Feuerteufel in Wolfenbüttel - Diese Tipps sollte man jetzt beachten

Die Brandserie betrifft Mehrfamilienhäuser. Hier sollte man jetzt besonders wachsam sein und die Tipps der Feuerwehr beherzigen.

von Werner Heise


Von der Drehleiter aus bekämpft die Feuerwehr den Dachstuhlbrand in der Töpferstraße. Es ist innerhalb von vier Wochen der fünfte Brand dieser Art.
Von der Drehleiter aus bekämpft die Feuerwehr den Dachstuhlbrand in der Töpferstraße. Es ist innerhalb von vier Wochen der fünfte Brand dieser Art. Foto: Werner Heise

Wolfenbüttel. Fünf Dachstuhlbrände binnen vier Wochen halten die Feuerwehr und ganz Wolfenbüttel in Atem. Auch wenn ein Gutachter erst in zwei Fällen Brandstiftung attestiert, an einen Zufall glaubt hier niemand mehr. In einer Presseinformation der Stadt Wolfenbüttel gibt die Feuerwehr jetzt Tipps und wichtige Hinweise, wie man sich möglichst vor einem Brandstifter und den Folgen eines Feuers schützen kann.


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"Im Interesse aller sollte grade aktuell regelmäßig kontrolliert werden, ob Hauseingangstüren geschlossen, Türen zum Dachboden, Kellertüren und Kellerfenster verschlossen sind", rät Stadtbrandmeister Olaf Glaeske. "Haustüren sollten tatsächlich aber nur geschlossen und nicht abgeschlossen sein“, ergänzt Marco Dickhut. Denn diese sind auch Notausgangstüren und müssen jederzeit von innen mit einem Griff ohne fremde Hilfsmittel, wie zum Beispiel dem Schlüssel, leicht zu öffnen sein.

Bewohner sind im Notfall psychisch stark beansprucht


"Bei Ausbruch eines Feuers oder anderen Notfällen im Haus werden in aller Regel die Bewohner psychisch stark beansprucht und es besteht die Gefahr, dass sie ihren Schlüssel in der Wohnung vergessen oder nicht die Möglichkeit haben, ihn mitzunehmen. Dabei sind ältere oder hilfsbedürftige Menschen sowie Kinder aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen oder ihrer Unerfahrenheit besonders stark den Gefahren in einem Notfall ausgesetzt", erklärt der Stadtbrandmeister. Damit sollte es verständlich sein, dass Haustüren aus brandschutzrechtlichen Gründen nicht verschlossen werden dürfen.

Rauchmelder auf dem Dachboden


Auch vor dem Drücken des elektrischen Türöffners sollte bei Fremden nach dem Grund gefragt werden, warum jemand eingelassen werden will – und es sollte auch darauf geachtet werden, ob die Person das Haus wieder verlässt. Sinnvoll sei es zudem, auch Dachböden und Treppenhäuser mit Rauchmeldern auszustatten, damit ein Feuer frühzeitig entdeckt werden könne, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Stadt Wolfenbüttel hat unterdessen zur Ergreifung des Feuerteufels eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro ausgelobt. "Es ist unerträglich, wie hier von einer Person oder vielleicht auch mehreren Personen mit dem Leben und Eigentum Unschuldiger gespielt wird. Das ist in keiner Weise länger hinzunehmen. Die Ermittlungsbehörden arbeiten auf Hochtouren, wir als Stadt unterstützen mit all unseren Mitteln und ich hoffe auf entsprechende Hinweise aus der Bevölkerung", betont Bürgermeister Ivica Lukanic. "Es zehrt an Nerven und Kräften", sagt auch Wolfenbüttels Stadtbrandmeister Olaf Glaeske. Er kann die Angst vieler Bürgerinnen und Bürger, die in Mehrfamilienhäusern leben, nachvollziehen.

Das Haus in der Töpferstraße ist nicht mehr bewohnbar.
Das Haus in der Töpferstraße ist nicht mehr bewohnbar. Foto: Werner Heise


Die unheimliche Brandserie


Der erste Brand ereignete sich am Dienstag, dem 21. Juni. Um 5.30 Uhr wurde die Feuerwehr Wolfenbüttel zu einem Dachstuhlbrand in die Straße Am Brückenbach alarmiert. Die Bewohner des Hauses konnten sich retten, doch einige ihrer Wohnungen wurden schwer beschädigt. Nach vorläufigem Gutachten handelt es sich um Brandstiftung.

Nur zwei Tage später, am Donnerstag, dem 23. Juni, ereignete sich kurz nach 23 Uhr der nächste Dachstuhlbrand. Wieder war es in der Straße Am Brückenbach, wieder ein Mehrfamilienhaus. Etwa 130 Kräfte kämpften über mehrere Stunden gegen die Flammen. Verletzt wurde auch hier glücklicherweise niemand, doch das Haus wurde unbewohnbar. Die Polizei geht nach vorläufigem Gutachten auch in diesem Fall von einer Brandstiftung aus.

Am Sonntag, dem 10. Juli, gegen 4:20 Uhr kam es dann zum dritten Dachstuhlbrand. Dieses Mal traf es ein Mehrparteienhaus in der Dr.-Heinrich-Jasper-Straße. Etwa 15 Bewohner waren von dem Brand direkt betroffen. Alle konnten rechtzeitig das Haus verlassen, ein 39-Jähriger kam jedoch mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Bewohnbar ist das Haus nicht mehr. Ob es auch hier Brandstiftung war, wird noch ermittelt.

In der Dr.-Heinrich-Jasper-Straße steht ein Dachstuhl in Flammen. Schwarzer Rauch zog durch die Altstadt.
In der Dr.-Heinrich-Jasper-Straße steht ein Dachstuhl in Flammen. Schwarzer Rauch zog durch die Altstadt. Foto: Werner Heise


Am vergangenen Freitag, 15. Juli, kommt es, zum vierten Feuer dieser Art. Gegen 20.30 Uhr geriet auch hier aus bislang noch ungeklärter Ursache der Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses in Brand. Und auch hier war es in der Dr.-Heinrich-Jasper-Straße. Eine schwarze Rauchsäule stieg meterhoch in den Himmel und zog über und durch die Wolfenbütteler Altstadt. Personen, die sich im Haus aufhielten, konnten das Haus rechtzeitig verlassen, verletzt wurde niemand. Trotz des schnellen Einsatzes der Feuerwehr brannte der Dachstuhl komplett nieder, Teile des Hauses sind einsturzgefährdet. Die Ursache muss ein Gutachter erst noch ermitteln.

Bereits am Montag, 18. Juli, setzte sich die Serie von Dachstuhlbränden fort. Das Feuer brach am helllichten Tage gegen 16:45 Uhr in einem Mehrfamilienhaus in der Töpferstraße aus. Ein Übergreifen auf das direkt angrenzende Nachbarhaus konnte von der Feuerwehr verhindert werden. Aufgrund der Enge am Einsatzort war es nicht möglich eine zweite Drehleiter aufzustellen. Mindestens ein Feuerwehrmann musste aufgrund der Rauchentwicklung vor Ort behandelt werden, zu schwereren Verletzungen ist es laut Polizei auch bei diesem Brand glücklicherweise nicht gekommen.

Die Polizei bittet um die Mithilfe der Bevölkerung: "Wenn Sie verdächtige Beobachtungen machen oder gar unbekannte Personen in Treppenhäusern feststellen, informieren Sie bitte umgehend Ihre Polizei unter der Telefonnummer: 05331 / 933-0 oder auch über den Notruf 110!"


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