auch wenn ein Tier vermeintlich unverletzt flüchtet, sei es wichtig, dass der Unfallverursacher die Polizei verständigt. Diese würde wiederum den zuständigen Jäger benachrichtigen, der mit einem speziell ausgebildeten Jagdhund das Wildtier nachsucht und es nach dem Auffinden erlöse, um dem Tier Leiden zu ersparen.

Die am meisten betroffene Tierart ist nach Aussage der Landesjägerschaft Niedersachsen in der Regel das Rehwild, da diese Wildart flächendeckend vorkomme. Diese Tierart habe zudem viele Aktivitätsphasen. "Das beginnt im Frühjahr mit der Auflösung der sogenannten Sprünge, also der Wintergemeinschaften des Rehwildes, geht über die Zeit der Einstandskämpfe – also die Zeit, in der die Rehböcke untereinander um ihre Territorien kämpfen beziehungsweise diese verteidigen, bis hin zur Paarungszeit, die beim Rehwild häufig mit einer „Art Lock-Flucht“ verbunden ist, bei dem der Rehbock dem weiblichen Rehwild mitunter kilometerlang folgt. All dies sind Aktivitätsphasen, bei denen das Rehwild vermehrt ganz plötzlich Straßen kreuzt und so zu einer potenziellen Wildunfallgefahr wird", erklärt Pressesprecher Florian Rölfing.

Warnschilder werden ignoriert



Um die Anzahl an Wildunfällen zu reduzieren, arbeitet die Jägerschaft in der Regel mit der Polizei und dem Landkreis zusammen. Eine Maßnahme sei unter anderem der Einsatz von Duftzäunen, die die Wildtiere aufgrund von Geruchsreizen am Queren der Straße hindern sollen. Auch Warnreflektoren, die auf visuelle Wahrnehmung der Tiere ausgerichtet sind, sollen dieselbe Wirkung erzielen. Diese Reflektoren kommen häufig in blauer Farbe daher. Dies habe den Grund, dass blau in der Natur nicht in dieser Form vorkommt und die Tiere daher zunächst abgeschreckt werden, wie Thomas Reuter, Pressesprecher der Polizei Gifhorn gegenüber regionalHeute.de berichtet. Wichtig sei laut Reuter jedoch vor allem die offensive Pressearbeit in diesem Bereich. Die aufgestellten Schilder an Gefahrenschwerpunkten verfolgen den Zweck die Autofahrer auf den Wildwechsel zu sensibilisieren. Häufig würden diese jedoch ignoriert werden. Ein langsameres Fahren könne so bereits in vielen Fällen Abhilfe schaffen, auch deswegen, weil Rehwild Geschwindigkeiten unter 70 km/h besser einschätzen könne und somit gar nicht erst auf die Fahrbahn laufen würde.

So sieht es in der Region aus


Auch wenn Wildunfälle der Polizei im Landkreis Gifhorn nicht die größten Sorgen bereiten würden, so gäbe es auch hier Gefahrenpunkte mit einem erhöhten Aufkommen an Wild, das die Fahrbahn kreuzt. Diese Häufungsstellen seien dann mit Warnschildern ausgewiesen. Besonders betrifft dies Gegenden im nördlichen Bereich des Landkreises, wo die Besiedlung geringer ist und es große Waldgebiete sowie viele landwirtschaftliche Flächen gäbe, wie Reuter weiter mitteilt. Auch südlich von Wittingen in Richtung des Bernsteinsees komme es häufiger zu Wildunfällen.

Mit etwa 1.600 Unfällen im letzten Jahr habe es so viele Unfälle wie nie zuvor gegeben. Dies könne vor allem an den milden Wintern der letzten Jahre liegen, bei denen die Nahrungssuche leicht war und es keine toten Tiere durch Erfrieren gegeben hat, so Reuter. Auf der anderen Seite seien auch mehr Autos im Landkreis unterwegs gewesen.

In Salzgitter liegen die Gefahrenschwerpunkte auf der Nord-Süd-Straße zwischen Gebhardshagen und der alten Mülldeponie (17 Unfälle in 2019), der B 248 im Bereich Barum (neun Unfälle), der L 496 zwischen Hohenrode und Ringelheim (sechs Unfälle), der L 510 zwischen Groß Mahner und Ohlendorf (sechs Unfälle) sowie der Industriestraße Mitte im Bereich Hillenholz (6 Unfälle), wie Pressesprecher der Polizei Salzgitter, Matthias Pintak gegenüber regionalHeute.de berichtet.

Im Bereich der Stadt Wolfsburg gab es 2019 vier Wildunfallhäufungen, so Pressesprecher Thomas Figge von der Polizei Wolfsburg. Diese waren an der K 31 zwischen Velstove und Brackstedt (25 Unfälle), an der K 28 bei Fallersleben am Weyhäuser Weg nördlich vom Mittellandkanal (25 Unfälle), an der K 114 auf der Tangente nach Gifhorn (17 Unfälle) und auf der B 188 zwischen Vorsfelde und Oebisfelde (elf Unfälle). Die Sachschäden bei den Unfällen hätten zirka 160.000 Euro betragen.

Im Landkreis Peine gab es im Jahr 2019 auf der Strecke B 444 zwischen Stederdorf und Edemissen 25 Wildunfälle. Auf der B 214 in Ersehof am Abzweig Harvesse 15 Wildunfälle und 14 Unfälle auf der K 13 Meerdorf – Wipshausen, so Stephanie Schmidt von der Polizei Peine.

Drei Schwerverletzte im Landkreis Goslar


Im Landkreis Goslar hingegen würden die Unfallhäufungslinien je nach Wildstand und Futtersituation ständig wechseln, wie Sigurd Breustedt von der Polizei Goslar mitteilt. So seien grundsätzlich alle außerörtlichen Straßen betroffen. Dabei liege die Hauptwildunfallzeit zwischen 20 und 6 Uhr. Aber auch am Tage komme es zu Unfällen mit Rehwild, Wildschweinen und Hirschen. Bei insgesamt 572 Wildunfällen im Jahr 2019 wurden drei Menschen schwer verletzt. Dabei handelte es sich um zwei Motorradfahrer sowie einen Autofahrer, der bei dem Versuch dem Wild auszuweichen gegen einen Baum geprallt ist. Die Gesamtschadenssumme habe sich auf zirka 3.272.000 Euro belaufen.

Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Braunschweig, der das Stadtgebiet Braunschweigs umfasst, gäbe es keine auffällige Häufung von Wildunfällen. Insgesamt seien im Jahr 2019 109 Wildunfälle angezeigt worden, wie Pressesprecherin Carolin Scherf berichtet. Naturgemäß seien hauptsächlich am Stadtrand Unfälle durch Wildwechsel zu verzeichnen, wie zum Beispiel in den Straßen Tiefe Straße, Forststraße, Ebertallee oder Timmerlahstraße. Von einer Häufung sei bei diesen geringen Fallzahlen jedoch nicht zu sprechen.


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