Leerstände in der Innenstadt: Warum manche Läden schwer zu vermitteln sind

Wenn der Umbau zum Hindernis wird: Besonders historische Gebäude stellen Eigentümer, potenzielle Mieter und die Immobilienvermittlung vor große Herausforderungen.

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Umbau: Damit die oberen Etagen erreicht werden können wird ein separater Eingang geschaffen. Die Verkaufsfläche wird dadurch jedoch kleiner.
Umbau: Damit die oberen Etagen erreicht werden können wird ein separater Eingang geschaffen. Die Verkaufsfläche wird dadurch jedoch kleiner. | Foto: Matthias Kettling

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Wolfenbüttel. Interessenten für freie Ladenlokale in Wolfenbüttel gibt es durchaus. Doch häufig verhinderten hohe Sanierungskosten und schwierige bauliche Voraussetzungen eine Vermietung. Besonders historische Gebäude stellten Eigentümer und potenzielle Mieter vor Herausforderungen. Darüber hat sich regionalHeute.de in der vergangenen Woche mit Andre Volke von der Initiative Wirtschaft Wolfenbüttel (IWW) unterhalten.



Leer stehende Geschäfte gibt es auch in der Wolfenbütteler Innenstadt. Allerdings fehlt es nach Einschätzung von Volke nicht grundsätzlich an Nachfrage. Teilweise gebe es sogar mehr Interessenten als geeignete Immobilien. „Das Problem ist weniger, Interessenten zu finden. Entscheidend ist, dass die Immobilie zum jeweiligen Nutzungskonzept passt“, erklärt der Citymanager.

Bauliche Hürden erschweren Vermietung


Vor allem ältere Fachwerkhäuser entsprächen häufig nicht mehr den Anforderungen moderner Einzelhandels- und Gastronomiebetriebe. Enge Eingänge, Treppenstufen, verwinkelte Grundrisse und veraltete technische Anlagen machten umfangreiche Umbauten notwendig.

Wie schwierig die Vermittlung sein könne, zeige das ehemalige Chocolata-Geschäft. Trotz zahlreicher Interessenten sei bislang keine Vermietung zustande gekommen. Heizung und Innenausbau müssten erneuert werden. Hinzu kämen eine schmale Eingangstür und eine Stufe im Eingangsbereich. Die notwendigen Investitionen schreckten potenzielle Mieter ab.

Auch fehlende separate Zugänge zu Obergeschossen seien ein Problem. Früher hätten Bewohner häufig nur durch das Ladengeschäft in ihre Wohnungen gelangen können. Heute blieben die oberen Etagen deshalb teilweise ungenutzt. Beim ehemaligen Barrique-Geschäft solle ein neuer Hauseingang geschaffen werden, um Wohnungen im Obergeschoss zu ermöglichen. Allerdings gehe dadurch Verkaufsfläche im Erdgeschoss verloren.

Beim ehemaligen Cut-&-Go-Friseursalon müssten vor einer möglichen gastronomischen Nutzung unter anderem Brandschutz, Fluchtwege und Kücheneinbau geklärt werden.
Beim ehemaligen Cut-&-Go-Friseursalon müssten vor einer möglichen gastronomischen Nutzung unter anderem Brandschutz, Fluchtwege und Kücheneinbau geklärt werden. Foto: Matthias Kettling



Zusätzliche Hürden entstünden durch Denkmalschutz und Baurecht. Beim ehemaligen Cut-&-Go-Geschäft müssten vor einer möglichen gastronomischen Nutzung unter anderem Brandschutz, Fluchtwege und Kücheneinbau geklärt werden. „Bei manchen Immobilien muss zunächst überhaupt die bauliche Voraussetzung für eine neue Nutzung geschaffen werden“, betont Volke.

Auch die Eigentümer spielten eine entscheidende Rolle. Nicht alle seien bereit, in notwendige Modernisierungen zu investieren. Erbengemeinschaften, unklare Eigentumsverhältnisse und unrealistische Mietpreisvorstellungen erschwerten die Vermittlung zusätzlich.

Investitionen nötig


Die IWW und die Wirtschaftsförderung brächten Eigentümer und Interessenten vor allem über persönliche Kontakte zusammen. Eine zentrale Leerstandsdatenbank gebe es nicht. „Wir haben nicht in erster Linie ein Nachfrageproblem, sondern häufig ein Problem mit den Immobilien selbst“, fasst Volke zusammen. Investitionen in Barrierefreiheit, Brandschutz, technische Ausstattung und flexible Grundrisse könnten entscheidend dazu beitragen, Leerstände zu reduzieren und historische Gebäude wieder wirtschaftlich nutzbar zu machen.

Ehemaliger Laden auf Zeit: Der Concept Store
Ehemaliger Laden auf Zeit: Der Concept Store "Liv-Store" hat am Dienstag am Kornmarkt eröffnet. Foto: Matthias Kettling



Dass neue Nutzungen dennoch gelingen könnten, zeigten mehrere Beispiele aus der Innenstadt. Das Keramikstudio "Lieblingstasse" habe aufgrund seiner positiven Entwicklung innerhalb von zwölf Monaten in eine fünfmal größere Fläche wechseln können. Der Herrenausstatter "Maison Homme" hat mit einem neuen Konzept eine zuvor anders genutzte Ladenfläche übernommen und will noch im November eröffnen. Auch "no. five" oder der "Liv-Store" zeigen, dass sich neue Geschäftsideen in Wolfenbüttel etablieren könnten: Aus einem zunächst zeitlich begrenzten Ladenkonzept sei eine dauerhafte Geschäftsperspektive entstanden. Diese Beispiele machten deutlich, dass die Innenstadt durchaus Entwicklungsmöglichkeiten biete – wenn Immobilie, Nutzungskonzept und wirtschaftliche Voraussetzungen zusammenpassten.