DLS - Dieter Lorenz Sickte: "Alles hat seine Zeit"

DLS steht für Dieter Lorenz, Sickte. regionalHeute.de sprach mit dem Sickter Alt-Bürgermeister über seine Wünsche, sein Leben und Wirken. Und natürlich darf seine alljährliche Weihnachtsbotschaft nicht fehlen.

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Dieter Lorenz im Gespräch mit regionalHeute.de.
Dieter Lorenz im Gespräch mit regionalHeute.de. | Foto: Anke Donner

Sickte. Vermutlich weiß so ziemlich jeder im Landkreis Wolfenbüttel, wer gemeint ist, wenn von "DLS" die Rede ist. Für die, die es nicht wissen: Gemeint ist der Sickter Altbürgermeister Dieter Lorenz. Im Gespräch mit regionalHeute.de hat der 84-jährige auf sein Leben und Wirken zurückgeblickt. Natürlich spielte dabei auch seine Heimat Sickte eine große Rolle.


Dieter Lorenz Sickte ist ein reger Typ, der es sich auch im hohen Alter von 84 Jahren nicht nehmen lässt, Nachrichten aus seiner Gemeinde in die Region hinaus zu schicken. Seine alljährliche Weihnachtsbotschaft kommt pünktlich wie ein Uhrwerk kurz vor den Festtagen bei den Zeitungsredaktionen an. Sie erreichte die regionalHeute.de-Redaktion auch an diesem Weihnachtsfest. Nur, dass wir die Botschaft in diesem Jahr zum Anlass nahmen, mit "DLS" persönlich zu sprechen. Ein tolles und interessantes Gespräch, bei dem ersichtlich wurde, dass sein Herz noch immer für seine Gemeinde und die Politik schlägt und er noch immer so etwas wie Auge, Ohr und Sprachorgan des Ortes ist, der seit 50 Jahren seine Heimat ist. Vielleicht inzwischen ein wenige leiser, wie er selber in seiner Weihnachtsbotschaft zugibt.


"Wenn man das über so viele Jahre gemacht hat und sich ernsthaft für etwas interessiert, wird man das so schnell nicht wieder los. Man hängt da irgendwie heute noch drin", sagt DLS und meint damit die Zeit nach seiner Amtszeit als Sickter Bürgermeister und seiner politischen Arbeit für die Samtgemeinde Sickte. Noch heute hat er die Geschehnisse in Sickte ganz genau im Auge und gibt hier und da mal kleine Hinweise und Tipps.

Alles für Sickte und seine Bürger


Nach 42 Jahren als Mitglied im Rat der Samtgemeinde Sickte, davon je 15 Jahre als Samtgemeindebürgermeister und Ratsvorsitzender, hat Dieter Lorenz 2011 seine politische Arbeit beendet. 30 Jahre, von 1981 bis 2011, war er ehrenamtlicher Bürgermeister von Sickte, von 1981 bis 1996 parallel dazu Samtgemeindebürgermeister. Dass das so kommen musste, war irgendwie klar, erzählt er. Schon früh hatte ihn seine Mutter gelehrt, sich für andere Menschen einzusetzen und Dinge zu verändern, wenn es etwas zu verändern gibt. Die besten Möglichkeiten, etwas zu bewegen, sah Lorenz in der politischen Arbeit. Und so war er 1973 einer der Gründungsmitglieder des CDU-Ortrates in Sickte. Nur wenige Jahre später folge das Bürgermeisteramt in seiner da noch neuen Heimat. Denn nach Sickte kam Dieter Lorenz erst 1970, als er seine Frau heiratete. Da war er 34 Jahre alt. "Das war die schönste Zeit meines Lebens. Ich hatte unendlich viele Möglichkeiten, etwas zu bewirken."


Sein oberstes Ziel war es, sein Sickte zu präsentieren. Ständig war er unterwegs, knüpfte Kontakte, stattete Vereinen, Einrichtungen und Politikern einen Besuch ab und warb für seine Heimat. Überall wo er in den nächsten Jahren auftauchte, kannte man schon bald seinen Namen. Und wer Dieter Lorenz aus Sickte nicht kannte, lernte ihn kennen. "Ich habe das nie für mich getan, sondern immer für diesen Ort. Ich wollte das Beste für Sickte rausholen. Mein Bemühen war immer, dass sich die Sickter wohlfühlen. Und ich wollte die Menschen immer irgendwie mitreißen", sagt er und erinnert sich an die Zeit, als er die Gemeindemitglieder zu runden Geburtstagen mit einem Ständchen beglückte. Das brachte ihm später auch den Spitznamen "singender Bürgermeister" ein.

Von Schlesien nach Sickte


"Meine Lebenszeit ist Sickte", sagt Dieter Lorenz. Doch nicht immer war der Ort am Rande des Landkreises seine Heimat. Bis zum "singenden Bürgermeister" von Sickte sollten in seinem Geburtsjahr 1937 noch einige Jahre ins Land gehen. Als ältestes von vier Kindern erblickte er nur wenige Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Neisse in Oberschlesien - heutiges Polen- das Licht der Welt. "Dort lernte ich laufen und sprechen und wurde eingeschult", berichtet Lorenz aus seiner Kinderzeit. Sein Vater war Eisenbahner, der alsbald seinen Dienst an der Front verrichten musste. Zurück blieben Dieter Lorenz, seine drei Schwestern und seine Mutter. Bis zu einem Tag im Jahre 1945, als die Rote Armee Neisse einnahm und er mit seiner Mutter und seinen jüngeren Geschwistern flüchten musste. Zunächst zu Fuß von Ortschaft zu Ortschaft, dann weiter über die Tschechoslowakei und in einem Zug bis nach Bayern. In Schwandorf, so erzählt Dieter Lorenz, hat es einen Schlüsselmoment gegeben, an den er sich noch heute ganz genau erinnert. Am Bahnhof Schwandorf sollte die Familie aussteigen. Plötzlich gab es Bombenalarm und der Zug mit seiner Mutter an Bord, setzte sich in Bewegung. Die Kinder standen auf dem Bahnsteig. "Meine Mutter hat dann einfach die Notbremse betätigt und uns Kinder in den Zug geholt. In dieser Nacht wurde Schwandorf bombardiert. Es gab über 1.000 Tote."

Danach lebte die Familie - ohne den Vater - vier Jahre auf einem Bauernhof in Bayern. Seine Mutter wurde es in dieser zeit nicht müde, Postkarten an ihren Mann zu schreiben. Adressiert an ihre frühere Wohnanschrift. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass Dieter Lorenz sein Vater, der inzwischen in Braunschweig lebte, erfuhr, dass seine Familie am Leben ist und in Bayern lebt. Vielleicht hatte auch Gott seine Hand im Spiel. Denn, da Post damals nur schwer zugestellt werden konnte, wurde diese in der Kirche verlesen. Dieter Lorenz seine Tante, nahm an genau diesem Gottesdienst teil und informierte ihren Bruder. Der holte seine totgeglaubte Familie nach Braunschweig.


Hier konnte Dieter Lorenz seinen Schulabschluss und seine Lehre zum Maschinenschlosser bei der Bahn machen. Später folgte die Techniker Schule und das Studium zum Maschinenbauingenieur. Dieter Lorenz wurde sesshaft in Sickte und hatte inzwischen eine Familie gegründet. Mit seiner Frau Jutta hat er drei Kinder - zwei Söhne und eine Tochter. Ganz besonders stolz ist er auf seine Enkelin, sagt er. An Weihnachten kommt die Familie zusammen. "Das hat bei uns Tradition", erzählt Dieter Lorenz, die Freude auf diese Zusammenkunft ist ihm anzumerken.

Der Geist ist wach, doch der Körper schwach


Dass sich "DLS" in den vergangenen Monaten aus der Öffentlichkeit etwas zurückgezogen hat, ist seinen gesundheitlichen Problemen geschuldet, erzählt er. Eine Ohren-OP mit Dauergehörschäden, der Verlust seine Geschmackssinns und Appetitlosigkeit haben ihn 20 Kilo Körpergewicht gekostet. Hinzu kommen ein Leistenbruch, eine Schulterverletzung nach einem Sturz und eine Operation an der Hüfte, die ihn größtenteils an den Rollator oder an Gehhilfen bindet. Dieter Lorenz ist nur noch selten außerhalb Sicktes zu sehen. Die vielen Gespräche in Stadt und Land waren schön, aber: „Alles hat seine Zeit“, sagt er. Und damit meint er die Zeit, die er sich nun nehmen muss und will, um wieder fit zu werden. "Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass ich wieder selbstständiger und gesünder werde. Dass ich wieder Appetit habe und etwas zu nehme. In jeder Apotheken-Zeitung steht, wie man abnehmen kann, aber nirgends, wie man zunehmen kann", sagt er. Und er wünscht sich, dass seine Familie gesund bleibt, die ihm eine große Stütze ist.

Seine Botschaft stellt er in diesem Jahr unter den Titel "Das ist eine schöne Bescherung“. Darin spürt man die Verbundenheit, die der 84-Jährige zu Gott und der Kirche hat. Regelmäßige Kirchgänge gehörten zu seinem Alltag. Auch das ist etwas, was Corona und seine Erkrankungen ihn haben einbüßen lassen. "Irgendwie hat sich alles verändert." Auch wenn Corona alles ein wenig schwieriger macht und, wie Lorenz es sagt, vieles auf den Kopf gestellt hat, so versucht er in seiner diesjährigen Weihnachtsbotschaft so etwas wie Hoffnung zu vermitteln.

"Das ist eine schöne Bescherung“


"Vielleicht finden wir Zeit, uns die über 2000 Jahre alte Weihnachtsgeschichte ins Gedächtnis zu rufen. Der Erlöser kam zum normalen Volk, wie die Hirten. Die Machthaber kämpften auch damals um Machterhalt, darum musste die ganze Familie mit dem Christkind fliehen. Immer schon gilt die Weihnachtsbotschaft:„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden.“

Also, die Achtung vor einer höheren Instanz, wie Regeln für gutes Zusammenleben, impfen...und respektvolles, Frieden wollendes Zusammenleben unter allen 7,89 Milliarden Menschen. Möge jedem, der guten Willens ist gelingen, seinen Beitrag für eine Gesundheit erhaltende Zukunft im alten wie im neuen Jahr mit einzubringen. Allen – weniger aus der Nähe, mehr über Technik und Ferne ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein schaffensfrohes neues Jahr.

Dieter Lorenz, Sickte


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