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Fahrradchaos am Bohlweg - Ausschuss debattierte über den Konfliktpunkt

Die BIBS-Fraktion brachte einen ähnlichen Antrag bereits vor zehn Jahren ein. Der Antrag auf die "Protected Bike Lane" fiel bei fast allen Ausschussmitgliedern durch.

von Marvin König


Dieses Experiment des ADFC einer "Protected Bike Lane" im Jahr 2017 am Bohlweg lief recht erfolgreich - durchsetzen konnte sich die Idee im Ausschuss trotzdem nicht.
Dieses Experiment des ADFC einer "Protected Bike Lane" im Jahr 2017 am Bohlweg lief recht erfolgreich - durchsetzen konnte sich die Idee im Ausschuss trotzdem nicht. Foto: Alexander Dontscheff

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07.02.2020

Braunschweig. Über die Ideenplattform im Beteiligungsportal „mitreden“ wurde von Braunschweiger Bürgerinnen und Bürgern die Idee eingebracht, den Bohlweg um eine Spur zu reduzieren und diese als eine "Protected Bike Lane" zu nutzen, ein physisch vom Autoverkehr abgegrenzter, breiter Fahrradweg. Der Planungsausschuss erteilte dieser Bürgeridee am vergangenen Mittwoch jedoch mit großer Mehrheit eine Absage.


Zuspruch fand jedoch ein Kompromissvorschlag des Bezirksrates. Ein Ergänzungsantrag aus diesem Gremium beauftragt die Verwaltung, ein Konzept für "Shared Spaces" zu erstellen. Der Bohlweg könnte demnach ein Mischbereich werden, ein verkehrsberuhigter Bereich, der von Radlern und Autofahrern auf Basis gegenseitiger Rücksichtnahme genutzt wird. Hierfür fand sich im Ausschuss eine knappe Mehrheit.

Grund für die Absage an die Protected Bike Lane sei vor allem das neue Verkehrskonzept, welches noch in diesem Jahr erwartet werde und derartige "Problemzonen" berücksichtige. Betroffen von der Idee wäre der Bohlweg auf der Straßenseite gegenüber des Schlosses ab der Kreuzung mit der Dankwardstraße bis über die Kreuzung zur Stobenstraße. Wie Dr. Dr. Wolfgang Büchs von der BIBS-Fraktion anmerkt, habe seine Fraktion einen ähnlichen Vorschlag allerdings schon vor zehn Jahren eingebracht.

Bohlweg-Engpass schwelt seit Dekaden



Der Wortlaut des in Vergessenheit geratenen BIBS-Antrages liest sich ähnlich wie der aktuelle Vorschlag: "Neben klareren Abgrenzungen und Trennungsmarkierungen der verschiedenen Nutzungsbe­reiche beantragt die BIBS-Fraktion, dass eilige Radfahrer in südlicher Richtung in der Tempo-30-Zone einen markierten Bereich auf der rechten Fahrspur des Bohlwegs nutzen dürfen."

"Sind in zehn Jahren hier offenbar nicht so richtig weitergekommen."

- Dr. Dr. Wolfgang Büchs, BIBS-Fraktion



Die Beschlussvorlage wurde am 8. September 2010 vom Planungs- und Umweltausschuss sogar beschlossen. Geändert hat sich an der Situation der Nutzungskonflikte zwischen Radfahrern, Fußgängern und Gastronomie auf der Westseite des Bohlwegs allerdings nichts.

Dr. Rainer Mühlnickel nimmt den Einwand des BIBS-Ausschussmitgliedes zum Anlass, einen Zeithorizont festzulegen: "Wir können da nicht nochmal zehn Jahre oder länger warten, bis sich da etwas tut. Ich würde den Herbst 2020 vorschlagen. Wir sollten da auch dran bleiben und zeigen, dass es uns wichtig ist. Ich denke da zum Beispiel an die Rathausarkaden, da hört der Radweg einfach auf!"

Zu große Beeinträchtigungen befürchtet



Thorsten Warnecke vom Fachbereich Stadtplanung und Umweltschutz erinnert zunächst daran, dass es einen derartigen Versuch schon einmal gegeben habe: "Wir haben uns dagegen ausgesprochen, weil wir der Meinung sind, dass ein sicherer Radverkehr auch auf anderen Wegen funktionieren kann." erläutert der Fachbereichsleiter und argumentiert: "Wir haben auf der rechten Fahrbahnseite Taxen, Ladebereiche für die Gastronomie und so weiter. Und wenn dann ein Müllwagen oder eine Kehrmaschine auf dem Bohlweg fährt, ist der Verkehr zu." So könnte zum Beispiel die Buslinie 420 nicht mehr die Haltestelle anfahren.

"Wir finden die Intention gut, würden aber gerne etwas größer denken wollen."

- Thorsten Warnecke, Fachbereich Stadtplanung und Umweltschutz



Die Verwaltung beabsichtige deshalb, nicht nur für den Bohlweg, sondern für den gesamten Innenstadtbereich vom Hagenmarkt bis zum John-F.-Kennedy-Platz die Situation von Fußgängern, Radfahrern, ÖPNV und die Konfliktpunkte der Verkehrsteilnehmer untereinander auf Verbesserungspotenzial zu untersuchen.

Die Probleme liegen woanders



Björn Hinrichs (CDU) mahnt zur Besonnenheit. Laut dem Ergebnis einer Umfrage des ADFC komme man als Radfahrer in Braunschweig verhältnismäßig gut voran. Ein größeres Problem als fehlender Platz seien Autos, die den Radweg zuparken.

"Die ADFC Umfrage von 2018 sieht ganz andere Problemlagen. Darum sollten wir uns kümmern, nicht um populistische Symbolprojekte."

- Björn Hinrichs (CDU)



Verkehrsplanung muss ganzheitlich sein



Lisa-Marie Jalyschko fasst zusammen: "Offensichtlich sind wir uns alle einig, dass die Situation für Fahrräder am Bohlweg inakzeptabel ist", auch sie sei kritisch, ob man das mit einer "Protected Bike Lane" lösen könne. Jedoch zeigt sie sich frustriert, dass immer nur auf das für dieses Jahr anstehende neue Verkehrskonzept verwiesen wird. Dies dauere zu lange. "Ich finde, wir sollten einige Dinge kurz- oder mittelfristig anpacken." Letztlich kristallisiert sich ein breiter Konsens darüber heraus, dass man den Abschnitt des Bohlwegs nicht aus dem Kontext der Umgebung reißen sollte.

Warten auf das Verkehrskonzept



Für Dr. Rainer Mühlnickel von den Grünen liegt die Sache auf der Hand: "In der Vorlage steht ja, dass ein Verkehrskonzept für den gesamten Innenstadtbereich bis einschließlich 2020 erarbeitet wird. Das kriegen wir dann vorgestellt, dass das dann im Mobilitätsentwicklungsplan integriert ist, steht ja auch drin. Da steht aber auch drin, dass der gesamte Bohlweg (Anm. d. Red.: Beide Fahrtrichtungen) betrachtet werden, das wird ja extra so auch dargestellt. Ich finde die Vorlage gut und können wir auch so unterstützen." Letztlich bleibt die Verkehrsführung am Bohlweg also vorerst unverändert - bis das Verkehrskonzept vorliegt.









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