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Markt-Streik in Wolfenbüttel: So reagiert die Politik



Markt-Streik in Wolfenbüttel: So reagiert die Politik

Das Thema Wochenmarkt erhitzt die Gemüter und spaltet die Öffentlichkeit. Doch wie sieht die hiesige Politik den Streit? regionalHeute.de hat nachgefragt.

von Anke Donner


Der Wochenmarkt soll einmalig auf den Stadtmarkt umziehen. Die Standbetreiber boykottieren das nun.
Der Wochenmarkt soll einmalig auf den Stadtmarkt umziehen. Die Standbetreiber boykottieren das nun. Foto: Anke Donner

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Wolfenbüttel. Der Umzug des Wochenmarktes vom Schlossplatz auf den Stadtmarkt und der damit von den Standbetreibern angekündigte Boykott sorgt für erhitzte Gemüter bei den Marktbeschickern, der Stadtverwaltung und den Bürgern. Und er sorgt für ganz unterschiedliche Meinungen. Auch bei der Politik, wie eine Nachfrage von regionalHeute.de ergeben hat.



Vom 3. bis 5. September soll auf dem Schlossplatz das Streetfood Festival stattfinden. Der Wochenmarkt soll für den Samstag einmalig auf den Stadtmarkt umziehen. Keine gute Idee, finden die Marktleute und lehnen sich gegen das Vorhaben der Stadtverwaltung auf. Sie kündigen an, zu streiken, sollte alles wie geplant seinen Gang gehen.

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Dabei wird nicht nur das Verlegen an sich kritisiert. Auch habe es an Kommunikation und Alternativen seitens der Stadt gefehlt, sagen die Standbetreiber. Fehlendes Interesse wirft die Stadtverwaltung wiederum den Marktbeschickern vor. "Es wurde schon beim letzten Streetfood-Festival versucht, die Markthändler zu integrieren. Das Interesse und die Bereitschaft waren leider sehr gering. Eine erste Abfrage durch den Marktmeister ergab diesmal ein noch geringeres Interesse. Von den Händlern hat sich seitdem auch niemand mehr gemeldet und Interesse bekundet", lässt Stadtsprecher Thorsten Raedlein auf Nachfrage wissen.

Die Seiten scheinen verhärtet und die Reaktion der Marktleute wird ganz unterschiedlich aufgenommen. Doch wie sieht die hiesige Politik die Kritik und Diskussion? Unsere Redaktion wollte daher von den Stadtratsfraktionen wissen, ob sie den Unmut der Marktleute teilen und die Kritik für berechtigt halten. Die Antworten veröffentlichen wir in Reihenfolge der Rückmeldungen.

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Streik nicht erforderlich


Rudolf Ordon. Foto: privat
Rudolf Ordon. Foto: privat Foto: privat


Rudolf Ordon, Fraktionsvorsitzender für die FDP im Rat der Stadt sagt, dass der Wochenmarkt grundsätzlich auf den Stadtmarkt gehöre. "Wir sind der Ansicht, dass der Markt auf den Stadtmarkt gehört. Dorthin sind die Verkehrsanbindungen besser, außerdem kann dieser Besuch besser mit anderen Einkäufen in der Stadt verbunden werden. Das Streetfood-Festival sollte in der Innenstadt und auf dem Stadtmarkt veranstaltet werden, dann brauchen die Marktbeschicker nicht umziehen. Auf dem Stadtmarkt ist ausreichend Platz vorhanden, wenn man den Eingangsbereich und auch den Platz vor Seeliger benutzen könnte. Den Streik halte ich nicht für erforderlich."

Frust nachvollziehbar


Klaus-Dieter Heid, Fraktionsvorsitzender der AfD im Rat der Stadt Wolfenbüttel
Klaus-Dieter Heid, Fraktionsvorsitzender der AfD im Rat der Stadt Wolfenbüttel Foto: Anke Donner


Eine allen gerecht werdende Lösung sei kaum zu finden, sagt Klaus-Dieter Heid, Vorsitzender der AfD-Ratsfraktion. Vielleicht müsse einfach auch über Ausweichtermine nachgedacht werden, wenn es keine gütliche Einigung mit den Standbetreibern geben kann. Für Heid sei der angekündigte Streik der Marktbeschicker schon nachvollziehbar. "Bedingt durch leidige Corona-Auflagen der Vergangenheit – die Standbetreiber ohnehin mit Einnahme- und Ertragsverlusten rechnen mussten. Wenn nun ein Streik als 'letztes Mittel' angekündigt wird, zeigt dies schon, wie ernst die Lage aus Sicht der Betreiber ist", so Heid.

Auf unsere Frage, ob es Alternativen gegeben hätte, erklärt der Vorsitzender der AfD-Ratsfraktion: "Eine Alternative wäre wohl gewesen, tatsächlich mehr gemeinsam und wohl auch intensiver an Optionen zu arbeiten. Dass hier kritisiert wird, es wäre 'zu wenig an Alternativen' gearbeitet worden, macht den Frust über Kommunikationsprobleme und über offenbar auch über mangelnde Bereitschaft zur Lösungssuche der Verwaltung deutlich. Aus meiner Sicht gibt es immer eine Kompromisslösung, wenn alle Seiten bereit sind, Kompromisse zu schließen", sagt er und meint, dass es zumindest eine Überlegung wert gewesen sei, Streetfood-Festival und die Marktbeschicker auf beiden Stellplätzen gemeinsam agieren zu lassen. Heid fragt sich, ob diese Option zumindest geprüft wurde und vielleicht für beide Beteiligten eine Chance gewesen sein könnte, gegenseitig zu profitieren.

Festival auf Schlossplatz gut aufgehoben


André Owczarek, Mitglied des Stadtrates Wolfenbüttel für die Linke
André Owczarek, Mitglied des Stadtrates Wolfenbüttel für die Linke Foto: Privat


André Owczarek spricht als Mitglied des Stadtrates und des Kulturausschusses für die Linke und kann die Reaktion der Marktbeschicker nur bedingt nachvollziehen. "Der Wochenmarkt hat jahrzehntelang auf dem Stadtmarkt stattgefunden, die Beschicker sind mit den dortigen Gegebenheiten vertraut", sagt Owczarek und kann auch die Kritik der Standbetreiber, es hätte zu wenig Alternativen und Gespräche gegeben, nicht ganz verstehen.

"Im Kulturausschuss waren wir uns schon vor Corona einig, dass das Streetfood Festival auf dem Schlossplatz besser aufgehoben wäre, sein Angebot sogar erweitern könnte. Es steht dem neuen Platz gut zu Gesicht, ihn auch für einzelne Sonderevents zu nutzen und damit die Innenstadt weiter zu beleben. Nochmal betont: Es ist eine einmalige Angelegenheit. Vielleicht hätte es die Seite der Marktbeschicker freundlicher gestimmt, wenn der Platzwechsel früher angekündigt worden wäre. Allerdings war mir lange bekannt und im Ohr, dass das nächste Streetfood Festival auf dem Schlossplatz stattfindet. Inwieweit und in welchem Umfang dazu durch die Verwaltung informiert worden ist, kann ich nicht beurteilen. Die letzten anderthalb Jahre waren eine sehr ungewöhnliche Zeit und wir alle mussten lernen, mit der Situation umzugehen. Von daher ist für mich nachvollziehbar, dass etwas auch mal nicht ganz rund läuft", sagt der Ratsherr und glaubt, dass sich die Marktbeschicker mit ihrer Aktion die Chance entgehen lassen, neue junge Kunden zu gewinnen, die nach oder vor dem Festival auch nochmal über den Markt geschlendert wären.

"Mir fällt immer wieder auf, dass viele Neu-Wolfenbütteler keinen Bezug zum traditionellen Wolfenbütteler Wochenmarkt haben. Hier wäre eine Chance gewesen", ist sich der Linke sicher.

Eine neue Chance?



Foto: privat


Jan Schröder, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion erklärt, dass er den Umzug der Marktbeschicker auch als Chance sehe. "Es ist natürlich eine Möglichkeit, um zu sehen, wie sich der Wochenmarkt auf dem Stadtmarkt gestalten könnte - auch unter Corona. Ich kann den Ärger der Marktbeschicker schon auch verstehen", sagt er. Ob es andere Optionen gegeben hätte, oder frühere Gespräche mit den Standbetreibern etwas geändert hätten, vermag Schröder nicht beurteilen.

Schlossplatz hat sich bewährt


Ulrike Krause (Bündnis90/Die Grünen).
Ulrike Krause (Bündnis90/Die Grünen). Foto: Sophie Gittermann


Ulrike Krause, Fraktionsvorsitzende der Grünen-Ratsfraktion könne die Beweggründe und Argumentation für einen Streik der Marktbeschicker gut nachvollziehen. Allerdings würde man mit dieser „kleinen Revolte“ vor allem die Besucher des Wochenmarktes treffen.

"Andererseits haben die Marktbeschicker und Marktbeschickerinnen in der Vergangenheit immer große Geduld bewiesen, wenn der Wochenmarkt angesichts temporärer Groß-Events umziehen oder sich in die Wolfenbütteler Fußgängerzone ausdehnen musste - auch dann immer zum Nachteil der Besucher*innen/Kund*innen, die sich in diesen Momenten neu orientieren mussten", merkt sie an und erklärt weiter:

"Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass sich der Standort 'Schlossplatz' für die Umsetzung der Hygiene- und Abstandsregelungen in Pandemiezeiten hervorragend eignet und sich als sehr gute Alternative zum Stadtmarkt etablieren konnte. Ein Umzug - aus welchen Anlässen auch immer - ist gerade für die Marktbeschicker mit der existenziellen Frage verbunden, ob der neue wenn auch temporär eingegrenzte Standort die Besucherfrequenz und damit den Umsatz beeinträchtigen wird.

Auf dem Stadtmarkt befindet sich zurzeit das Corona-Testzentrum - die Marktstände müssten sich um das Zelt herum platzieren. Nun kann man hier die Frage stellen, warum gilt dies nicht auch für die Stände des Streetfood-Festivals? Mit einem geringen Mehraufwand an dann anfallender Kontrolle der Besucher des einen oder anderen Zieles auf dem Stadtmarkt, wäre auch diese Lösung eine Alternative - Sitzmöglichkeiten könnten sich auch in der angrenzenden Fußgängerzone fortsetzen - und der Wochenmarkt auf dem Schlossplatz wie gewohnt stattfinden.

Mit Blick und Wissen um die Vorlaufzeit eines städtischen Events könnten wir uns zukünftig auch andere Alternativstandorte in der Innenstadt vorstellen, wie z.B. der Bereich um die Reichsstrasse, Holzmarkt aber auch die Okerstrasse mit der diese querende Fußgängerzone.

Es sollte zukünftig grundsätzlich der Gedanke verfolgt werden, den Wochenmarkt als überregional wirkende feste Institution auch an einem festen verlässlichen Standort - wie Schlossplatz oder Stadtmarkt - unabhängig von konkurrierenden Events stattfinden zu lassen.
Unserer Meinung nach hat sich der heutige Standort 'Schlossplatz' als hervorragend für den Wochenmarkt herausgestellt", schließt sie.

Auch die Ratsfraktion der CDU wurden um ein Statement gebeten, eine Antwort blieb jedoch aus.


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