Für 9,66 Millionen Euro: KZ-Außenlager Laagberg soll Ausstellungsort werden

Im kommenden Monat trifft der Stadtrat Wolfsburg die finale Entscheidung über die künftige Gestaltung der Gedenkstätte.

2017 wurden bei bei archäologischen Ausgrabungen Fundamentreste der Gefangenenbaracke 4 des KZ-Außenlagers Laagberg entdeckt. (Archivbild)
2017 wurden bei bei archäologischen Ausgrabungen Fundamentreste der Gefangenenbaracke 4 des KZ-Außenlagers Laagberg entdeckt. (Archivbild) | Foto: Christoph Böttcher

Wolfsburg. Der Objektbeschluss für den Bau des Gedenk- und Lernortes KZ-Außenlager Laagberg wird nun in die politischen Beratungen eingebracht. Grundlage ist die vorliegende Planung, nach der das Projekt mit einem Gesamtvolumen von 9,66 Millionen Euro umgesetzt werden soll. Erstmals steht die Vorlage Ende Mai auf der Tagesordnung des Ortsrates Mitte-West, anschließend wird sie in den zuständigen Fachausschüssen beraten. Die abschließende Entscheidung trifft der Rat der Stadt Wolfsburg voraussichtlich in seiner Sitzung am 17. Juni, wie die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung berichtet.



„Mit dem Gedenk- und Lernort KZ-Außenlager Laagberg schaffen wir einen Ort, der weit über das Erinnern hinausgeht“, sagt Oberbürgermeister Dennis Weilmann. „Er macht die Verantwortung unserer Stadt sichtbar, sich dauerhaft mit den Verbrechen der NS-Zeit auseinanderzusetzen und daraus Lehren für Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Dieser Ort wird ein zentraler Bestandteil unserer demokratischen Erinnerungskultur und ein wichtiges Zeichen dafür sein, dass Wolfsburg historisches Bewusstsein, gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine offene Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte aktiv fördert. Noch im Jahr 2026 wird mit dem „Ort der Verantwortung“, dem ersten Baustein des Gedenk- und Lernortes, begonnen werden.“

Die gut gestaltete Verbindung von Außenraum, Ausstellung, Archivarbeit und interaktiven Vermittlungsformaten schafft einen Zugang zur Geschichte, der sowohl emotional als auch wissenschaftlich fundiert ist“, ergänzt Stadtbaurat und Kulturdezernent Kai-Uwe Hirschheide. „Damit entsteht in Wolfsburg ein kulturell und geschichtlich relevanter Ort, der die Erinnerung an die Opfer bewahrt und zugleich neue Formen der Auseinandersetzung mit Geschichte ermöglicht.“

Durch die Spende der Volkswagen AG in Höhe von zwei Millionen Euro könne mit dem Bau des Gedenk- und Lernortes begonnen werden. Weitere Drittmittel sollen durch die Stadt Wolfsburg eingeworben werden.

Verknüpfung von Ausstellung und Freiflächengestaltung


Der Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Hoskins Architects Ltd. und guba+sgard Landschaftsarchitekten aus Berlin zeichne sich durch eine besondere Verknüpfung von Ausstellung, Freiflächengestaltung und Bauwerk aus. Eine jederzeit zugängliche Ausstellung im Außenraum sowie ein durch den Wald führender Steg, der entlang der ehemaligen Lagergrenze verläuft, werden die Dimensionen des einstigen KZ-Außenlagers und das Geschehen am historischen Ort unabhängig von den Öffnungszeiten erfahrbar machen. Im Gebäude selbst werde sich eine Ausstellung mit Originalexponaten und das Kunstwerk „Konzern“ von Andreas von Weizsäcker befinden. Zudem sollen ein Seminarraum, die Geschichtswerkstatt mit dem „Offenen Archiv“, eine Druckwerkstatt und ein weiterer Ausstellungsbereich untergebracht werden. Komplettiert würden die Bausteine des Gedenk- und Lernortes Laagberg durch den „Ort der Verantwortung“.


Hintergrund


Als im Frühjahr 2017 bei archäologischen Ausgrabungen im Zuge einer Baumaßnahme nahe der Breslauer Straße bei Bauarbeiten überraschend Fundamentreste der Gefangenenbaracke 4 des KZ-Außenlagers Laagberg entdeckt wurden, löste dies eine intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit von Stadt und Werk aus. Darüber hinaus kam es zu einer auch überregional wahrgenommenen Debatte darüber, wie mit diesem historischen Ort des Leidens, der Erniedrigung und der Gewalt umzugehen sei. Wesentliche Impulse für diese Auseinandersetzung kamen aus der Zivilgesellschaft. Der Rat der Stadt Wolfsburg beschloss am 21. Juni 2017 mit großer Mehrheit die Errichtung eines Gedenk- und Lernortes innerhalb der ehemaligen Lagergrenzen.

In Zusammenarbeit mit Opfer- und Interessenverbänden, Vertreterinnen und Vertretern der Gedenkstätte Neuengamme, Fachinstitutionen der Denkmalpflege, wissenschaftlichen Beraterinnen und Beratern sowie engagierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadtgesellschaft wurde durch das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) eine Konzeption über die Ausgestaltung der Bildungsstätte erarbeitet. Auch Schülerinnen und Schüler, Auszubildende der Stadt Wolfsburg und der Volkswagen AG sowie lokale Initiativen der Erinnerungsarbeit wurden in den Beteiligungsprozess einbezogen.