KolumneHeute: Mitgliedschaft im „Wir“-Verein

von Sina Rühland




Braunschweig. Wir sind das Volk. Wir sind Charlie. Wir sind Papst. Ach so, und Eintracht sind wir natürlich auch. Doch wie viel „wir“ steckt eigentlich hinter in diesem inflationär gebrauchten Personalpronomen?

Nachdem sich die Pegida-Bewegung so überaus demokratisch dem Wir angenommen hatte, kam ebenso schnell Gegenwind auf. Seither reißen sich Demonstranten und Gegendemonstranten bundesweit um den ehrenvollen Vorsitz des „Wir“-Vereins. Doch jedem Wir steht augenscheinlich auch ein Die gegenüber. DIE Nazis. DIE Muslime. DIE Linken. Pegida skandiert bei den Spaziergängen, dass eben die Muslime dafür sorgen, dass es kein Schweinefleisch mehr in den Mensen gibt, dass die Muslime sich nicht integrieren, dass die Asylbewerber nur auf das hart verdiente Geld der Deutschen aus sind und, dass die Gegendemonstranten alle linke Faschisten sind. Im Gegenzug schreit das Gegenüber, dass die Demonstranten alle Nazis seien. Ziemlich viel die, ziemlich wenig wir.



Wenn ich das mal übersetzen darf, dann impliziert das Personalpronomen „wir“, dass also jemand erst dann zu einem Wir, und damit Teil der Gesellschaft wird, wenn er sich bedingungslos den anscheinend allgemein gültigen Attributen und Denkweisen anpasst. In den streng mitgliederlimitierten „Wir“-Verein wird man folglich nur aufgenommen, wenn man seinen Glauben, seine Religion oder seine politische Grundhaltung in seinen vier Wänden auslebt, generell fehlerfreies Deutsch spricht und schreibt sowie Massen an Schweinen verspeist. Ebenso darf nur Mitglied werden, wer sein Recht auf Angst, Unwissenheit und Intoleranz abgibt. Sollten diese also die Aufnahmebedingungen sein, siehts mit den Mitgliedsbeiträgen finster aus.


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