Wolfenbüttel: Erschreckende Unkenntnis in Erster Hilfe - DRK sucht abgelaufene Verbandskästen




Das war kein Zuckerschlecken: Am Samstag errichteten Helfer des DRK-Kreisverbandes einen Informationsstand zum bundesweiten Aktionstag Erste Hilfe - bei minus sechs Grad Celsius und scharfem Ostwind. In der Wolfenbütteler Fußgängerzone vor dem Bankhaus Seeliger versuchten sie, das Interesse der Passanten an Erster Hilfe zu wecken.

Denn die Kenntnisse auf diesem überlebenswichtigen Gebiet sind gering. Ausweislich einer Deutschland-Umfrage von Rotem Kreuz und ADAC trauen sich zwar rund 73 Prozent der Befragten zu, am Unfallort Erste Hilfe-Maßnahmen einleiten zu können. Doch nur 33 Prozent von ihnen kannten alle erforderlichen Schritte am Unfallort.

Mit 46 Prozent wusste knapp die Hälfte der Autofahrer, wie ein Verletzter in der Seitenlage stabilisiert werden muss. 41 Prozent wussten, was bei Atemstillstand zu tun ist. Nur jeder Fünfte war in der Lage, die lebensrettende Wiederbelebung korrekt durchzuführen. Kein Wunder: Bei einem Großteil der Befragten (38 Prozent) lag der letzte Erste-Hilfe-Kursus bereits mehr als zehn Jahre zurück.

<a href= Die Herz-Lungen-Wiederbelebung demonstrierten Melanie Niestrop (rechts) und Katja Kuhn. Im Hintergrund DRK-Kreispräsident Horst Kiehne (Zweiter von links) und die stellvertretende Bürgermeisterin Katrin Rühland (rechts daneben). ">
Die Herz-Lungen-Wiederbelebung demonstrierten Melanie Niestrop (rechts) und Katja Kuhn. Im Hintergrund DRK-Kreispräsident Horst Kiehne (Zweiter von links) und die stellvertretende Bürgermeisterin Katrin Rühland (rechts daneben). Foto: DRK



Angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Verkehrstoten auf Europas Straßen innerhalb der ersten Minuten nach einem Unfall sterben, könnte diese Zahl deutlich niedriger sein, wenn Autofahrer in diesen wichtigen Minuten effektiv Erste Hilfe leisten könnten. ADAC und DRK appellieren darum an die Autofahrer, regelmäßig ihre Kenntnisse aufzufrischen.


Unsicherheit herrscht offenbar vor allem bei komplexen, lebenswichtigen Maßnahmen wie etwa der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Besonders erschreckend war, dass mehr als 71 Prozent der befragten Autofahrer nicht wussten, wie man den Zustand eines Verletzten korrekt kontrolliert. Knapp die Hälfte der Befragten hätte demzufolge vergessen, die Atmung zu checken.

Diese Tatsachen griff auch das DRK in Wolfenbüttel auf. Die neue Ausbildungsbeauftragte Melanie Niestrop informierte zum Beipiel über die richtige Herz-Lungen-Wiederbelebung. Am Stand selbst hielten Heike Hintze, Leiterin der DRK-Servicestelle, sowie Katja Kuhn, die Leiterin des Jugend-Rotkreuzes, die DRK-Fahnen hoch im eisigen Wind.

Zum Mitmachen anregen ließ sich unten anderem Katrin Rühland, die stellvertretende Bürgermeisterin von Wolfenbüttel. Sie versuchte sich an der Trainingspuppe und pumpte den Herzbereich des halbnackten Körpers vorbildlich: 30mal im vorgegebenen Rhythmus. "Mein Kontakt mit diesem Thema ist ja auch schon 35 Jahre her - aus den Zeiten des Führerscheins", erklärte sie später. Die Ergebnisse der DRK/ADAC-Umfrage hätten sie bestürzt. "Das waren erschreckende Zahlen."

Horst Kiehne als Präsident des DRK-Kreisverbandes empfand das ebenso: "Die Menschen sollten sich auf diesem Gebiet unbedingt regelmäßig fortbilden." Dies besonders vor dem Hintergrund, dass viele Unfälle zu Hause passieren. Und Melanie Niestrop unterstrich, warum man beim Thema Erste Hilfe am Ball bleiben muss: "Erstens vergisst man viel im Laufe der Jahre, zweitens ändert sich auf diesem Gebiet immer wieder was und es gibt neue Erkenntisse."

Sie setzt voll auf nachwachsende Generationen: "Wir haben Gruppen in Kindergärten, Grundschulen und später unseren Schulsanitätsdienst: Wenn diese Kinder dann ihren Führerschein machen, sind sie schon viermal mit dem Thema in Kontakt gekommen und werden bestimmt prima Ersthelfer."

Für alle anderen, die sich fortbilden wollen, steht Heike Hintze in der DRK-Servicestelle bereit (05331/97500). Sie kennt die nächsten Schulungstermine und: sammelt auch abgelaufene Verbandskästen. "In den Autos dürfen diese alten Hilfsmittel nicht mehr verwendet werden", erklärt Melanie Niestrop. Der Pflaster-Kleber lasse nach, und Verbandsmaterial werde spröde. "Aber für die Nachwuchsausbildung können wir die abgelaufenen Verbandskästen noch prima brauchen."


mehr News aus Wolfenbüttel