Salzgitter. Die Polizeiinspektion Salzgitter/Peine/Wolfenbüttel hat ihren Verkehrslagebericht für die Stadt Salzgitter 2025 veröffentlicht. Bei den Unfallzahlen gibt es einen eindeutigen Trend. Auch eine Entwicklung bei einer besonders vulnerablen Gruppe von Verkehrsteilnehmern alarmiert die Einsatzkräfte.
Die Berichterstattung bezieht sich dabei auf alle polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfälle in der Stadt Salzgitter. Nicht dargestellt wird die Unfalllage auf den Bundesautobahnen, diese liegt im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats BAB der Polizeiinspektion Braunschweig. Wie dem Verkehrslagebericht zu entnehmen ist, liegt die Gesamtzahl der Unfälle mit 2.968 unter den Vorjahreswerten 2023 und 2024, was auch dem Trend im Land Niedersachsen und der Region Braunschweig entspricht. Die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden gekommen sind, hat sich im Vergleich zum Vorjahr um einen Unfall auf 346 erhöht.
Mehr Schwerverletzte
Weitaus deutlicher ist der Anstieg der Unfälle mit schwerem Personenschaden, also Unfälle, bei denen eine Person getötet oder schwer verletzt wurde. 2024 lag die Zahl bei 38 Schwerverletzten, 2025 bei 53 – auch dabei liegen Parallelen zur Entwicklung im Land und der Region vor. Allerdings ist die Zahl der Getöteten entgegen dem Landestrend von drei auf zwei gesunken. Die Zahl der Unfallfluchten ist nach stetiger jahrelanger Zunahme 2025 erstmalig rückläufig – von 852 im Jahr 2024 auf 786 im Jahr 2025.
Diese Gruppen waren besonders stark betroffen
In über der Hälfte der Unfälle mit schwerem Personenschaden waren E-Scooter-/Radfahrer oder Fußgänger betroffen. „Alarmierend ist, dass ausgerechnet schwächere Verkehrsteilnehmende oftmals die eigene Verletzung mitverursachen“, stellt die Leiterin Einsatz der Polizeiinspektion Salzgitter/Peine/Wolfenbüttel, Polizeidirektorin Maika Nordmeyer, fest. So missachteten 11 von 17 Pedelec- beziehungsweise Radfahrern Vorfahrts- beziehungsweise Vorrang-Regeln, befuhren Radwege in falscher Richtung, nutzten Gehwege, standen unter Alkoholeinfluss oder begingen sonstige Fehler. Auch die fünf E-Scooter-Fahrer, die schwer verletzt wurden beziehungsweise einen Fußgänger schwer verletzten, verursachten den Unfall durch die Missachtung bevorrechtigter Fahrzeuge, unzulässiges Befahren von Gehwegen oder standen unter dem Einfluss berauschender Mittel.
Unfall-Anteil auf über 25 Prozent gestiegen
2025 wurden 66 Fahrrad- und 24 Pedelec- beziehungsweise „S-Pedelec“-Unfälle verzeichnet, sodass der Unfall-Anteil der mit Elektro-Unterstützung fahrenden Räder auf über 25 Prozent gestiegen ist. Dabei wurden fünf Pedelec-Fahrer schwer und zwölf leicht verletzt. Kathrin Lacey rät dringend, sich mit dem Pedelec durch eine ausgiebige Erklärung/Beratung beim Kauf vertraut zu machen, und bietet ergänzend in Kooperation mit der Verkehrswacht, dem ADFC und dem Seniorenbüro der Stadt Salzgitter entsprechende Schulungen für Senioren an – Informationen dazu gibt es unter der Telefonnummer 05341/1897-107.
32 E-Scooter waren 2025 an Verkehrsunfällen beteiligt, 6 davon mit Schwerverletzten und 18 mit Leichtverletzten. Diese Fahrzeuge sind aber nicht nur im Zusammenhang mit Unfällen, sondern auch bei der Begehung von Verkehrs-Straftaten zunehmend auffällig: 2025 wurden 46 Fahrten unter Alkoholeinfluss (2024: 8) und 119 Fälle unversicherter E-Scooter (2024: 84) festgestellt und zur Anzeige gebracht. Aufgrund dieser Entwicklung wird es weitere Präventionsveranstaltungen, aber auch gezielte Kontrollaktionen seitens der Polizei geben, kündigt Frau Nordmeyer an.
Weitere auffällige Unfallursachen
Auch bei Autofahrern waren die bereits genannten Unfallursachen zu verzeichnen. Hinzu kommen weitere riskante Verhaltensweisen, wie mangelnder Sicherheitsabstand, Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot, Übermüdung und zu hohe Geschwindigkeit. „Jede Geschwindigkeitsüberschreitung hat Folgen“, so Frank Steinke, Sachbearbeiter Verkehr der Polizei Salzgitter. „Selbst wenn aufgrund zu hoher Geschwindigkeit kein Unfall verursacht wird, entfaltet sie eine erhebliche Gefährdung, und wird daher auch weiterhin ein Schwerpunkt polizeilicher Verkehrsüberwachung sein.“
„Für Fahrten unter dem Einfluss berauschender Mittel gilt dies ebenfalls uneingeschränkt“, stellt die Leiterin Einsatz fest. Weiterhin kündigt Frau Nordmeyer an: „Auch wenn die Zahl der Fahrten unter Alkoholeinfluss rückläufig ist, bestätigt die Zunahme der unter Drogeneinfluss
angetroffenen Fahrzeugführenden, dass unsere Kontrollen erforderlich sind und auch intensiv fortgesetzt werden.“
Unfälle nach Altersgruppen
Von den sieben schwer verletzten Kindern verunfallten drei mit einem E-Scooter, zwei mit dem Rad und jeweils einer zu Fuß beziehungsweise als Auto-Insasse. E-Scooter-Unfälle von oder durch Kinder mit Schwerverletzten sind in Salzgitter 2025 erstmalig verursacht worden. Mögliche Ursachen sind, dass gerade sehr junge Nutzer das Handling oder auch die Geschwindigkeit unterschätzen und E-Scooter nicht als Kraftfahrzeug wahrnehmen. Unerlaubte Nutzung durch zwei oder sogar drei Personen, Befahren von Radwegen in falscher Richtung oder unerlaubtes Befahren von Gehwegen sowie nicht angepasste Geschwindigkeit sind dabei nur einige Beispiele. Auf dieses Phänomen hat die Polizei laut Kathrin Lacey, Verkehrssicherheitsberaterin der Polizei Salzgitter, bereits reagiert: „Dieses Verkehrsmittel steht bereits seit Längerem auf unserem Präventionsprogramm, auch in den weiterführenden Schulen und der BBS.“
Junge Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren wurden in zwei Fällen als Krad- und in 4 Fällen als Autofahrer schwer verletzt. Eine 80-jährige Fußgängerin und ein 67-jähriger Autofahrer erlitten bei Verkehrsunfällen tödliche Verletzungen. Darüber hinaus erlitten elf Verkehrsteilnehmer im Alter von 65 Jahren und älter schwere Verletzungen – drei als Fußgänger, je zwei als Auto-Insasse, Pedelec- beziehungsweise Radfahrer, einer als Motorradfahrer und einer als Nutzer eines Krankenfahrstuhls.

