Wolfenbüttel. Bereits vor eineinhalb Jahren waren Aufregung und Sorge bei den Mitgliedern darüber groß, dass der Athletik-Verein Eiche 09 seinen Trainingsraum im Kellergeschoss der Sporthalle auf dem Schulgelände an der Ravensberger Straße verlieren wird. Nun schlägt der Verein erneut Alarm.
Im August 2024 berichtete regionalHeute.de schon einmal über den Fall. Damals wandte sich Roman Slodczyk, Erster Vorsitzender des Vereins Athletik Eiche 09 Wolfenbüttel, an die Redaktion und berichtete, dass der Verein seine Sportstätte in der in der Ravensberger Straße
verlassen soll. Der Grund: Der Landkreis Wolfenbüttel will die Räume für den Schulbetrieb der dort ansässigen Henriette-Breymann-Gesamtschule nutzen. Nach Gesprächen mit den Akteuren und Beratungen in politischen Gremien im Herbst 2024, in denen dem Verein Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Heimat zugesichert wurde, wurde es still. Doch das Problem blieb.
Verein bittet Politik um Hilfe
Mit einem offenen Brief wandte sich der Verein kürzlich an die Vertreter des Kreistags und an die Redaktion von regionalHeute.de. Darin erklärt Roman Slodczyk: "Unser Verein, Athletik Eiche 09 Wolfenbüttel e.V., steht vor dem Aus. Wir wenden uns heute an Sie als gewählte Vertreter des Landkreises, um eine drohende Fehlentscheidung zu verhindern, die 118 Jahre Sportgeschichte und ein einzigartiges soziales Projekt vernichten würde. Zum 31.12.2026 soll unser Verein seine spezialisierte Trainingshalle in der Henriette Breymann Gesamtschule verlassen, um Platz für eine Yoga-Schule zu machen. Über diese lebensbedrohliche Frist wurden wir erst kürzlich vage und über Dritte informiert – eine offizielle, verlässliche Kommunikation seitens der Verwaltung fehlte über zwei Jahre hinweg."
Der Verein fordert Unterstützung vom Kreistag, da die geplante Umnutzung der Halle aus seiner Sicht eine unnötige Verschwendung von rund 200.000 Euro Steuergeldern darstellt. Die Halle sei speziell für Schwerathletik gebaut und erst 2010 modernisiert worden, der Rückbau von Spezialausstattung wie Schwerlastböden und Lärmschutz würde diese Investitionen zunichtemachen.
Gleichzeitig hebt der Verein seine 118-jährige Tradition, internationale sportliche Erfolge und seine Bedeutung für den Landkreis hervor. Neben dem Leistungssport leistet er wichtige soziale Arbeit. Ein großer Teil der Mitglieder hat Migrationshintergrund, viele sind älter, und der Verein trägt zur Integration und Gesundheitsförderung bei. Da der niedrige Mitgliedsbeitrag von 8,50 Euro nur durch die aktuelle Situation möglich ist, würden zusätzliche Kosten durch Umzug oder Miete den Verein existenziell bedrohen. So schilderte es Slodczyk auch im Gespräch mit regionalHeute.de.
Das sagen Stadt und Landkreis
Doch wie ist die Lage aktuell wirklich? regionalHeute.de bat die Stadt Wolfenbüttel als Eigentümerin der Liegenschaft und den Landkreis als Schulträger der HBG um Aufklärung des Sachverhalts. Beide Verwaltungen stellen den Fall etwas anders dar. Während der Verein die Situation als erneut akut und existenzbedrohend schildert, weisen Stadt und Landkreis diese Darstellung zurück. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklären Stadtrat Thorsten Drahn und Erster Kreisrat Heiko Beddig, dass sich der Sachverhalt seit der Beratung im Ausschuss für Sport und Freizeit im September 2024 nicht verändert habe.
Es drohe dem Verein nicht „erneut“ der Verlust der Räumlichkeit, sondern es gelte weiterhin die dem Verein seit dem 31. Juli 2024 bekannte Position, dass die Mitglieder „aufgrund des angemeldeten Bedarfs der Gesamtschule Henriette Breymann (HBG) den Raum nur noch bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nutzen können und sich – mit Unterstützung der Stadt Wolfenbüttel – eine neue Heimat suchen müssen“.
Fraglich sei somit von Anfang an nicht gewesen „ob“, sondern „wann“ diese Veränderung eintritt, stellen Drahn und Beddig klar und verweisen auf die Vorlage aus September 2024, in der es heißt, dass dem Verein damals keine feste Frist gesetzt worden sei, die künftige schulische Nutzung aber „möglichst zeitnah realisiert werden“ solle.
Nach den Beratungen in besagtem Ausschuss habe man sich darauf verständigt, ein weiteres Gespräch mit der Schulleitung zu führen und den Verein bei der Suche nach einer neuen Räumlichkeit zu unterstützen. Da im Jahr 2025 an der HBG ein personeller Wechsel der Leitung erfolgte (Frau Unger trat in den Ruhestand ein und Frau Juhls übernahm die Schulleitung), sei das Thema auch noch einmal mit der neuen Schulleiterin erörtert worden. Nach wie vor bestehe also der räumliche Bedarf der Schule. Insoweit soll bis spätestens zum Jahresende - der Nutzungsvertrag mit Eiche 09 soll zu diesem Zeitpunkt enden - eine Lösung gefunden und umgesetzt werden. Weiter erklären Drahn und Beddig: "Wir werden nach einer nunmehr fast zweijährigen Vorbereitungs- beziehungsweise Übergangszeit, in der sich die Vereinsmitglieder auf die Veränderung einstellen konnten, gemeinsam in den kommenden Monaten mit dem Verein die Suche nach einer neuen, geeigneten Räumlichkeit intensivieren. Seitens der städtischen Sportverwaltung wurden bereits entsprechende Ideen entwickelt, die noch abschließend mit den Vertretern des Athletik-Vereins erörtert werden."
Yoga-Schule statt Krafttraining?
Zur Frage einer möglichen Nutzung durch eine Yoga-Schule heißt es wörtlich: „Weder der Kreis- noch der Stadtverwaltung noch der Schulleitung der HBG ist bekannt, dass eine Yoga-Schule den in Rede stehenden Raum mieten möchte. Das ist nicht der Fall, und falls es eine solche Anfrage geben würde, so würde diese ablehnend beschieden.“ Der Raum solle künftig „planmäßig vor- und nachmittags für den Schulbetrieb sowie im Rahmen freier Kapazitäten für außerschulische Sportangebote verschiedener Vereine zur Verfügung gestellt werden“.

