Vorgezogene Weihnachtsferien? Das sagen unsere Landtagsabgeordneten

regionalHeute.de hat bei den Landtagsabgeordneten der Region nachgefragt, was sie von der Idee des Landeselternrates halten, die Weihnachtsferien vorzuziehen.

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Symbolfoto
Symbolfoto | Foto: Pixabay

Region. Der Landeselternrat (LER) plädiert für vorgezogenen Weihnachtsferien und bezeichnet die Lage an den Schulen als "dramatischer, als je zuvor" (regionalHeute.de berichtete). Grund dafür seien die schlechten Corona-Schutzmaßnahmen in den Schulen. Das niedersächsische Kultusministerium reagiert allerdings zurückhaltend, was vorzeitige Ferien angeht. Doch was sagen unsere lokalen Landtagsabgeordneten?


FDP setzt auf Freiwilligkeit


Björn Försterling
Björn Försterling Foto: FDP


Björn Försterling, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Niedersächsischen Landtag erklärt, dass ein freiwilliges Distanzlernen ermöglicht werden sollte. Eltern sollten selber entscheiden können, ob ihr Kind im Homeschooling oder in der Schule unterrichtet wird.


"Die Sorgen der Eltern vor der Übertragung eines erhöhten Infektionsgeschehen aus den Schulen in den Kreis der Familie an Weihnachten ist nachvollziehbar. Ein generelles Vorziehen der Weihnachtsferien würde jedoch viele Familien erneut in Betreuungsnöte für ihre Kinder bringen. Wir schlagen daher vor, dass das Land für die Zeit ab dem 20. Dezember ein freiwilliges Distanzlernen ermöglicht. Wir erwarten vom Minister in der kommenden Woche eine abschließende Entscheidung, damit Eltern, Schüler und insbesondere die Schulen sich vorbereiten können."

Försterling würde sich zudem wünschen, dass die Tests in den Schulen täglich durchgeführt werden. Ebenso erwarte er, dass das zuständige Gesundheitsamt schnell und entschieden handelt, sollte es zu Infektionen in den Schulen kommen.


Susanne Schütz. Archivbild
Susanne Schütz. Archivbild Foto: Alexander Dontscheff


Auch die Braunschweiger FDP-Landtagsabgeordnete Susanne Schütz teilt die Auffassung ihres Parteikollegen. Sie sagt, der Vorschlag, die Weihnachtsferien zu verlängern, habe sie nicht überrascht und auf den ersten Blick spreche auch einiges dafür. Doch auch sie sieht Betreuungsprobleme und hält das freiwillige Distanzlernen in der Woche vor Weihnachten für praktikabler.

"Viele Eltern, die das organisieren können, werden es vielleicht nutzen - weniger Kinder sind noch in der Schule und zumindest ein Teileffekt erzielt. In jedem Fall wäre es wichtig, dass sich der Kulturminister schnellstens dazu positioniert - nur mit einem vernünftigen Vorlauf, könnten Lehrer, Eltern und Kinder sich darauf einstellen", sagt sie nicht ohne Kritik an der Landesregierung. Die habe sich ihrer Meinung nach zum Thema Luftfilter in Schulklassen, viel zu lange viel zu zögerlich verhalten. Nur in seltenen Fällen seien Filter vorhanden - ein möglicher Schutz sei nicht ausreichend angegangen worden. "Ein weiterer Schutz könnte die Ausweitung der Schnelltests sein. Da es für viele Schüler noch kein Impfangebot gibt, sind sie in meinen Augen auch eine Art vulnerable Gruppe, deren Schutz besonderes Augenmerk verlangt - Testungen täglich durchzuführen, wäre zum Beispiel eine Möglichkeit, Infektionsketten noch schneller zu brechen."


Kultusministerium zu zögerlich?


Imke Byl. Foto: Die Grünen
Imke Byl. Foto: Die Grünen Foto: Grüne


Die aktuellen Entwicklungen an den Schulen würde die Landtagsfraktion der Grünen für sehr besorgniserregend halten, sagt die hiesige Grünen-Abgeordnete Imke Byl und sieht den Fehler ganz klar beim Kultusministerium. "Dass nun bereits wieder Schulen schließen müssen, weil das Infektionsgeschehen nicht mehr nachvollziehbar ist, hat auch damit zu tun, dass Kultusminister Tonne zu früh gelockert hat", sagt sie und führt als Beispiel die Auflösung des Kohortenprinzips nach Jahrgängen an.

Außerdem glauben die Grünen, dass Schutzmaßnahmen für Schulen zu spät, zu bürokratisch oder gar nicht umgesetzt wurden seien. "Wir haben die Forderung des Landeselternrats nach vorgezogenen Weihnachtsferien ab dem 17. Dezember zur Kenntnis genommen und vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung diskutiert. Im vergangenen Jahr wurde eine gleich lautende Forderung von Kultusminister Tonne zunächst abgelehnt, obwohl sie zusammen mit Kontaktbeschränkungen in den Vorweihnachtstagen mehr Sicherheit für die Familien an Weihnachten bedeuten würde. Alles, was die Sicherheit in dieser nun schwierigen Situation erhöht, ist eine begrüßenswerte Maßnahme. Allein die früheren Weihnachtsferien können die Probleme jedoch nicht lösen, dazu ist ein zügiges und beherztes wenn auch längst überfälliges Anpacken der Landesregierung im Sinne der Schüler und Schülerinnen nötig."

Mehr Impfungen


Annette Schütze, SPD
Annette Schütze, SPD Foto: Niklas Eppert


Die Braunschweiger SPD-Landtagsabgeordnete Annette Schütze erklärt auf Nachfrage, dass ihr ein vorzeitiger Ferienbeginn nur dann sinnvoll erscheine, wenn sich in einer Schule ein erhöhtes Infektionsgeschehen abzeichnet. Dann könnten im Einzelfall vorgezogene Ferien zum Schutz von Schülern und Lehrpersonal sinnvoll sein. Denn gerade die Schüler hätten lange Zeit unter dem eingeschränkten Schulunterricht gelitten. Laut Kultusministerium würden die meisten Ansteckungen der jungen Menschen hauptsächlich in ihrem privaten Umfeld und nicht in den Einrichtungen und Schulen stattfinden, so Schütze. Sie würde sich statt vorgezogener Ferien wünschen, dass es bald eine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche gibt.

"Vor allem bei jüngeren Menschen und Kindern liegen die Inzidenzwerte derzeit tatsächlich deutlich über 100. Ein Grund dafür ist, dass es für Kinder unter 12 Jahren bisher noch keine Impfempfehlung gibt und auch noch nicht alle über 12-jährigen einen vollständigen Impfschutz haben. Daher wäre es wünschenswert, dass es möglichst schnell eine solche Impfempfehlung für Kinder unter 12 Jahren gibt und alle Kinder und Jugendlichen einen vollständigen Impfschutz erhalten. Die Empfehlung soll nach meinen Informationen in Kürze erfolgen. Grundsätzlich ist die Impfung immer noch der wirksamste Schutz für uns alle", so Schütze.

Keine Grundlage


Stefan Wirtz, AfD
Stefan Wirtz, AfD Foto: Niklas Eppert


Die Sichtweise des Landeselternrates von einem "besorgniserregenden Infektionsgeschehen" hält der Braunschweiger AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Wirtz für fraglich. "Bezieht sich dies auf gehäuft positive Testergebnisse, oder tatsächliche Erkrankungen? Werden überhaupt Corona-Erkrankungen unter Schülern erfasst? Auf welcher Datenbasis beruht die Aussage des LER?", fragt Wirtz. Er vermutet, dass drei Tage zusätzliche Weihnachtsferien keinerlei Auswirkungen auf die Lage haben dürften, aber in der gesamten Schülerschaft sicher auf große Begeisterung stoßen würden. Was seiner Meinung nach verständlich sei.

"Im letzten Jahr war eine solche Maßnahme schon kurzfristig möglich und wäre wieder recht einfach zu realisieren. Auch wenn zur Zeit selbst das Ministerium keinen Anlass zur (kleinen) Verlängerung der kommenden Ferien sieht, wird sicher bald mindestens eine der Altparteien diese Forderung aufgreifen und sich damit für die nächsten Wahlen bei der Schülergeneration beliebt machen wollen, daher gehe ich schon vom 17. Dezember als letztem Schultag aus", vermutet Wirtz.

Ja zu vorgezogenen Ferien


Frank Oesterhelweg, CDU
Frank Oesterhelweg, CDU Foto: Thomas Stödter


Der Wolfenbütteler CDU-Landtagsabgeordnete Frank Oesterhelweg unterstützt die Forderung des Landeselternrates und sagt: "Ich halte den Vorschlag für richtig, weil so eine längere Phase deutlich reduzierter Kontakte und damit eine Einschränkung möglicher Übertragungswege zu realisieren wäre", so der Landtags-Vize. Er merkt aber an, dass ein Betreuungsangebot für die ausfallenden Schultage in Einzelfällen sicherzustellen sei. "Die Maßnahme bringt nur etwas, wenn auch die anderen Kontakte begrenzt werden und beispielsweise größere Partys wegfallen. Der ausfallende Unterricht könnte zumindest teilweise durch Hausaufgaben und digitale Angebote, wenn machbar, kompensiert werden."

Nicht effektiv genug


Marcus Bosse, SPD
Marcus Bosse, SPD Foto: Werner Heise


Marcus Bosse, SPD-Landtagsabgeordneter für den Bereich Wolfenbüttel-Salzgitter erklärt auf Nachfrage, dass er vorgezogene Ferien zwar für realisierbar, aber nicht für besonders effektiv, wenngleich er die Sorge von Eltern nachvollziehen könne.

"Allerdings bin ich der Auffassung, dass man eine Entscheidung über einen möglichen vorgezogenen Beginn der Weihnachtsferien zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht treffen sollte, sondern das Infektionsgeschehen zunächst weiter beobachtet. Auch gebe ich zu bedenken, dass speziell Eltern mit Kindern im Grundschulalter die Betreuung der Kinder im Falle früher beginnender Ferien sicherstellen müssen, was im Einzelfall Probleme nach sich ziehen könnte", so Bosse und erklärt weiter, dass er das Infektionsgeschehen im Allgemeinen für besorgniserregend halte und nicht bloß bei einer Altersgruppe. "Dennoch zeigt sich, dass das Festhalten des Kultusministeriums an Masken- und Testpflicht die richtige Entscheidung war. Leider sind viele Schulen immer noch nicht mit Luftfilteranlagen ausgestattet, was hauptsächlich an europäischem Vergaberecht liegt. Das halte ich für ein großes Problem."

Zu früh für eine Entscheidung


Philipp Raulfs, SPD
Philipp Raulfs, SPD Foto: Marcus Biewener


Philipp Raulfs, der für die SPD im Niedersächsischen Landtag den Bereich Gifhorn vertritt, sagt, er könne die Forderung des Landeselternrates nicht abschließend bewerten. Es sei zu früh, jetzt schon darüber zu entscheiden, dennoch werde man innerhalb der SPD-Fraktion darüber sprechen. "Am wichtigsten ist es, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften größtmögliche Sicherheit zu bieten, weshalb die Tests weiterhin regelmäßig stattfinden müssen, um Infektionen früh zu erkennen. Das ist deshalb so wichtig, weil die Jugendlichen sich auch zu fairen Bedingungen auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten müssen. Ich hoffe, dass sich auch noch viele Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren impfen lassen, um noch mehr Sicherheit für den Schulbetrieb zu erlangen. Ich gehe davon aus, dass es Gespräche zwischen allen Beteiligten geben wird. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir dann eine Entscheidung fällen."

Kein Vorziehen der Ferien


Veronika Koch, CDU
Veronika Koch, CDU Foto: Wahlkreisbüro Veronika Koch


Die CDU-Landtagsabgeordente für den Bereich Helmstedt, Veronica Koch, gibt sich zurückhaltend und sagt, dass es unter den Voraussetzungen eines Lockdowns zwar durchaus eine konsequente Maßnahme sei, aber unter den aktuellen Gegebenheiten jedoch zu vermuten sei, dass die vorgezogenen Ferien eher dafür genutzt würden, anderen Freizeitgestaltungen / Unternehmungen nachzugehen, die einer Kontaktvermeidung eher entgegenstehen.

"Grundsätzlich sind jegliche Maßnahmen zur Kontaktvermeidung natürlich zielführend. Ich selbst war und bin ein großer Verfechter für Homeoffice und Homeschooling. Aus dem persönlichen Umfeld weiß ich, dass dies auch sehr gut klappen kann. Unsere Schulen und Kommunen haben unter großem Verantwortungsbewusstsein geeignete Sicherheitskonzepte erarbeitet. Diese gilt es unter hoher Konsequenz einzuhalten. Insofern spreche ich mich nicht für ein Vorziehen der Ferien aus", sagt Veronika Koch deutlich.

Angefragt haben wir auch die Landtagsabgeordneten Oliver Schatta (CDU), Christoph Bratmann (SPD), Julia Willie Hamburg (Grüne), Jörn Domeier (SPD) und Christoph Plett (CDU). Bisher sind die Antworten noch nicht eingegangen, werden aber bei Zusendung ergänzt. Plett erklärte, dass in der kommenden Woche ein Gespräch mit dem Peiner Stadt- und Kreiselternrat geplant sei, bei dem auch die vorgezogenen Weihnachtsferien ein Thema sein soll.


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