Jan Faktor erhält Wilhelm-Raabe-Literaturpreis

Die Auszeichnung ist mit 30.000 Euro dotiert und soll am 6. November überreicht werden.

Jan Faktor
Jan Faktor Foto: Joachim Gern

Braunschweig. Der mit 30.000 Euro dotierte Wilhelm-Raabe-Literaturpreis geht in diesem Jahr an den tschechisch-deutschen Schriftsteller Jan Faktor für sein Buch "Trottel". Oberbürgermeister Thorsten Kornblum und Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue stimmten dem Vorschlag der Jury zu, wie die Stadt am heutigen Dienstag mitteilte.


Die Jury des Preises, die am Montag tagte, setzt sich zusammen aus Gerd Biegel (Präsident der Internationalen Raabe-Gesellschaft), Alexander Cammann ("Die Zeit"), Thomas Geiger (Literarisches Colloquium Berlin), Anja Hesse (Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig), Sandra Kegel (FAZ), Wiebke Porombka (Deutschlandfunk), Michael Schmitt (3sat), Katharina Teutsch (FAZ) und Hubert Winkels (Deutschlandfunk).

Jury würdigt Faktors Schreibstil


Die Jury begründete die Auswahl damit, dass Faktor das traditionelle Genre des Schelmenromans "zum Explodieren" bringe. "Als `Trottel`, so der Titel des Werks, erzählt er sein Leben - aber wilder, überdrehter, radikaler, als man es sich bislang vorstellen konnte." Dabei sei ein Werk von "erstaunlicher Kraft" entstanden. "Jan Faktor setzt im `Trottel` sein autobiografisch grundiertes Schreibprojekt fort: Hatte er 2010 seine Kindheit und Jugend in der kommunistischen Tschechoslowakei beschrieben, erzählt er nun vom Leben eines jungen Mannes aus Prag, der Ende der 1970er-Jahre der Liebe wegen in die DDR kommt", so die Jury. "Voller Wortspielereien, atmosphärischer Beschreibungen und grotesker Szenen bietet er einen ungewöhnlichen böhmischen Blick auf die schon so oft erzählte Lebenswelt der Ost-Berliner Bohème und in der späten DDR."

Faktor verschmelze tschechische und deutsche Literaturtraditionen. "Formale Experimentierfreude" werde mit "exzessivem Witz" kombiniert, "gebettet in einen mitreißenden Erzählstrom". Die Kunst Faktors erweise sich in der Konfrontation mit einer Lebenskatastrophe: Der Suizid des Sohnes wirke als ständiger Kontrast in dieser Lebenserzählung. "In schlichter, fortdauernder Trauer wird von dessen Weg in die Depression erzählt, aus der es kein Entrinnen gab", heißt es in der Jury-Begründung weiter. "Albernes und Tragisches beleuchten sich bei Faktor gegenseitig - eine radikale Lebensbeschreibung, die das Genre des autofiktionalen Schreibens revolutioniert."

Der Preis soll am 6. November übergeben werden


Oberbürgermeister Thorsten Kornblum und Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue werden den Preis am 6. November im Rahmen eines Matinee-Festaktes im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters an Faktor überreichen. Mit der Verleihung des Preises zeichnen die Stadt Braunschweig und der Deutschlandfunk jährlich ein in deutscher Sprache verfasstes erzählerisches Werk aus. Mit der Auszeichnung soll exemplarisch das bis zum Zeitpunkt der Preisverleihung publizierte literarische Schaffen gewürdigt werden. Ein neues Buch des Preisträgers muss im laufenden Kalenderjahr der jeweils aktuellen Vergabe erschienen sein.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören Rainald Goetz, Jochen Missfeldt, Ralf Rothmann, Wolf Haas, Katja Lange-Müller, Andreas Maier, Sibylle Lewitscharoff, Christian Kracht, Marion Poschmann, Thomas Hettche, Clemens J. Setz, Heinz Strunk, Petra Morsbach, Judith Schalansky, Norbert Scheuer, Christine Wunnicke und Gert Loschütz.


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